Aktionäre und Aktienfondsbesitzer in Deutschland 2010 - 2018

Neue Zahlen des DAI Zahl der Anleger auf höchstem Stand seit Finanzkrise

Stand: 06.03.2019, 11:12 Uhr

Werden die Deutschen angesichts der Niedrigstzinsen nun doch ein Volk von Aktionären? Noch legen sie ihr Geld überwiegend auf Sparkonten an. Aber die Zahl der Aktienbesitzer und Fondssparer nimmt zu.

Die Zahl der Aktionäre in Deutschland ist im vergangenen Jahr auf den höchsten Stand seit 2007 gestiegen. Insgesamt besaßen rund 10,3 Millionen Bürger, die älter waren als 14 Jahre - also 16,2 Prozent der Gesamtbevölkerung - Anteilsscheine von Unternehmen oder Aktienfonds, wie das Deutsche Aktieninstitut (DAI) mitteilte.

Das waren 250.000 mehr als im Jahr zuvor. Ein Grund sind die anhaltenden Niedrigzinsen. Klassische Sparformen werfen deswegen kaum noch etwas ab. Rund jeder sechste Bundesbürger war 2018 demnach in der einen oder anderen Form in Aktien investiert.

Deultich mehr Fondsbesitzer

Die Aktionärszahlen steigen damit nach dem überdurchschnittlichen Wachstum im Vorjahr weiter und stabilisieren sich auf einem Niveau, das dem vor der Finanzkrise entspricht. Die Struktur des Aktienbesitzes hat sich in 2018 jedoch verändert.

So ist die Zahl der direkten Aktionäre um 373.000 auf gut 4,5 Millionen gesunken. (7,1 Prozent der Bevölkerung). Die Zahl der Aktienfondsbesitzer nahm dagegen mit einem Plus von 617.000 deutlich zu und erreichte 2018 knapp 7,8 Millionen.

Fast sechs Millionen Anleger

Insgesamt ist die Gruppe derer, die ausschließlich Aktienfondsanteile besitzen, um 12,2 Prozent auf beinahe 5,8 Millionen Anleger gestiegen. Damit setzt sich der positive Trend der vergangenen Jahre beim Fondsbesitz fort. Das DAI spricht von einer erfreulichen Entwicklung, weist allerdings darauf hin, dass die Gesamtzahl der Anleger in Aktien- und Mischfonds noch immer unter den Höchstständen der Jahrtausendwende liegt.

2001 gab es in Deutschland fast 13 Millionen Aktionäre. Das Platzen der New-Economy-Blase am Neuen Markt verschreckte jedoch viele Privatanleger so nachhaltig, dass sie bis heute eine Anlage am Aktienmarkt scheuen - trotz der anhaltenden Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank.

Aktionäre leben vorwiegend im Westen

Seit dem letzten Tiefststand der Aktionärszahlen in 2014 sind insgesamt 1,9 Mio. neue Aktionäre und Aktienfonds-Besitzer dazugekommen. Die Struktur des Aktienbesitzes hat sich dadurch aber nicht signifikant verändert, und auch die Demographie der Aktienbesitzer weist über die Zeit ein relativ stabiles Muster auf.

Überproportional viele Aktionäre und Aktienfondsbesitzer haben ein relativ hohes Bildungsniveau, ein überdurchschnittliches Haushaltseinkommen, leben im Westen Deutschlands, vor allem in Baden-Württemberg und gehören eher zu den älteren Semestern.

Ein Drittel sind über 60

Fast 3,8 Millionen und damit ein Drittel aller Aktienbesitzer sind über 60 Jahre alt. Das DAI erklärt dies mit der demographischen Entwicklung in Deutschland. Es gebe schlicht mehr alte Menschen. Deshalb steige auch die Zahl der Aktienbesitzer dieser Altersgruppe. Die Jüngeren können hier nicht mithalten. Von ihnen sind nur wenige Aktionäre.

Trotzdem ist der Anteil der Aktienbesitzer, die jünger als 39 Jahre sind, seit 2014 gestiegen, von 8,1 Prozent auf aktuell 11,1 Prozent. In absoluten Zahlen bedeutet dies einen Zuwachs von insgesamt 605.000 Anlegern, davon 109.000 im letzten Jahr. Allerdings bleibt abzuwarten, welche Auswirkungen der Kurseinbruch im Dax Ende letzten Jahres auf die weitere Entwicklung der Aktionärszahlen gehabt hat.

Untergeordnete Rolle

Insgesamt spielen Aktien im Gesamtvermögen der Deutschen weiterhin eine untergeordnete Rolle. Laut Angaben der Deutschen Bundesbank haben die privaten Haushalte von ihrem Geldvermögen in Höhe von 6.052 Milliarden Euro gerade einmal 529 Milliarden Euro in Aktien oder Aktienfonds investiert. Das entspricht einem Anteil von rund 8,7 Prozent. Im Vergleich dazu entfallen auf das Versicherungssparen 37,3 Prozent und fast 40 Prozent auf Bargeld und in der Regel null- bis niedrig verzinste Bankeinlagen.

Angesichts des realen Vermögensverlustes, der durch Nullzinseinlagen entsteht, fordert das DAI die Politik zum wiederholten Male auf, Aktien als Ergänzung zum Umlageverfahren der Altersvorsorge einzubinden. "Schweden und andere Länder zeigen, wie das gelingen kann".

lg