Lei Jun, Xiaomi-Gründer und CEO, schlägt den Gong zum Börsengangi in Hong Kong
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Schwieriges Marktumfeld Xiaomi: Von wegen fulminanter Börsengang

Stand: 09.07.2018, 07:49 Uhr

Lange Zeit waren Börsengänge chinesischer Techfirmen von großen Kurssprüngen gekrönt. Ganz anders beim Smartphone-Hersteller Xiaomi.

Der Kurs des Unternehmens fiel zu Handelsbeginn um knapp sechs Prozent auf 16 Hongkong-Dollar. Zuletzt konnte sich das Papier wieder erholen und notierte mit 16,98 Hongkong-Dollar nur noch knapp unter dem Ausgabepreis von 17 Hongkong-Dollar.

Xiaomi Mi3 Smartphone

Xiaomi Mi3 Smartphone. | Quelle: Unternehmen

Der Börsengang des chinesischen Konzerns hatte unter keinem guten Stern gestanden. Mit 17 Hongkong-Dollar lag der Ausgabepreis am unteren Ende der Spanne, die bis 22,00 Hongkong-Dollar reichte. Der weltweit viertgrößte Smartphoneproduzent erlöste bei seinem Börsengang 4,72 Milliarden US-Dollar, deutlich unter dem, was sich das Unternehmen anfangs vorgestellt hatte.

50 Milliarden Dollar wert

Mit dem aktuellen Kurs ist Xiaomi mit rund 50 Milliarden US-Dollar bewertet. Als die Vorbereitungen zum Börsengang im vergangenen Jahr begannen, war von 100 Milliarden US-Dollar die Rede - zuletzt hatte Xiaomi seine Erwartungen bereits heruntergeschraubt.

Der Gang auf das Handelsparkett kommt allerdings zu einem schwierigen Zeitpunkt. Der schwelende Handelskonflikt zwischen China und den USA hat den Aktienindex in Hongkong im Juni um 6,5 Prozent gedrückt, seit Jahresbeginn verlor er 5,8 Prozent.

Neue Regeln eingeführt

Der Börsengang von Xiaomi wird als Stimmungsbarometer gesehen für weitere Kandidaten wie China Tower, den weltgrößten Mobilfunkmast-Betreiber, und den Online-Plattformbetreiber Meituan Dianping. 2014 hatte der chinesische Amazon-Konkurrent Alibaba fast 22 Milliarden Dollar bei seinem Wall-Street-Debüt eingenommen.

Marktanteile globaler Smartphonehandel, 1. Quartal 2018

Marktanteile globaler Smartphonehandel. | Bildquelle: Strategy Analytics, Grafik: boerse.ARD.de

Der Hongkonger Aktienmarkt hat erst kürzlich neue Regeln eingeführt, um Techfirmen anzulocken. Mit Xiaomi griff nun gleich einer der bekanntesten Konzerne der Volksrepublik zu. Xiaomi baut neben Smartphones auch diverse andere Elektronikgeräte vom Fernseher bis zur Fritteuse.

Neue Konkurrenten

Xiaomi schrieb im vergangenen Jahr und im ersten Quartal dieses Jahres tiefrote Zahlen: Der Verlust summierte sich auf umgerechnet 5,75 Milliarden Euro. Der Umsatz stieg hingegen um 67,5 Prozent auf 15 Milliarden Euro. Xiaomi lockt Kunden mit vergleichsweise günstigen Smartphones und setzt damit auch Samsung Electronics und Apple unter Druck. Im vergangenen Jahr verdoppelten die Chinesen ihren Absatz und stiegen zum weltweit viertgrößten Smartphoneanbieter auf.

Inzwischen machen der Firma aber andere chinesische Anbieter wie Oppo und Vivo mit diesem Geschäftsmodell, günstige Smartphones anzubieten, starke Konkurrenz.

lg/rtr/dpa