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Xiaomi geht an die Börse Jagd auf Samsung und Apple

Stand: 03.05.2018, 09:46 Uhr

Apple und Samsung bekommen von den Chinesen ganz schön Druck - jetzt auch an der Börse. Der chinesische Smartphone-Senkrechtstarter Xiaomi kündigt seinen Börsengang an. Und lockt mit einem Billigversprechen.

Xiaomi hat den Dreh raus, luchst den etablierten Smartphoneherstellern immer mehr Marktanteile ab mit seinen technisch hochgerüsteten, aber vergleichsweise günstigen Computer-Telefonen, die online verkauft werden. Jetzt macht Xiaomi Apple und Samsung auch an der Börse Konkurrenz. Der chinesische Konzern reichte seine Bewerbung für den Börsengang ein: Er veröffentlichte am Donnerstag seinen Börsenprospekt.

Ein Riese

Noch ist unklar, wie groß der Börsengang wird und viele Aktien an Anleger verkauft werden sollen. In dem Börsenprospekt sind solche Eckdaten geschwärzt. Das "Wall Street Journal" schreibt allerdings, Xiaomi wolle mindestens zehn Milliarden Dollar, umgerechnet gut acht Milliarden Euro, einnehmen. Damit wäre der Börsengang vermutlich der größte des Jahres, so die Zeitung weiter. Er wäre der größte eines chinesischen Technologieunternehmens seit dem von Alibaba 2014, der rund 25 Milliarden Dollar schwer war.

Laut dem Zeitungsbericht wird Xiaomi mit rund 100 Milliarden Dollar bewertet und wäre damit der drittgrößte chinesische Technologiekonzern hinter Tencent und Alibaba. Der Smartphone-Hersteller wäre sogar größer als der chinesische Google-Rivale Baidu und der E-Commerce-Riese JD.com.

Rote Zahlen

Immerhin gab Xiaomi erstmals einen Einblick in die Finanzen. Demnach verbuchte die Firma im vergangenen Jahr einen Verlust von 43,9 Milliarden Yuan, was aktuell etwa 5,8 Milliarden Euro entspricht. Der Grund für diese roten Zahlen hängt mit dem Börsengang zusammen, mit der Ausgabe von Vorzugsaktien. Rechnet man diese Sonderkosten heraus, hätte Xiaomi einen dreistelligen Millionengewinn erzielt. Der Umsatz sprang um 67 Prozent auf 114,6 Milliarden Yuan, umgerechnet 15 Milliarden Euro.

Smartphones bringen rund 70 Prozent der Xiaomi-Erlöse ein. Der Rest des Geschäftes geht auf diverse andere Elektronikgeräte vom Fernseher über Luftfilter und Staubsauger bis zur Fritteuse. Insgesamt gehören zum Konzern-Netzwerk über 90 Unternehmen.

Die Billig-Strategie

Xiaomi ist nach seiner Gründung 2010 mit seinen vergleichsweise günstigen Smartphones schnell groß gemacht. Gründer und Chef Lei Jun macht im Börsenprospekt ein ungewöhnliches Versprechen: Die Kostenmarge - also das Verhältnis zwischen Kosten und Erlösen - werde im Hardware-Geschäft nicht fünf Prozent überschreiten. Sollte sie darüber liegen, werde der entsprechende Überschuss den Nutzern zurückgegeben. Xiaomi-Smartphones werden also weiter preiswert bleiben.

Lei Jun sagte, er habe es schon immer als schockierend empfunden, dass zum Beispiel ein Hemd, das in der Produktion in China 15 Dollar koste, für 150 Dollar verkauft werden könne.

Marktanteile in Bewegung

Der Smartphone-Markt ist hart umkämpft. Neben Xiaomi machen andere chinesische Anbieter wie Oppo und Vivo den beiden Großen, Apple und Samsung, Konkurrenz. Im ersten Quartal dieses Jahres war Xiaomi nach Berechnungen der Marktforschungsfirma Strategy Analytics der viertgrößte Smartphone-Anbieter der Welt mit 28 Millionen verkauften Geräten und einem Marktanteil von 8,3 Prozent. Auf Platz 3 ist Huawei mit 11,4 Prozent.

Marktanteile globaler Smartphonehandel, 1. Quartal 2018

Marktanteile globaler Smartphonehandel
Die Branche stagniert nach Verkaufszahlen und ist trotzdem in Bewegung. Im Kampf um Marktanteile müssen sich Samsung und Apple immer stärker mit chinesischen Herausforderern auseinandersetzen. | Bildquelle: Strategy Analytics, Grafik: boerse.ARD.de

Den Erlös des Börsengangs will Xiaomi für Forschung und Entwicklung unter anderem bei vernetzter Technik im sogenannten Internet der Dinge, für künstliche Intelligenz sowie für die globale Expansion ausgeben. Xiaomi werde zum Leben von Milliarden Menschen weltweit gehören, verkündete Konzern-Chef Lei Jun. Mit dem neuen Xiaomi-Modells MiMix 2S will er es sogar schaffen, zu Apple und Samsung aufzuschließen.

»Wir haben das iPhone X nicht nur zerquetscht, wir haben es regelrecht niedergewalzt.«

Xiaomi-Gründer Lei Jun bei der Präsentation des MiMix 2S

Noch ist China der Hauptmarkt mit einem Umsatzanteil von 72 Prozent - laut Analyst Jia Mo, ein Analyst von Canalys, ein ernstes Problem, da der Heimatmarkt Zeichen einer Sättigung zeigt. Im vorigen Jahr sind die Smartphoneverkäufe erstmals schrumpften.

Aber die Abhängigkeit von China schwindet. 2015 erwirtschaftete Xiaomi im Heimatland noch 94 Prozent der Erlöse. In den vergangenen Jahren hatten die Chinesen unter anderem den indischen Markt ins Visier genommen. Angesichts des Handelskonflikts mit den USA wird es für chinesische Unternehmen aber schwerer, die westlichen Märkte zu erobern.

bs

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Die Top Fünf im Smartphone-Markt Die Branche stagniert nach Verkaufszahlen und ist trotzdem in Bewegung. Im Kampf um Marktanteile müssen sich Samsung und Apple immer stärker mit chinesischen Herausforderern auseinandersetzen.

Samsung Galaxy S9+

Samsung
Noch sind die Südkoreaner mit großem Abstand Marktführer. Im abgelaufenen Jahr lag der Marktanteil durchschnittlich bei knapp 22 Prozent. Im vierten Quartal fiel Samsung nach Marktanteilen allerdings erstmals hinter Apple zurück. Mit den Flaggschiffen der Galaxy S9-Serie könnte der alte Abstand wiederhergestellt werden. Samsung verdient außerdem als Display-Lieferant für die iPhones kräftig mit an Apples Erfolg.

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