Dispaly Elektroauto (BMW i3)

Autobranche im Umbruch Wohin steuert BMW?

von Lothar Gries

Stand: 20.03.2019, 06:45 Uhr

Jedes Jahr erhalten die Aktionäre von BMW eine satte Dividende. Für Großeigentümer wie Susanne Klatten und ihren Bruder Stefan Quandt sind das mehrere Hundert Millionen Euro. In diesem Jahr fällt der Geldsegen etwas geringer aus. Denn der Münchner Hersteller steht vor gewaltigen Herausforderungen.

Die Aktionäre spüren die Veränderungen der Autobranche bereits seit längerem. So dümpeln die Aktien der Hersteller schon seit Jahren vor sich hin. Die BMW-Aktie ist heute nicht mehr wert als vor drei Jahren. Blickt man ein Jahr weiter zurück, auf den März 2015, sieht es sogar noch schlechter aus. Damals waren die Titel fast 40 Prozent teurer als derzeit.

Nun müssen die Anteilseigner ihre Gürtel noch enger schnallen, BMW will die Dividende für das vergangene Jahr um 50 Cent auf 3,50 Euro je Stammaktie kürzen. Grund sind die rückläufigen Gewinne.

Für die beiden Großaktionäre Susanne Klatten (55) und ihren Bruder Stefan Quandt (51) bedeutet das Mindereinnahmen von mehreren Millionen Euro. Seit dem Tod seiner Mutter Johanna ist Stefan Quandt mit 25,83 Prozent der Stimmrechte größter Einzelaktionär des Münchner Autobauers. Damit verfügt er auch über eine Sperrminorität. Das bedeutet: Ohne sein Plazet läuft praktisch nichts. Schwester Susanne Klatten ist nach der jüngsten Aufteilung mit einem Anteil von 20,94 Prozent auf den zweiten Platz gerutscht.

Große Herausforderungen

Dass die Dividende in diesem Jahr empflindlich sinken wird, können beide natürlich locker wegstecken, gehören sie doch zu den reichsten Familien Deutschlands mit einem geschätzten Vermögen von mehr als 30 Milliarden Euro.

Der schwache Aktienkurs und die rückläufige Ausschüttung zeigen aber deutlich, vor welchen Herausforderungen der Konzern steht. So treffen die angehobenen Zölle zwischen den USA und China den Autobauer 2019 erstmals in einem vollen Jahr. BMW rechnet mit einer Belastung im mittleren bis hohen dreistelligen Millionenbereich. Auch würden höhere Zölle der USA auf importierte Autos aus Europa den Konzern hart treffen.

Aktionärsstruktur BMW

Aktionärsstruktur BMW. | Bildquelle: BMW, Grafik: boerse.ARD.de

Was wird aus den Fabriken in England?

Reagieren muss BMW zudem auf das Brexit-Chaos, denn der Konzern gehört in Großbritannien zu den größten Autofabrikanten. 15 Prozent der Autoproduktion auf der Insel kommt aus den Fabriken des weiß-blauen Herstellers. Hier laufen nicht nur der Mini und die Luxus-Karossen Rolls Royce vom Band, BMW produziert dort jährlich auch rund 375.000 Motoren.

Für den Fall eines Austritts des Landes aus der EU will BMW einen Teil der Produktion aus Großbritannien abziehen. Doch ein solcher Schritt ist leichter gesagt als getan - und er kostet Geld. An Herausforderungen für BMW herrscht also kein Mangel.

Hoffnungsmarkt China

Doch der Konzern reagiert: So übernimmt BMW als erster ausländischer Hersteller überhaupt ab 2022 die Mehrheit an dem Gemeinschaftsunternehmen mit seinem chinesischen Partner Brilliance. Entsprechende Verträge sind bereits unterzeichnet. Für die Anteilsaufstockung um 25 auf 75 Prozent muss der deutsche Autohersteller rund 3,6 Milliarden Euro zahlen. Zudem kündigte BMW an, eines der Produktionswerke in China deutlich zu erweitern. Damit steigt die Fertigungskapazität in China von heute 400.000 auf 520.000 Autos pro Jahr. Ziel ist es die Strafzölle für die Importe auf die im US-Werk Spartanburg gefertigten Wagen zu vermeiden.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
67,41
Differenz relativ
-0,74%
Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
48,42
Differenz relativ
-1,42%

Überhaupt China: Dort, wo die Verkäufe der Konzernmarken 2018 um 7,7 Prozent auf 640.000 Autos zulegten, sieht der Hersteller noch immer gutes Wachstumspotenzial. In den USA dagegen erwarten die Münchner nur noch ein leichtes Absatzplus. Bereits im vergangenen Jahr sind die Auslieferungen dort nur noch um magere 0,5 Prozent gestiegen.

Kräfte bündeln

VW, BMW, Daimler gemeinsam im Boxenstopp

Kooperation der Autobauer. | Bildquelle: picture alliance / EPA, Montage: boerse.ARD.de

Doch die größten Herausforderungen kommen erst noch. Sie betreffen die Entwicklung von Elektroantrieben und autonomen Fahrzeugen. Im vergangenen Jahr musste BMW bereits sieben Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung auf diesen Gebieten ausgeben. Weil dies allein kaum zu stemmen ist, sind in der deutschen Autoindustrie ungewöhnliche Partnerschaften entstanden.

So will BMW seine Kräfte bei der Entwicklung selbst fahrender Autos mit Daimler bündeln. "Statt individueller Insellösungen geht es uns um ein zuverlässiges Gesamtsystem", erklärte Daimler-Forschungsvorstand Ola Källenius. Es gehe um eine langfristige Zusammenarbeit, fügte BMW-Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich hinzu.

Wie weit geht die Kooperation?

VW-CEO Diess, Daimler-CEO Zetsche und BMW-CEO Krüger (v.l.)

VW-CEO Diess, Daimler-CEO Zetsche und BMW-CEO Krüger. | Bildquelle: picture alliance/Swen Pförtner/Britta Pedersen/Christian Stadler,BMW AG/dpa, Montage: boerse.ARD.de

Die stärksten Rivalen im Premiumautogeschäft wollen sich also bei ihrer Roboterauto-Allianz die milliardenschweren Entwicklungskosten teilen. Vor allem wollen sie schneller vorankommen, denn Googles Tochter Waymo hat nach Einschätzung von Experten bei der Technologie durch längere Erprobung ein bis zwei Jahre Vorsprung.

Zuvor hatten Daimler und BMW bereits ihre Kooperation bei Car-Sharing-Diensten vertieft und ein gemeinsames Mobilitätsunternehmen gegründet. Schon spekulieren Experten über weitere Möglichkeiten der Zusammenarbeit. Tatsächlich geht es bei den bevorstehenden Umwälzungen wie dem Übergang vom Verbrenner zur E-Mobilität sowie dem autonomen Fahren für die deutsche Autoindustrie um nichts weniger als ums Überleben.

Glimpfliches Ende der Dieselaffäre?

Im Gespräch ist daher eine Art Megabündnis der deutschen Autoindustrie, an dem neben den Herstellern BMW, Daimler und Volkswagen auch die großen Zulieferer Bosch, Continental und ZF Friedrichshafen teilnehmen könnten.

Glimpflich davon gekommen ist BMW in der Dieselaffäre. Der Vorwurf des Betrugs hat sich nach Auskunft der Münchner Staatsanwaltschaft nicht bestätigt. Der Konzern muss wegen fehlerhafter Software in der Abgasreinigung bei 7.965 Autos ein Bußgeld von 8,5 Millionen Euro zahlen. BMW habe jedoch keine Gesetze missachtet und keine Abgaswerte für bessere Messwerte auf dem Prüfstand manipuliert, teilte die Staatsanwaltschaft Ende Februar mit.

Im März 2018 hatten 100 Polizisten und Strafverfolger unter anderem die Konzernzentrale und das Forschungs- und Entwicklungszentrum des Konzerns durchsucht. BMW hatte stets von einem menschlichen Fehler gesprochen.