Ein Mann kämpft sich bei Wind und Wetter mit Regenschirm über eine Wiese

Nach Brexit-Votum War's das jetzt mit der Rally?

Stand: 20.10.2019, 10:54 Uhr

Befeuert von Entspannungssignalen im Handelsstreit und beim Brexit-Drama hat der Dax in der vergangenen Woche ein neues Jahreshoch erklommen. Droht nach dem Votum der britischen Abgeordneten am Samstag nun die Rolle rückwärts?

Marktexperten wollen zwar eine Enttäuschung der Anleger nicht ausschließen, doch habe sich die geopolitische Gesamtlage durch das Votum des britischen Unterhauses nicht wirklich verändert.

"Die Börse hat schon daran gewöhnt, auf einen Austrittstermin zuzulaufen, der dann kurz vor dem Ziel doch noch einmal verschoben wird", meinen die Fachleute vom Brokerhaus CMC. Zudem hätten die hiesigen Anleger das Börsenjahr 2019 bislang damit verbracht, die Angst vor einer Rezession, einem No-Deal-Brexit und dem Handelskrieg zu verarbeiten. Jetzt bestehe endlich die Chance auf einen Ausbruch nach oben und den wollten sich die Anleger nicht von den Briten vermiesen lassen.

Keine wirkliche Entspannung

So oder so werde das Thema Brexit noch lange Zeit eine Rolle spielen, meint NordLB-Analyst Stefan Große. Denn die Einigung zwischen der EU und der Regierung in London sei erst der Anfang. "Die Zukunft der Beziehungen ist immer noch nicht abschließend geregelt. Der Deal behandelt nur die Austrittsbedingungen, alles andere muss noch verhandelt werden."

Auch beim zweiten Dauerbrenner-Thema Zollstreit sei bislang keine wirkliche Entspannung in Sicht, sagt Analyst Pierre Veyret vom Brokerhaus ActivTrades. "Die Waffenruhe zwischen den USA und China bleibt brüchig." Dem Anlagestrategen Anthony Chan von der Privatbank UBP bereiteten Berichte über mögliche Beschränkungen von US-Investitionen in chinesische Firmen Sorgen. Dies dämpfe Hoffnungen auf eine baldiges Ende des Handelsstreits. "Die nächste Konfrontationsebene kann sich über den Technologiesektor hinaus auch auf den Finanzsektor erstrecken."

Auch Europa, besonders Deutschland mit seiner Autoindustrie, könnte demnächst wieder in den Fokus des Trumpschen Furors geraten. Dies alles, sowie die globale Rezessionsgefahr schwebt wie ein Damoklesschwert über den Märkten.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
13.228,81
Differenz relativ
+0,37%
Dow Jones Ind.: Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
27.858,82
Differenz relativ
+0,29%
S&P 500 Ind.: Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
3.106,66
Differenz relativ
+0,32%

Wird die Bilanzsaison besser als befürchtet?

Viele Anleger hoffen daher auf eine bessere Berichtssaison als befürchtet. Die hat in den USA mit den Banken für erfreuliche Überraschungen gesorgt. Auch in Europa könnten die Zahlen nach den zahlreich nach unten revidierten Prognosen letztlich etwas höher ausfallen - und somit für etwas Zuversicht sorgen.

In der neuen Woche öffnen unter anderem der Deutsche Post-Konkurrent UPS und der Airbus-Rivale Boeing ihre Bücher. Hinzu kommen der Online-Händler Amazon und der Chip-Hersteller Intel. Die US-Bilanzsaison verlaufe bislang zufriedenstellend, sagt Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank. "Die Prognosen wurden im Schnitt um circa drei Prozent übertroffen." Angesichts der niedrigen Erwartungen seien die Chancen für weitere positive Überraschungen gut.

Zahlenflut erwartet - und dann geht Draghi

Auch hierzulande ergießt sich in der neuen Woche eine Flut von Zahlen über die Anleger. Den Auftakt macht am Montag der Softwareanbieter SAP. Vorläufige Zahlen hatten bereits für einen kräftigen Kursanstieg gesorgt. Im Verlauf folgen der Chemiekonzern BASF, der Autobauer Daimler und der Triebwerkshersteller MTU. Letzterer war erst im September in die erste deutsche Börsenliga aufgestiegen.

EZB-Chef Mario Draghi

EZB-Chef Mario Draghi. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Nicht zuletzt dürften die Anleger am Donnerstag nach Frankfurt blicken. Dort leitet Mario Draghi zum letzten Mal eine Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB), bevor er das Zepter an die bisherige Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, übergibt. Neue geldpolitischen Maßnahmen sind nicht zu erwarten, doch spricht alles dafür, dass auch die neue Notenbankchefin die expansive Geldpolitik ihres Vorgängers fortsetzt.

Am Freitag schließlich folgt das deutsche Ifo-Geschäftsklima. Nach dem zuletzt ersten Anstieg seit März sieht die Postbank im Oktober bei den Geschäftserwartungen ein moderates Aufwärtspotenzial, nicht aber für die Lagebeurteilung. In der Summe rechnen die Experten daher mit einem knappen Rückgang des Ifo-Index um 0,1 auf 94,5 Punkte.

lg

1/19

Die Hingucker der Woche Pharma, Chemie, Autos, Software

<strong>SAP</strong><br/>Den Auftakt macht am Montag der Softwareriese SAP mit der Veröffentlichung der endgültigen Zahlen. Die bereist vor gut <a href="" externalId="8237995b-0d13-495c-91ee-157140eab442">einer Woche präsentierte Quartalsbilanz</a> hatte an der Börse für Furore gesorgt.: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Woche

SAP
Den Auftakt macht am Montag der Softwareriese SAP mit der Veröffentlichung der endgültigen Zahlen. Die bereist vor gut einer Woche präsentierte Quartalsbilanz hatte an der Börse für Furore gesorgt.