Hingucker der Woche

Wochenausblick Turbulenzen ahoi

Stand: 29.09.2019, 10:44 Uhr

Donald Trump wird für die Anleger zunehmend zum Ärgernis. Als neues Druckmittel gegen China will er nun chinesische Firmen von der Wall Street verbannen. Hinzu kommt die Debatte um eine Amtsenthebung. Die Unruhe an den Börsen dürfte also anhalten.

Zwar dementierte am Samstag eine Sprecherin des Finanzministeriums Gerüchte, wonach die US-Regierung darüber nachdenke, die Börsennotierung chinesischer Firmen an der New Yorker Börse einzustellen. Ein Ausschluss vom Aktienmarkt werde "zum jetzigen Zeitpunkt" nicht erwogen, sagte sie.

Dass viele Anleger Donald Trump eine solche Maßnahme zutrauen, zeigt die Reaktion der amerikanischen Aktienmärkte am Freitag. Aktien von chinesischen Firmen wie den Internetriesen Alibaba und JD.com sowie der Suchmaschine Baidu ließen bis zu 6,7 Prozent Federn. Der Dow Jones-Index drehte ins Minus und schloss 0,26 Prozent schwächer.

Zuletzt waren nach Angaben der US-Regierung mehr als 150 chinesische Firmen an der Wall Street notiert. Ein Börsenausschluss würde den seit Monaten lodernden Handelsstreit zwischen den beiden Wirtschaftsmächten kräftig anheizen. Die Gespräche beider Seiten sollen am 10. Oktober in Washington weitergehen.

Schreckgespenst der Anleger

Damit zeigt sich erneut, dass sich der amerikanische Präsident zu einem Schreckgespenst der Börsen entwickelt hat. Wurde seine Steuerreform zu Beginn seiner Amtszeit noch stürmisch gefeiert, müssen sich die Investoren nun wegen der immer zahlreicher werdenden politischen Querelen des Donald Trump auf unruhige Monate einstellen.

Donald Trump

Donald Trump. | Bildquelle: Imago

Bauchschmerzen bereite vor allem die Ukraine-Affäre des US-Präsidenten, sagt Norihiro Fujito, Anlagestratege bei der Investmentbank Mitsubishi UFJ Morgan Stanley. "Zwar geht angesichts der republikanischen Mehrheit im Senat niemand von einem Votum für eine Amtsenthebung Trumps aus. Aber im Rahmen langwieriger Ermittlungen könnten immer neue Dinge ans Tageslicht kommen."

Zahlreiche Konjunkturdaten

Wegen der feiertagsbedingt verkürzten Handelswoche hierzulande (Tag der deutschen Einheit) dürfte das Geschehen in den Vereinigten Staaten den Dax mehr denn je beeinflussen. Die chinesischen Börsen bleiben feiertagsbedingt sogar fast die ganze Woche geschlossen.

Für Aufmerksamkeit dürften, neben den politischen Querelen, die US-Konjunkturdaten sorgen. Höhepunkt ist der Arbeitsmarktbericht am Freitag. Einen Vorgeschmack auf die offiziellen Zahlen geben die Daten der privaten US-Arbeitsagentur ADP zwei Tage zuvor. Von den Statistiken erhoffen sich Investoren Rückschlüsse auf die weitere Geldpolitik der Fed.

Noch keine Quartalszahlen

Entsprechende Hinweise sollen auch das Stimmungsbarometer der Einkaufsmanager am Dienstag und die Auftragseingänge für langlebige Güter am Donnerstag liefern. Die Konjunkturdaten der neuen Woche dürften zeigen, dass die weltgrößte Volkswirtschaft weiter auf Wachstumskurs ist, sagt Commerzbank-Volkswirt Christoph Balz voraus.

Kursbewegende Unternehmensnachrichten dürften in der neuen Woche spärlich bleiben, bis die Quartalsberichtssaison Mitte Oktober richtig Fahrt aufnehme, heißt es bei der LBBW weiter. Doch bereits davor "wird sich das eine oder andere Unternehmen zu Wort melden, sofern absehbar ist, dass die zuletzt avisierten Gewinnziele verfehlt werden".

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
13.146,74
Differenz relativ
+0,58%
Dow Jones Ind.: Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
27.904,33
Differenz relativ
+0,07%

Die Experten erinnerten daran, dass zuletzt mit dem Vakuumpumpenspezialisten Pfeiffer Vacuum, dem Motorenhersteller Deutz, dem Nutzfahrzeugzulieferer SAF-Holland, dem Stahlkonzern Salzgitter und dem Kali- und Salzhersteller K+S schon zahlreiche Firmen, vor allem aus der Industrie, ihre Erwartungen nach unten revidiert hatten.

Post, Osram und Bayer im Fokus

Zudem dürfte sich die Deutsche Post am Dienstag bei der Vorstellung ihrer Strategie bis 2025 "der Aufmerksamkeit der Marktteilnehmer gewiss sein". Am selben Tag endet für die Aktionäre des Lichtspezialisten Osram die Annahmefrist für die vor dem Wochenende aufgestockte Übernahmeofferte des Halbleiterherstellers AMS. Damit hatten die Österreicher auf die Ankündigung der konkurrierenden US-Finanzinvestoren Advent und Bain Capital reagiert, das bisherige AMS-Angebot zu überbieten.

Ebenfalls am Dienstag steht ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs zum umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat von Bayer an. Zur Wochenmitte präsentiert dann der Finanzierungsdienstleister Grenke Zahlen zum Neugeschäft seit Jahresbeginn.

Einen Lichtblick könnte im weiteren Verlauf die nahende US-Bilanzsaison liefern, glaubt Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank. Zwar rechneten Analysten mit einem durchschnittlichen Rückgang der Quartalsgewinne um 2,3 Prozent. Da die tatsächlichen Ergebnisse aber meist über den Markterwartungen lägen, sei ein leichtes Gewinnplus möglich. "Gesellen sich hierzu noch gute Unternehmensausblicke für 2020, sollte der S&P 500-Index seine Hausse fortsetzen", prognostiziert Stephan.

lg/rtr/dpa