Hingucker der Woche

Licht und Schatten in der neuen Börsenwoche Suche nach Orientierung wird mühsamer

Stand: 01.12.2019, 10:40 Uhr

Die erneuten Spannungen zwischen den USA und China sowie die Unruhe in Berlin nach dem überraschenden Wahlergebnis bei der SPD könnten den Anlegern zunächst die Adventsstimmung verderben. Doch es gibt auch allen Grund zum Optimismus.

So ist Chinas Industrie im November erstmals nach sieben Monaten wieder gewachsen. Der Einkaufsmanagerindex (PMI), den das Statistikamt am Samstag veröffentlichte, kletterte auf 50.2 Punkte - der höchste Wert seit März. Ab 50 Punkten wird Wachstum signalisiert. Analysten hatten mit 49,5 Zählern gerechnet, nachdem der Index im Oktober 49,3 Punkte ausgewiesen hatte.

Der Anstieg wurde auf eine anziehende Binnennachfrage zurückgeführt. Ein erneuter Beweis dafür, dass die Weltwirtschaft ihre Schwächephase überwunden hat. Der Chefstratege von Merck Finck, Robert Greil, erwartet, dass sich die Stimmung auch in der deutschen Industrie gebessert hat. Die entsprechenden Barometer werden am Montag veröffentlicht. Am Mittwoch folgen diejenigen für den Dienstleistungssektor.

2019 war ein "Top-Jahr" am Aktienmarkt

Als wesentlichen Grund für die erwartete Stabilisierung des Auftragstrends in der deutschen Industrie sieht Greil "Anzeichen für einen sich abzeichnenden ersten Handelsdeal zwischen den USA und China“, auch wenn dieser erst Anfang 2020 unterschrieben werden dürfte.

Hinzu kommt: Der Dax hat in diesem Jahr etwa 25 Prozent zugelegt. 2019 ist somit eines der besten Jahre seit langem. In keinem solcher "Top-Jahre" sei es in den letzten Wochen bis Dezember zu einem Verlust gekommen, erklären die Experten der DZ Bank. Rein statistisch sei somit ein versöhnliches Jahresende an den Aktienmärkten wahrscheinlich.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr
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13.221,64
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Dow Jones Ind.: Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum 1 Jahr
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28.120,47
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+0,77%

Der ewige Handelsstreit

Allerdings könnten die erneuten Spannungen zwischen den USA und China den Anlegern die Adventsstimmung auch verderben. "US-Präsident Donald Trump hat das Gesetz zur Stärkung der Protestbewegung in Hongkong unterzeichnet", sagt Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. "Zu einem solch heiklen Zeitpunkt der Handelsgespräche könnte dies den Ausschlag zulasten einer Einigung geben."

Einem Medienbericht zufolge macht China die Rücknahme von Zöllen zur Bedingung für ein Abkommen zur Lösung des Handelsstreits mit den USA. Eine Zusage der Amerikaner, auf neue Zölle zu verzichten, die für Mitte Dezember geplant seien, reiche nicht aus, schrieb die Zeitung "Global Times" auf Twitter am Sonntag.

Das sei kein Ersatz für eine Rücknahme von bereits verhängten Zöllen, die Teil eines ersten Handelsabkommens sein müsse. Die Zeitung beruft sich in ihrer Darstellung auf namentlich nicht genannte Quellen. Das Blatt erscheint unter der Schirmherrschaft der "Renmin Ribao", dem Organ der Kommunistischen Partei Chinas.

Droht nun das Ende der GroKo?

Bundeskanzlerin Angela Merkel auf der Sitzung des Bundesvorstands der CDU nach der Hessenwahl 2018

Bundeskanzlerin Angela Merkel. | Bildquelle: picture alliance/Kay Nietfeld/dpa

Für Ungemach könnte in den kommenden Wochen auch die Wahl der neuen SPD-Spitze sorgen. Mit dem linken Duo Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken als neue Vorsitzende dürfte die Zeit für die große Koalition nun bald ablaufen. Beide Politiker sind erklärte Kritiker der GroKo und wollen den Druck auf die CDU in der Wirtschafts- und Sozialpolitik erhöhen. Dem wird sich die CDU nicht beugen können.

Etwas Abwechslung von den Politik-Themen versprechen die US-Arbeitsmarktdaten am Freitag. Von ihnen erhoffen sich Investoren Rückschlüsse auf die Geldpolitik der Notenbank (Fed). Diese hatte unlängst signalisiert, in der Geldpolitik die Füße vorerst still halten zu wollen. Experten erwarten für November die Schaffung von 183.000 neuen Stellen außerhalb der US-Landwirtschaft. Im Vormonat hatte das Plus bei 128.000 gelegen.

Einen Vorgeschmack auf die offiziellen Zahlen liefern am Mittwoch die Daten der privaten US-Arbeitsagentur ADP. "Trotz vieler Unkenrufe bewegt sich die US-Wirtschaft weiterhin auf Wachstumskurs", sagt Commerzbank-Volkswirt Christoph Balz.

Opec berät über Förderpolitik

Parallel dazu treffen sich Ende der neuen Woche die Opec und ihre Verbündeten, um über ihre Rohöl-Förderpolitik zu beraten. Die Exportstaaten würden ihre im März 2020 auslaufende Vereinbarung zur Förderbremse voraussichtlich um drei bis sechs Monate verlängern, prognostiziert Analyst Giovanni Staunovo von der Bank UBS. "Zusätzliche Kürzungen sind unwahrscheinlich."

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum 6 Monate
Kurs
64,40
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+1,29%
Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum 6 Monate
Kurs
59,37
Differenz relativ
+1,28%

Darüber hinaus wirft die für den 12. Dezember geplante Parlamentswahl in Großbritannien ihre Schatten voraus. Sollten die Tories von Premierminister Boris Johnson wie in den Umfragen vorhergesagt die absolute Mehrheit erringen, gehen Experten davon aus, dass Johnson seinen Brexit-Deal durchs Unterhaus bringt und Großbritannien zum 31. Dezember offiziell aus der EU ausscheidet.

Unabhängig davon steht die neue EZB-Chefin Christine Lagarde am Montag erstmals Abgeordneten des Europäischen Parlaments Rede und Antwort. Experten gehen davon aus, dass sie den künftigen geldpolitischen Kurs der Europäischen Zentralbank (EZB) umreißen wird.

lg