Blick auf die Daxtafel durch ein Fernrohr

Trotz Zollstreit und Brexit Springt der Dax wieder über die 12.000?

Stand: 01.09.2019, 12:46 Uhr

Der September hat begonnen und damit ein Monat, in dem in schöner Regelmäßigkeit Kursverluste anstehen. Ist in diesem Jahr alles anders? Fachleute sehen derzeit trotz aller politischen Krisen kaum Alternativen zu Aktien.

Am Freitag hatte der Dax mit 11.989 Punkten den höchsten Stand seit vier Wochen erklommen, damit aber die vielbeachtete Marke von 12.000 Punkten nicht geknackt. Auf Wochensicht verbuchte er einen Gewinn von 2,8 Prozent. Für den Monat August stand hingegen ein Verlust von rund 2 Prozent zu Buche. Im bisherigen Jahresverlauf lautet die Bilanz für den Leitindex plus 13 Prozent. Und der September dürfte ebenfalls holprig werden, auch wenn Fachleute weitere Gewinne in der kommenden Woche nicht ausschließen.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 3 Monate
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10.564,74
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+2,24%
Dow Jones Ind.: Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum 3 Monate
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23.715,26
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+1,25%
FTSE 100: Kursverlauf am Börsenplatz BNP Paribas für den Zeitraum 3 Monate
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5.862,08
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+2,93%

Alternativen zu Aktien?

Dabei richten sich die Blicke der Anleger auch in den nächsten Tagen auf die Dauerthemen Handelskonflikt, Italien, Brexit und Rezessionsängste. Am Sonntag sind US-Zölle auf weitere chinesische Importgüter in Kraft treten, China hat nachgezogen. "Wir erwarten nach einem volatilen August auch einen schwankungsintensiven September", sagt Stratege Mark Dowding vom Vermögensverwalter BlueBay.

Uwe Streich, Investmentanalyst der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), sieht die Aktienmärkte derzeit gefangen zwischen Rezessionsangst und einem Mangel an Alternativen. Im Kontext der momentanen Konjunktur- und Gewinnschwäche seien die Börsen recht ambitioniert bewertet. "Aufgrund eines immer größeren Anlagenotstands dürften allerdings Kapitalsammelstellen wie beispielsweise Versicherer dazu gezwungen sein, ihre Ressentiments gegenüber Aktien mehr und mehr über Bord zu werfen und ihre Aktienquote trotz einer möglicherweise bevorstehenden Rezession mit der gebotenen Vorsicht sukzessive zu erhöhen", so Streich.

"An den Finanzmärkten herrscht Kauflaune und zwar unabhängig vom Risikostatus", stellte Helaba-Analyst Christian Apelt fest. Allerdings sei die im September erwartete geldpolitische Lockerung durch Notenbanken bereits angemessen berücksichtigt, erklärte der Experte.

Die brennende Frage nach der Konjunktur

Vorsicht bleibt aber auf jeden Fall geboten: Der Chefanlagestratege der Commerzbank, Chris-Oliver Schickentanz, warnt, dass die Börsen im Bann der politischen Entwicklungen blieben. Sollten die erhofften Fortschritte im Zollkonflikt der USA und China ausbleiben, nehme das Enttäuschungsrisiko zu.

Deshalb bleibt auch der Zustand der globalen Konjunktur ein entscheidender Faktor. "Die erratische Politik von US-Präsident Trump zieht ihre Furchen durch die Weltwirtschaft mit der Folge einer spürbar größeren Unsicherheit hinsichtlich der politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen", schreibt Stefan Bielmeier,  
Chefvolkswirt & Leiter Research bei der DZ Bank.

Tschüss, Thyssenkrupp?

In Deutschland stehen in der neuen Woche die am Donnerstag erwarteten Auftragseingänge sowie die am Freitag folgenden Daten zur Industrieproduktion im Fokus. "Die Frühindikatoren lassen befürchten, dass auch das dritte Quartal kein Wachstum erbringt", kommentieren die Analysten der Helaba.

Thyssenkrupp-Stahlwerk in Duisburg

Thyssenkrupp-Stahlwerk in Duisburg. | Bildquelle: picture alliance/Oliver Berg/dpa

Aus den USA warten Anleger am Donnerstag auf den ISM-Einkaufsmanager-Index als wichtigen Frühindikator. Zum Wochenschluss steht der US-Arbeitsmarktbericht an. Vor der Mitte des Monats anstehenden Zinsentscheidung der US-Notenbank dürften die Daten ein wichtiger Orientierungspunkt für die Fed sein.

Auch am Aktienmarkt steht ein interessanter Termin an: Die Deutsche Börse beschließt am Mittwochabend die Zusammensetzung der Indizes. Das Dax-Gründungsmitglied ThyssenKrupp gilt bei Experten als klarer Abstiegskandidat.

ts/rtr/dpa