Hingucker der Woche

Corona-Krise und Aktienmarkt Dax: Kommt jetzt die Zeit der Schnäppchenjäger?

Stand: 15.03.2020, 12:10 Uhr

Zugreifen oder nicht? Die Frage dürften sich derzeit viele Anleger angesichts der abgestürzten Kurse stellen. Obwohl eine kurzfristige Erholung der Aktienmärkte möglich ist, bleiben die Risiken für weitere Verluste aber immens hoch.

Eine der schwärzesten Börsenwochen der Geschichte liegt hinter den Anlegern. Auf Wochensicht stürzte der Dax um rund  20 Prozent ab und verzeichnete den größten Verlust seit 2008. Der Dow Jones hat auf Wochensicht insgesamt fast 15 Prozent verloren.

Am Freitag gab es aber ein wahres Kursfeuerwerk: Der Dow Jones schloss am Freitag 9,4 Prozent höher, der technologielastige Nasdaq rückte 9,3 Prozent vor, der S&P 500 legte ebenfalls 9,3 Prozent zu. Für alle drei Indizes war es der größte prozentuale Tagesgewinn seit Oktober 2008. Aber die Anleger sollten nicht damit rechnen, dass es in dieser Weise weiter vorwärts geht.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 6 Monate
Kurs
12.854,66
Differenz relativ
-0,42%
Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum 6 Monate
Kurs
28.203,92
Differenz relativ
-1,42%
S&P 500 (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum 6 Monate
Kurs
3.426,88
Differenz relativ
-1,62%

Die Fed wird wohl reagieren

Die Coronavirus-Krise hat Wirtschaft und Finanzmärkte fest im Griff: Aus konjunktureller Sicht überwiegt die Skepsis. "Vieles spricht dafür, dass die derzeitige Weltwirtschaftskrise erst dann überwunden sein dürfte, wenn die Ansteckungsraten in Europa und den USA wieder nennenswert abnehmen und in beiden Regionen größere staatliche Konjunkturpakete beschlossen werden", schrieb Edgar Walk, Volkswirt der Metzler Bank.

Die Hoffnungen liegen also auf Hilfen der Notenbanken und auf Rettungspaketen und Konjunkturhilfen der Regierungen. Nach der überraschenden US-Zinssenkung um einen halben Prozentpunkt Anfang März rechnen Investoren für die Fed-Sitzungen am kommenden Mittwoch und im April mit weiteren Schritten in jeweils derselben Größenordnung. Dann läge der Schlüsselsatz bei fast null Prozent.

Sollten diese Maßnahmen und die bisherigen kurzfristigen Geldspritzen nicht ausreichen, werde die US-Notenbank sicher wieder längerfristige Anleihen aufkaufen, prognostizieren die Experten der Commerzbank. Angesichts der bereits rekordniedrigen Bond-Renditen sei der Effekt aber begrenzt.

Präsident der Federal Reserve Jerome Powell

Präsident der Federal Reserve Jerome Powell. | Bildquelle: Imago

Jetzt zugreifen?

Viele Länder wollen mit umfangreichen Hilfen für Unternehmen die Folgen der Pandemie mindern. Ob das dem Dax nach dem Corona-Crash kurzfristig auf die Beine hilft, ist offen. So ist die aktuelle Entwicklung für den Analysten Markus Reinwand von der Landesbank Helaba zwar "ein klares Indiz dafür, dass die Märkte derzeit nach unten übertreiben". Wann dies ende, sei aber kaum zu sagen.

"Anleger fragen sich, ob die Zeit gekommen ist, die Zehen in das Piranha-Becken zu tauchen und bei Schnäppchen zuzugreifen", sagt Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. Der Dax nähere sich laut dem Finanzexperten Andreas Büchler von Index Radar langsam einem günstigen Niveau. Allerdings sei zu bezweifeln ob Anleger angesichts der Nervosität am Markt schon wieder dauerhaft investieren wollten.

Infektionsstation Uniklinik Essen

Corona. | Bildquelle: picture alliance / Marcel Kusch / dpa

Konjunkturdaten keine Messlatte

DZ-Bank-Analyst Christian Kahler kommt zu einer ähnlichen Einschätzung. Die absehbare Rezession der Wirtschaft wegen der Coronavirus-Pandemie könnte den Dax zunächst bis auf 8.000 Punkte absacken lassen. Der DZ-Bank-Analyst gibt sich aber auch zuversichtlich, dass "wirtschaftliche Aktivitäten, privates Leben und Medieninteresse im Frühjahr zur Normalität zurückkehren". Für das zweite Halbjahr rechnet er mit einer deutlichen Belebung der Wirtschaft. Für Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank, steht und fällt die Stimmung denn auch mit der Zahl der Infizierten. Sie sei die Messlatte für den Kurse am Kapitalmarkt - nicht etwa die klassischen Konjunkturdaten.

Die Konjunkturdaten der kommenden Woche sind wenig aussagekräftig, da sie die Schwere der aktuellen Lage noch nicht abbilden. Mit Spannung schauen die Anleger aber darauf, wie Unternehmen die Situation einschätzen.

ts/rtr/dpa-AFX