Frau mit Fernglas

Bilanzsaison vor dem Höhepunkt Mit Volldampf ins Sommerloch?

Stand: 29.07.2018, 12:49 Uhr

Für die Anleger gerät die 13.000er-Marke in Reichweite. Signale der Entspannung im Handelsstreit zwischen EU und USA sowie starke Firmenbilanzen sind der Treibstoff für die Kursgewinne. Neben der Zahlenflut werden die Notenbanken in den nächsten Tagen eine Hauptrolle spielen.

„Bevor die absehbare Agenda im August wirklich dünn wird, stehen nächste Woche noch einmal zahlreiche wichtige Termine an“, sagt Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck Privatbankiers. „Neben der voranschreitenden Quartalszahlensaison und weiteren Notenbanksitzungen kommt eine ganze Batterie wichtiger Konjunkturzahlen“, fasst Greil zusammen.  

Droht eine Korrektur?

Ob diese Nachrichten den Dax noch einmal vorwärtstreiben werden? In der vergangenen Woche legte der Dax starke 2,4 Prozent zu und ging am Freitag bei 12.860 Punkten aus dem Handel.  In den USA stieg der Dow Jones im Wochenvergleich um 1,6 Prozent, der S&P 500 um 0,6 Prozent, während der Nasdaq um 1,1 Prozent sank.

Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
25.414,77
Differenz relativ
+0,52%
S&P 500 (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
2.736,30
Differenz relativ
+0,25%

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
11.341,00
Differenz relativ
-0,11%

Wie beurteilen Charttechniker die Lage? Um 12.870 Punkte müsse der Verlauf genau beobachtet werden, meinen die Analysten von ING. „Hier könnte es nämlich zu einem Auslaufen der Aufwärtsbewegung kommen, gefolgt von einer Korrektur. Diese erwartete Korrektur sollte dann wohl 12.700 Punkte oder in der Extension 12.600 Punkte erreichen. Beide Marken würden nichts am Aufwärtstrend ändern und den mittelfristigen Aufwärtstrend nicht in Frage stellen. Unter 12.600 Punkten würde sich die Lage aber wieder eintrüben, da der Dax dann auch unter die 200-Tageslinie fallen würde“, lautet ihre Einschätzung.

Politik & Aktienmarkt

Ob es zu einer Korrektur kommen wird, dürfte auch mit dem Thema Handelsstreit zusammenhängen. Zuletzt überwogen positive Signale: Donald Trump und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hatten sich am Mittwoch darauf geeinigt, den monatelangen Handelskonflikt beilegen zu wollen und vorerst keine neuen Sonderzölle zu verhängen. Beide Seiten wollen nun unter anderem Gespräche über die Abschaffung von Zöllen auf Industriegüter beginnen.

Aber was heißt das schon? Die Erfahrung der vergangenen Monate hat gezeigt, wozu US-Präsident Trump fähig ist. „Das Thema Handelskrieg ist immer noch nicht vom Tisch“, warnt deshalb Robert Greil von Merck Finck. Immerhin sind die Voraussetzungen geschaffen für eine Einigung – das gefällt den Investoren.  

Jean-Claude Juncker und Donald Trump

Zwei Dealmaker bei der Arbeit: Jean-Claude Juncker und Donald Trump.

„Optimistische Erwartungen werden getoppt“

Auch von der Bilanzsaison enhält der Dax Unterstützung. Auftrieb gäben den Kursen sprudelnde Firmengewinne - vor allem in den USA, sagt Felix Herrmann, Anlagestratege für Deutschland, Österreich und Osteuropa beim weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock. "Dass die Gewinne deutlich zulegen würden, war vor dem Hintergrund der Steuerreform zu erwarten." Dass über 80 Prozent der Firmen die bereits optimistischen Erwartungen noch toppten, überrasche dennoch.

Die kommende Woche ist reich an Höhepunkten. Am Dienstag lassen sich mit dem Gesundheitskonzern Fresenius und seiner Dialysetochter FMC sowie HeidelbergCement und der Lufthansa gleich vier Dax-Konzerne in ihre Bilanzen schauen. Am Mittwoch folgen Infineon und Volkswagen, am Donnerstag Siemens, BMW und Continental, am Freitag freuen wir uns auf die Allianz.

Neues von den Notenbanken

Die Notenbanken werden die Investoren ebenfalls auf Trab halten. Neben der Fed am Mittwoch entscheiden am Dienstag die japanische und am Donnerstag die britische Notenbank über den Leitzins. In beiden letzeren Fällen gebe es Spekulationen auf eine Anhebung des Leitzinses, bei der Bank of England gehe der Markt sogar von einer hohen Wahrscheinlichkeit von 80 Prozent aus, schreibt die BayernLB.

Die Fed dürfte den Leitzins Experten zufolge am Mittwoch in der Spanne von 1,75 bis 2,0 Prozent belassen. Bei der US-Notenbank seien keine Überraschungen zu erwarten, sagt Frank Dixmier, Anleihechef des Vermögensverwalters Allianz Global Investors. "Bis Ende des Jahres sollten sich Anleger auf zwei weitere Zinserhöhungen in den USA einstellen.

Präsident der Federal Reserve Jerome Powell

Präsident der Federal Reserve Jerome Powell. | Bildquelle: picture alliance / Photoshot

Ob die Einschätzung zutrifft, hängt nicht zuletzt am Zustand der US-Konjunktur. Vor allem der Arbeitsmarktbericht für Juli steht daher im Mittelpunkt des Interesses. Volkswirte der Dekabank rechnen mit einer Fortsetzung der robusten Entwicklung. "Der US-Arbeitsmarktbericht für Juli dürfte ein nahezu unverändertes Bild vom Arbeitsmarkt zeichnen."

ts