Wochenausblick

Notenbanker macht Hoffnung Kriegt der Dax jetzt die Kurve?

Stand: 06.01.2019, 10:44 Uhr

Nach den beruhigenden Worten von Jerome Powell, dem Chef der amerikanischen Notenbank, haben die Anleger am Freitag wieder Hoffnung geschöpft. Beginnt jetzt die Aufholjagd? Die Entscheidung darüber könnte in der neuen Woche fallen.

Viele der "Big Boys“, die institutionellen Investoren, kommen in der neuen Woche aus dem Weihnachtsurlaub zurück und werden erst dann wieder aktiv in den Handel einsteigen. Das dürfte die Entwicklung an den Märkten beeinflussen und über die künftige, kurzfristige Dax-Entwicklung mit entscheiden.

Am Freitag hatte bereits Fed-Chef Jerome Powell für Auftrieb an den Aktienmärkten gesorgt mit seiner Aussage, die Geldpolitik behutsam und flexibel zu betreiben. Sein Haus werde bei Zinsentscheidungen die Konjunktur genau im Auge behalten. Außerdem gebe es keine Festlegung auf eine bestimmte Geldpolitik.

Fed will auf Sorgen der Finanzmärkte hören

Präsident der Federal Reserve Jerome Powell

Präsident der Federal Reserve Jerome Powell. | Bildquelle: Imago

Auch sagte Powell, dass die Währungshüter "sorgfältig auf Sorgen an den Finanzmärkten hören" und bereit seien, "falls nötig die Bilanzpolitik zu ändern". Damit nahm er Befürchtungen vor einer zu schnellen Straffung der Geldpolitik etwas Wind aus den Segeln.

An den Märkten wird bereits spekuliert, dass die Notenbank ihre 2019 geplanten Zinsanhebungen aussetzen wird, falls sich die Konjunktur zu stark eintrüben sollte. Selbst über die Möglichkeit einer Absenkung des Zinssatzes wird in den USA bereits diskutiert.

Neue Gespräche zwischen China und den USA

USA-China

USA-China. | Bildquelle: colourbox.de

Zuversicht löst auch die Nachricht aus, dass Vertreter aus China und den USA gleich zu Beginn der neuen Woche zu Gesprächen über den Handelskonflikt zusammenkommen wollen. Eine US-Delegation wird am Montag und Dienstag zu "positiven und konstruktiven Diskussionen" in Peking erwartet, wie das chinesische Handelsministerium bekanntgab. "Wir erwarten keinen Durchbruch, aber das Potenzial für positive Überraschungen ist da", erläutert Edward Park, Vize-Investmentchef beim Handelshaus Brooks Macdonald.

"Wirtschaftlich wird immer deutlicher, dass beide Seiten den Deal brauchen“, sagte Thomas Altmann, Portfoliomanager vom Vermögensverwalter QC Partners. "Eine tragfähige Lösung dieses Konflikts würde die Börsen erst mal aufatmen lassen.“ Das ist spätestens seit der Prognosesenkung von Apple klar. Allerdings könnte ein einfacher Tweet von Präsident Trump die Hoffnungen auf eine Einigung auch ebenso rasch wieder zunichte machen.

"Investoren sollten nicht zu pessimistisch sein"

CvD, Dr. Detlev Landmesser
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Was nächste Woche wichtig wird... [4.1.19]

Analyst Craig Erlam vom Broker Oanda sieht in der Ankündigung der chinesischen Notenbank, die Kapitalanforderungen an die heimischen Banken erneut zu senken, einen weiteren Beleg für die Belastung von Chinas Firmen durch den Handelsstreit. Es gebe ermutigende Signale, dass beide Parteien an einer Beilegung interessiert seien. Doch ob es zu einer umfassenden Einigung komme, bleibe abzuwarten, so seine vorsichtige Einschätzung.

"Die Märkte sind zurzeit gefangen in einer gewissen Angst, aber Investoren sollten nicht zu pessimistisch sein", sagt Aktienstratege Tobias Basse von der NordLB. Angesichts der Verluste des Dax in den letzten Wochen des vergangenen Jahres sei ein relativ großes Potenzial für eine Erholungsrally vorhanden.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
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Dow Jones Ind.: Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
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26.501,65
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Alte Risiken sind noch da

Allerdings bleiben die Risiken und Ängste, die den Markt in den letzten beiden Monaten des vergangenen Jahres unter Druck gebracht haben, vorhanden. Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck Privatbankiers, verweist auf die Handelskonflikte der Vereinigten Staaten mit dem Rest der Welt, den teilweisen Stillstand der US-Regierungsgeschäfte und die bevorstehende Entscheidung über die Modalitäten des Brexit. Dazu kämen die zuletzt "mehrheitlich enttäuschenden Konjunkturdaten". Entsprechend rechnet er nicht nur mit sinkenden Erwartungen für das Wirtschaftswachstum, sondern auch für die Unternehmensgewinne.

Umso stärker rücken Konjunkturdaten in den Fokus der Anleger. Dazu gehören die am Montag erwarteten die Dezember-Zahlen der US-Dienstleister. Fokus. Außerdem geben die ebenfalls zum Wochenauftakt anstehenden Auftragseingänge für langlebige Güter Einblick in die US-Konjunktur.

Blick auf Konjunkturdaten

Am Dienstag folgt die US-Handelsbilanz. Diesseits des Atlantik stehen die deutschen Auftragseingänge sowie die deutschen und europäischen Einzelhandelsumsätze am Montag auf dem Terminplan. Hinzu kommt der europäische Geschäftsklimaindex am Dienstag. Mit Spannung blicken Börsianer am Mittwoch zudem auf die Veröffentlichung der Protokolle der Fed. Aus den Mitschriften der jüngsten geldpolitischen Beratungen erhoffen sie sich Rückschlüsse auf Zeitpunkt und Tempo der signalisierten Zinserhöhungen.

Unternehmensseitig sieht die Agenda für die neue Woche am deutschen Aktienmarkt noch übersichtlich aus. Am Donnerstag berichtet der Zuckerproduzent Südzucker über sein drittes Geschäftsquartal. Tags darauf legt der Autozulieferer Hella seine Halbjahresbilanz vor. Ebenfalls am Freitag präsentiert der Autobauer Volkswagen Absatzzahlen für den Dezember.

lg

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<strong>Volkswagen VZ</strong><br/>Gleich zu Beginn der Woche dürfte die Pressekonferenz des Automobilverbandes VDA für Aufmerksamkeit sorgen. Die Autobranche ist eine der der drei Schlüsselbranchen der deutschen Wirtschaft und steht vor gewaltigen Umwälzungen durch den Elektroantrieb, die Forschungen im Bereich autonomes Fahren und die ausgerechnet im Autoland Deutschland mit besonderer Vehemenz geführte Debatte um den Dieselantrieb. : Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 6 Monate

Volkswagen VZ
Gleich zu Beginn der Woche dürfte die Pressekonferenz des Automobilverbandes VDA für Aufmerksamkeit sorgen. Die Autobranche ist eine der der drei Schlüsselbranchen der deutschen Wirtschaft und steht vor gewaltigen Umwälzungen durch den Elektroantrieb, die Forschungen im Bereich autonomes Fahren und die ausgerechnet im Autoland Deutschland mit besonderer Vehemenz geführte Debatte um den Dieselantrieb.