Blick auf die Daxtafel durch ein Fernrohr

Nimmt der Dax Kurs auf Jahreshoch? Jetzt ist die Fed am Zug

Stand: 15.09.2019, 10:43 Uhr

Nach dem Zinsentscheid ist vor dem Zinsentscheid: Kurz nach der Europäischen Zentralbank (EZB) wird die US-Notenbank Fed Experten zufolge in der neuen Woche den Geldhahn aufdrehen. Reicht das, um den Dax weiter anzuschieben?

Sicher ist, dass die Geldpolitik auch in der neuen Woche eines der wichtigsten Themen am Aktienmarkt sein wird - es sei denn, ein Tweet aus dem Weißen Haus gibt die neue Richtung vor. Experten halten eine Zinssenkung um einen viertel Prozentpunkt für ausgemacht.

Einige Experten, wie Portfoliomanager Kenneth Orchard vom Vermögensverwalter T. Rowe Price, hält sogar einen größeren Zinsschritt für möglich, weil die letzte Zinssenkung im Juli seiner Meinung nach ihre Wirkung verfehlt hatte.

"Einziger Ausweg aus der Realzinsfalle"

Die Mehrheit der Marktexperten teilt diese Ansicht nicht. Das erklärte Ziel der Notenbanker sei es, die Folgen einer globalen Wirtschaftsflaute und des China-Konflikts für die US-Wirtschaft zu mildern und eine schnellere Rückkehr zum Zwei-Prozent-Inflationsziel zu fördern, verlautet aus der Bank HSBC. Dies könne nicht mit der Brechstange erzwungen werden. Vielmehr bedürfe es behutsamer Schritte. Daher rechnen die Fachleute der britischen Bank zunächst mit einem viertel Prozentpunkt und einem weiteren Schritt im Oktober.

Und was bedeutet das für den Dax? "Erfüllt auch die Fed die Erwartungen und setzen sich die politischen Entspannungszeichen fort, dürfte die kurzfristige Rally noch etwas weiter andauern", glaubt Commerzbank-Anlagestratege Chris-Oliver Schickentanz. Laut dem Marktexperten Jochen Stanzl vom Handelshaus CMC Markets machen tiefe Zinsen und die dem Markt zufließende Liquidität noch lange "die Aktie einmal mehr zum nahezu einzigen Ausweg aus der Realzinsfalle". Am Freitag schloss der deutsche Leitindex mit einem Plus von 0,47 Prozent auf 12.468,53 Punkte - und verbuchte den achten Gewinntag in Folge.

Fed dürfte Trump erneut enttäuschen

Präsident Donald Trump dürfte die Fed trotzdem enttäuschen. Er hatte in der vergangenen Woche die Notenbanker als Dummköpfe bezeichnet und gefordert, sie sollten den Leitzins auf "null oder weniger" senken. Vor dem Hintergrund der EZB-Zinssenkung warf er der Fed zudem Untätigkeit vor.

Hinweise auf die US-Geldpolitik versprechen sich Investoren vom Konjunkturbarometer der Federal Reserve Bank von New York am Montag. Am Tag darauf werden Zahlen zur US-Industrieproduktion veröffentlicht. Am Donnerstag folgen die Frühindikatoren.

Dax

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Hoffen auf weitere politische Entspannungssignale

Beflügeln könnte die Kurse an den Aktienmärkten auch eine weitere Entspannung des Handelsstreits. Am Freitag hatte Trump erklärt, er könne sich ein vorläufiges Handelsabkommen mit China vorstellen. "Wenn man auf einen Deal hofft, ist dieser Kommentar das Beste, was man derzeit erwarten kann", sagte Robert Pavlik, Chef-Anlagestratege beim Vermögensverwalter SlateStone. Allerdings rechnet er frühestens 2020 mit einer Einigung - gleichgültig, ob vorläufig oder abschließend.

Über die Fed hinaus treffen am Donnerstag auch die Notenbanken aus der Schweiz, Japan und Großbritannien geldpolitische Entscheidungen. Das wichtigere britische Ereignis sieht die BayernLB aber am Dienstag, wenn Premier Boris Johnson eine weitere Schlappe blühen könnte. Dann beschäftigt sich der Supreme Court mit der von ihm verordneten Parlamentspause.

ZEW-Index und Hexensabbat

In Deutschland steht unter anderem der ZEW-Index auf dem Terminplan, der die Stimmung der Börsenprofis widerspiegelt. Dank ermutigender Nachrichten bei den Themen Handelskonflikt und beim Brexit könne mit einem deutlichen Anstieg gerechnet werden, prognostiziert Commerzbank-Volkswirt Bernd Weidensteiner. Auf dem Terminplan stehen außerdem die europäischen Inflationsdaten und das Barometer für die Kauflaune der europäischen Verbraucher.

Unabhängig davon verfallen am Freitag Futures und Optionen auf Indizes sowie Optionen auf einzelne Aktien. In den Tagen zuvor schwanken die Aktienkurse üblicherweise stark, weil Investoren die Preise derjenigen Wertpapiere, auf die sie Derivate halten, in eine für sie günstige Richtung bewegen wollen. Am sogenannten "Hexensabbat" gibt zudem das Dax-Gründungsmitglied Thyssenkrupp sein Abschiedsspiel in ersten deutschen Börsenliga. Der Mischkonzern muss seien Platz für den Triebwerkshersteller MTU räumen.

lg/rtr/dpa