Hingucker der Woche

Auf dem Weg zum Rekord Dax: Überhitzt - oder warmgelaufen für die Jahresendrally?

Stand: 10.11.2019, 11:28 Uhr

In einer für die Investoren idealen Welt geht Mitte November bereits die Jahresendrally los. Und tatsächlich glauben einige Experten, dass der Trend klar nach oben zeigt. Aber an den Börsen ist meistens so ziemlich alles möglich.

Von seinem Zwischentief Anfang Oktober hat sich der Dax mittlerweile um etwas mehr als 11 Prozent erholt. Im bisherigen Jahresverlauf verbuchte der deutsche Leitindex ein Plus von 25 Prozent. In der vergangenen Woche ging es um mehr als zwei Prozent nach oben. Klar, dass viele Anleger jetzt schon auf eine Jahresendrally hoffen.  

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Dow Jones Ind.: Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
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S&P 500 Ind.: Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
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Der Weg führt nach oben…

Anlagestratege Felix Herrmann vom weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock ist der Ansicht, die Shopping-Tour gehe weiter: "Der Weg des geringsten Widerstandes führt nach oben." Starke US-Konjunkturdaten, die Aussicht auf einen Ausweg aus der Brexit-Sackgasse und auf die baldige Unterzeichnung eines Teil-Handelsabkommens zwischen den USA und China gäben den Börsen Auftrieb.

Laut Helaba-Analyst Markus Reinwand sei das fundamentale Potenzial weitgehend ausgeschöpft. "Aktien neigen allerdings zu überschießen. Zwar ist die Anlegerstimmung bereits recht optimistisch. Sie hat jedoch noch nicht frühere Höchstwerte erreicht. Somit ist durchaus noch mit prozyklischen Käufen zu rechnen, zumal die kommenden Monate unter saisonalen Aspekten zu den stärksten zählen", meint der Fachmann.

Auch Robert Halver, Marktstratege bei der Baader Bank ist optimistisch: Die politischen Risiken würden sich zurückbilden und die internationale Geldpolitik sei von Kopf bis Fuß auf Offensive eingestellt. Mit dem Dreiklang aus Befriedung des Handelskriegs, Abebben politischer Risiken und Beibehaltung des geldpolitischen Brot-und Butter-Geschäfts würden eventuelle Kursrückgänge zu Zukäufen genutzt werden. "Möge Trump die Friedenspfeife weiter rauchen."

Donald Trump (l) und Xi Jinping

USA und China. | Bildquelle: imago images / VCG

…oder es geht seitwärts

Zugleich wurden aber auch wieder Stimmen laut, die vor einer Überhitzung warnen. "2.000 Punkte Dax-Gewinn in zehn Wochen bedürfen der Konsolidierung und mithin einer technischen Korrektur", heißt es etwa im Bernecker Börsenbrief "Termin-Börse". Mit einem Kursrückgang um 500 bis 600 Punkte "wäre die überkaufte Marktlage beseitigt" und das Fundament für eine Weihnachtsrally gelegt.

Die Kurse hätten bereits einiges von einer möglichen Wende zum Besseren vorweggenommen, meinen die Analysten der DZ Bank. "Gleichzeitig schießen die Notenbanken wieder aus allen Rohren. Kurzfristig deuten einige Indikatoren darauf hin, dass besonders der US-Markt relativ heiß gelaufen ist. Mittelfristig gehen wir weiterhin von einem volatilen Seitwärtsmarkt aus."

Die Bilanzsaison geht weiter

Unterdessen steuert die Bilanzsaison ihrem nächsten Höhepunkt entgegen. "Bisher ist diese sowohl in Europa als auch in den USA besser als erwartet ausgefallen", sagt Bernd Meyer, Chef-Anlagestratege der Vermögensverwaltung bei der Berenberg Bank. In der neuen Woche legt ein halbes Dutzend Dax-Konzerne Geschäftszahlen vor. Hierzu gehören die Deutsche Post, der Versorger RWE und Henkel.

In der kommenden Woche stehen auch noch einige wegweisende Wirtschaftsdaten auf der Agenda. Hierzulande dürfte vor allem das Bruttoinlandsprodukt am Donnerstag beachtet werden, denn es wird für das abgelaufene dritte Quartal mit einem zweiten Rückgang in Folge gerechnet. Die Ökonomen der Dekabank sind etwas zuversichtlicher, sie erwarten keine "technische Rezession". Von dieser sprechen Analysten, wenn das Bruttoinlandsprodukts (BIP) zwei Quartale in Folge schrumpft.

Gelbes Schild mit Aufschrift

Rezession. | Bildquelle: picture-alliance/chromorange

Die Dekabank prognostiziert jedoch eine Stagnation der Wirtschaft im dritten Quartal. "In einem schwierigen Umfeld schlug sich die deutsche Volkswirtschaft besser als erwartet", hieß es in einer Vorschau. "Vor allem dem Konsum der privaten Haushalte und der öffentlichen Hand ist es zu verdanken, dass es nicht weiter bergab ging." Skeptischer zeigt sich die Commerzbank. Sie erwartet einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,1 Prozent.

Kursreaktionen könnten auch die am selben Tag anstehenden Einzelhandelsumsätze und die Industrieproduktion in China auslösen. Auch den Einzelhandelsumsätzen aus den USA am Freitag kommt besondere Bedeutung zu.

ts