mann mit Fernglas

Sorge um Ausbreitung des Corona-Virus Infizierte Börsenwoche in Sicht?

Stand: 23.02.2020, 10:44 Uhr

An der Wall Street ist der Dow Jones-Index in der vergangenen Woche um 1,4 Prozent gesunken. Auch in Frankfurt ging es bergab. Sorgt die Ausbreitung des Corona-Virus in der neuen Woche für neue Kurseinbußen?

Schon warnt die Investmentbank Goldman Sachs vor einer Korrektur an den Aktienmärkten. Die bisherige Überzeugung vieler Anleger, dass sich die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Epidemie in Grenzen halten werden, könnte sich als Trugschluss erweisen, warnte Peter Oppenheimer, Chefaktienstratege bei Goldman Sachs am Freitag.

Denn die seit Wochen schwächelnde chinesische Nachfrage werde weitaus größere Auswirkungen auf den Rest der Welt haben als der Sars-Ausbruch noch vor zwei Jahrzehnten. Dem Experten zufolge macht allein der Tourismus 0,4 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus.

Europa stärker von China abhängig als die USA

Vor allem Europa könnten die Folgen des Corona-Virus stärker belasten als bislang angenommen. Denn die im europäischen Index Euro Stoxx 50 notierten Unternehmen seien doppelt so stark in China engagiert wie die Firmen im US-Aktienindex S&P 500. Sollte das weltweit umsatzgewichtete BIP infolge der Epidemie um einen Prozentpunkt zurückgehen, dürften die Gewinne europäischer Konzerne um rund zehn Prozent einbrechen, prognostiziert Oppenheimer.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Woche
Kurs
12.854,66
Differenz relativ
-0,42%
Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum 1 Woche
Kurs
28.203,92
Differenz relativ
-1,42%
S&P 500 (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum 1 Woche
Kurs
3.426,88
Differenz relativ
-1,62%

Mit einem anhaltenden Bärenmarkt rechnet der Experte allerdings nicht, eine kurzfristige Korrektur sei aber wahrscheinlich. Ob es bereits in der neuen Woche deutlicher bergab geht mit den Aktienkursen als bisher, ist schwer vorherzusagen. Bisher haben die Geldspritzen der chinesischen Notenbank sowie die jüngste Absenkung des Leitzinses die Aktienanleger eher milde gestimmt. Auch weil die Investoren weiterhin von einer Erholung im zweiten Quartal ausgehen.

Hoffen auf Erholung im zweiten Quartal

Nach bisherigem Stand seien durch die Quarantäne in zahlreichen chinesischen Millionenstädten und die Zwangsferien für dortige Unternehmen keine langfristigen Auswirkungen auf die Weltwirtschaft zu befürchten, sagt Stefan Bielmeier, Chef-Volkswirt der DZ Bank.

"Damit ist eine Erholung ab dem zweiten Quartal weiterhin wahrscheinlich." Dennoch wachse der Druck auf die Europäische Zentralbank (EZB), ihre Geldpolitik zu lockern. "Mit Deutschland und Italien sind zwei große Länder wirtschaftlich und politisch angeschlagen."

Robert Greil vom Bankhaus Merck Finck befürchtet, dass nach Japans auch Deutschlands Industrie zunehmend unter fehlenden Zuliefererteilen leiden wird. Weberbank-Analyst Jan Gengel warnt, dass spätestens mit den Konjunkturdaten für Februar mit Rücksetzern gerechnet werden müsse. Dann dürften die Belastungen durch die Epidemie deutlicher hervortreten.

Neuer Ifo-Index am Montag

Einen ersten Dämpfer könnte der Dax bereits am Montag vom neuen Ifo-Index bekommen. Der fürfte den Prognosen zufolge auf 95,1 Punkte zurückgehen. "Allerdings dürfte der Virus bisher in erster Linie die Erwartungen und weniger die aktuelle Geschäftslage befallen haben", sagt Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen.

Ifo-Geschäftsklimaindex Januar 2020

Ifo-Geschäftsklimaindex Januar 2020. | Bildquelle: ifo, Grafik: boerse.ARD.de

Auf europäischer Ebene gibt am Donnerstag der Geschäftsklimaindex Auskunft über die Stimmung in den Chef-Etagen. Rückschlüsse auf die Geldpolitik der EZB erhoffen sich Investoren von den deutschen Inflationsdaten am Freitag.

Bilanzsaison klingt ab

In den USA steht das Highlight der Konsumausgaben am Freitag auf dem Terminplan. Die Kauflaune der Verbraucher gilt als Hauptstütze der weltgrößten Volkswirtschaft. Hinweise hierauf liefert der Index des US-Verbrauchervertrauens am Dienstag.

Bei den Unternehmen hat die Bilanzsaison ihren Höhepunkt überschritten. Aus dem Dax öffnen der Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer, das Chemie-Unternehmen BASF und der weltgrößte Rückversicherer Münchener Rück ihre Bücher. Im Ausland legen unter anderem die "Primark"-Mutter AB Foods, die Opel-Mutter Peugeot und der weltgrößte Bierbrauer Anheuser-Busch InBev Zahlen vor.

lg