Hingucker der Woche

Corona und kein Ende Dax: Für Entwarnung ist es noch zu früh

Stand: 22.03.2020, 11:23 Uhr

Anleger die gehofft hatten, dass der Dax nach Verlusten von 35 Prozent innerhalb eines Monats nun einen Boden gefunden hat, könnten in der neuen Woche eine Enttäuschung erleben. Denn noch breitet sich das Virus weiter aus, wird das öffentliche Leben weiter eingeschränkt.

Vor allem in den USA bringen die nun zahlreicher durchgeführten Tests zu Tage, dass deutlich mehr Amerikaner mit Corona infiziert sind als bisher bekannt. Das hat immer stärkere Einschnitte ins öffentliche Leben zufolge. So sollen etwa im Staat New York alle Arbeitnehmer aus nicht relevanten Bereichen zu Hause bleiben.

Die US-Indizes gaben anfängliche Gewinne ab: Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 4,6 Prozent tiefer auf 19.173 Punkten. Der technologielastige Nasdaq gab 3,8 Prozent auf 6879 Punkte nach. Der breit gefasste S&P 500 büßte 4,3 Prozent auf 2.304 Punkte ein. Im Wochenvergleich brach der Dow um mehr als 17 Prozent ein, der Nasdaq um mehr als zwölf Prozent und der S&P fast 15 Prozent.

Damit könnte auch der Dax zu Beginn der neuen Woche wieder Kursverluste erleiden, nachdem er am Freitag mit einem Tagesplus von 3,70 Prozent ins Wochenende gegangen. Insgesamt ergab sich für die vergangenen fünf Handelstage immer noch ein Verlust von 3,3 Prozent.

Boden noch nicht gefunden

Von anstehenden Konjunkturdaten aus den USA, Europa und im Speziellen auch aus Deutschland werden erste Hinweise über die Auswirkungen der Viruskrise auf die Wirtschaftsaktivitäten erwartet. Sie dürften daher besonders im Fokus stehen.

"In den massiven Kurseinbrüchen an den Aktienmärkten dürfte zwar bereits Vieles verarbeitet sein, jedoch wohl noch nicht die extremen ökonomischen Auswirkungen", konstatiert LBBW-Stratege Frank Klumpp. Dabei verwies er auf den zeitgleichen Angebots- und Nachfrageschock, in dem immer mehr Volkswirtschaften große Teile des Wirtschafts- und sozialen Lebens stilllegen.

"Deshalb gehen wir davon aus, dass der Boden noch nicht gefunden wurde, zumal sich mit dem Vereinigten Königreich und den USA zwei sehr bedeutende Wirtschaftsnationen erst in einer frühen Phase der Ansteckung befinden", schreibt Klumpp.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
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S&P 500 Ind.: Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
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Rezession unvermeidlich

Noch dramatischer formuliert es Daniel Schär, Experte bei der Weberbank. "Wir befinden uns in der Mitte eines wild wütenden, historisch einmaligen Sturms, der über die Wirtschaft und die Finanzmärkte hinwegfegt". Es werde zwar von den Regierungen und Notenbanken alles unternommen, um die Auswirkungen der Pandemie zu begrenzen. Die Wirtschaft werde aber in eine Rezession abgleiten. "Die Tiefe und Dauer der Rezession hängt von der Dauer der Einschränkungen des öffentlichen Lebens ab, die wir hinnehmen müssen, um die Pandemie zu überstehen."

"Die USA beenden damit ihre historisch längste Expansionsphase der Wirtschaft von über zehn Jahren. Europa wird aufgrund der im Vorfeld schon schwachen Konstitution am stärksten negativ betroffen sein", glaubt Schär.

Schwankt der Dax ein Jahr um den Buchwert?

Dennoch gehen die meisten Experten davon aus, dass der Dax nach dem Einbruch von Knapp 40 Prozent seit seinem Höhepunkt im Februar, nun das Schlimmste überstanden hat. Andreas Hürkamp, Aktienexperte bei der Commerzbank, verweist darauf, dass der Dax schon in etwa auf das Niveau seines Buchwerts gefallen ist. Der schlimmste Absturz sei daher wohl vorbei.

Nun werde der Markt versuchen, einen Boden zu finden, das könne aber lange dauern. "Es kann sein, dass der Markt ein Jahr lang um den Buchwert schwankt." Derzeit liege der Buchwert bei 8700 Punkten, dieser wert könne aber auch noch fallen. "Die Marke von 7.000 Punkten, da sollte der Dax spätestens seinen Boden finden", sagte er.

Neue Konjunkturdaten erwartet

In Deutschland, Europa und den USA stehen im Wochenverlauf Stimmungsindikatoren auf dem Programm, die allerorten eingebrochen sein dürften. Am Dienstag werden für Anleger am deutschen Markt außerdem die ZEW-Konjunkturerwartungen für März eine zentrale Rolle spielen. In den USA stehen darüber hinaus am Donnerstag noch die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe an.

Dietmar Hopp

Dietmar Hopp. | Bildquelle: picture alliance / Uwe Anspach / dpa

Geschäftsergebnisse der Unternehmen rücken dagegen in den Hintergrund. Derzeit läuft die Berichtssaison auf Hochtouren, eine Reihe von Unternehmen aus der zweiten Reihe legt ihre Zahlen vor. Zuletzt haben viele Unternehmen ihre Prognosen für das laufende Jahr drastisch zusammengestrichen.

Impstoff bereits im Herbst?

Für mehr Aufmerksamkeit bei den Investoren sorgen die Nachrichten aus der Medizin. Laut Dietmar Hopp, Haupteigentümer des Tübinger Biotech-Unternehmens CureVac, könnte ein Impfstoff bereits im Herbst diesen Jahres zur Verfügung stehen. Spätestens zu Beginn des neuen Jahres 2021 könnten Milliarden Menschen geimpft werden.

Für Hoffnung an den Aktienmärkten und rasch steigende Kurse könnte auch ein wirksames Medikament gegen das Coronavirus sorgen. Dann könnte es beim Dax binnen weniger Tage um 15 oder 20 Prozent nach oben gehen, glaubt Commerzbank-Experte Hürkamp.

lg