Stilisierte Figur schaut durch ein Fernrohr

Chaos im Weißen Haus Es bleibt politisch - und damit volatil

Stand: 20.08.2017, 11:11 Uhr

Politische Themen bestimmten zuletzt das Geschehen an den Aktienmärkten. So dürfte es auch in der neuen Woche weitergehen. Doch auch die Notenbanken und die Konjunktur dürften die Blicke der Anleger auf sich ziehen.

Tatsächlich schwindet die Hoffnung auf eine Umsetzung der von Donald Trump großmäulig verkündeten Reformen und Investitionen wie Eis in der Augustsonne. Die Konzernchefs haben sich einer nach dem anderen vom Präsidenten abgewandt. Sogar Hedgefondsmanager Carl Icahn hat inzwischen die vollkommene Beratungsresistenz von Trump erkannt und seinen Rückzug bekannt gegeben. Offiziell sagte Icahn, der das Weiße Haus auf individueller Basis in Sachen Deregulierung beriet, er wolle nicht in die Fänge der Parteipolitik geraten. Nach dem Freitag bekannt gewordenen Rauswurf von Chefstratege Stephen Bannon wird es nun noch einsamer um Donald Trump.

Carl Icahn

Carl Icahn. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Kein Wunder, dass die Anleger angesichts dieses Chaos Gewinne mitnehmen und erst einmal die weitere Entwicklung abwarten. Darüber hinaus steht der September als der in der Regel saisonal schwächste Börsenmonat vor der Tür. Die Handelsumsätze dürften weiterhin dünn bleiben, wodurch es schwankungsreich zugehen könnte.

Was machen die Notenbanken?

Die Experten der Helaba schließen weitere Kursrückgänge nicht aus, und Uwe Eilers, Geschäftsführer der Frankfurt Vermögen GmbH, warnt: "Trotz guter Fundamentaldaten der Unternehmen und der wirtschaftlichen Entwicklung insgesamt könnten die Trump-Clownshow-Einlagen den Börsen weiter zusetzen. Das könnte den Dax womöglich wieder unter die wichtige Marke von 12.000 Punkte drücken."

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Neben den politischen Themen fiebern die Anleger dem järhrlichen Notenbanktreffen im amerikanischen Jackson Hole entgegen, das am Donnerstag beginnt und bis Samstag dauert. Sie erhoffen sich davon Hinweise auf die künftige Geldpolitik. Mario Draghi wird sie aber wohl enttäuschen. Einem Insider zufolge will der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) keine Aussagen zur erwarteten Drosselung der vor allem in Deutschland umstrittenen Wertpapierkäufe machen, um der Diskussion in seinem Haus nicht vorzugreifen. Derzeit pumpt die EZB monatlich 60 Milliarden Euro in die Finanzmärkte.

Dass die EZB im Herbst eine geldpolitische Wende anstrebt, ist allerdings längst bekannt, unabhängig von den Aussagen Draghis in Jackson Hole. Noch vor Jahresende wird erwartet, dass die EZB eine Verringerung ihrer monatlichen Anleihekäufe ankündigt - und zwar ab 2018.

Hat die Konjunktur ihren Zenit überschritten?

Für Bewegung an den Märkten könnten auch die neuesten Konjunkturdaten sorgen. Am Dienstag werden die ZEW-Konjunkturerwartungen veröffentlicht. Am Mittwoch stehen die vorläufigen August-Einkaufsmanagerindizes auf der Agenda. Am Freitag stehen dann Detailzahlen zum Bruttoinlandsprodukt des zweiten Quartals und der Ifo-Geschäftsklimaindex für August an.

Jackson Hole im Grand Teton Nationalpark, Wyoming

Jackson Hole im Grand Teton Nationalpark, Wyoming. | Bildquelle: picture alliance/Photoshot/BCI

In den USA sind die vorläufige (PMI-)Einkaufsmanagerstimmung für August am Mittwoch sowie am Freitag die Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter im Juli wichtige Indikatoren. Daneben kommen Japans entsprechende Stimmungsdaten am Donnerstag und tags darauf noch Nippons Juli-Inflationsbericht.

Unternehmensseitig stehen nach dem Ende der Berichtssaison kaum Termine auf der Agenda. Lediglich einige Nachzügler aus der dritten reihe wie Zooplus, der Ticketvermarkter CTS Eventim oder Schoeller-Bleckmann legen noch Quartalszahlen vor.

lg