Mann vor Fernglas

EZB am Zug Dax: In dieser Woche endlich Rekord?

Stand: 06.09.2020, 12:41 Uhr

Die Notenbanken werden es richten: So lautet die Einschätzung der Experten und Anleger für die kommenden Tage. Wo sonst soll das nach renditeträchtigen Anlagemöglichkeiten gierende Kapital sonst landen als am Aktienmarkt?

In der vergangenen Woche büßte der Dax rund 1,5 Prozent ein. Zeitweise hatte sich der Dax aber seinem Rekordhoch vom Februar bis auf weniger als 400 Punkte genähert. An der Wall Street sackte der Dow Jones um 1,8 Prozent, der Nasdaq um 3,3 Prozent und der S&P um 2,3 Prozent. Die anhaltende Flut billigen Notenbankgeldes wird die Börsen Experten zufolge in den kommenden Wochen in neue Höhen hieven.

Der jüngste Strategieschwenk der US-Notenbank Fed zementiere das aktuelle Niedrigzinsumfeld auf absehbare Zeit, sagt Analyst Frank Wohlgemuth von der National-Bank in Essen. "Dies führt dazu, dass die Anlagealternativen zu Aktien weiterhin tief im Renditetal verweilen werden und folglich die relative Attraktivität der Aktienanlage nachdrücklich attraktiv bleibt." Erst am Freitag hatte Fed-Chef- Jerome Powell erneut dauerhaft niedrige Zinsen signalisiert.    

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
12.645,75
Differenz relativ
+0,82%
Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
28.335,56
Differenz relativ
-0,14%
Nasdaq 100: Kursverlauf am Börsenplatz NASDAQ Indizes für den Zeitraum Intraday
Kurs
11.692,57
Differenz relativ
+0,25%

Die EZB am Zug

An diesem Donnerstag gibt die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Leitzins-Entscheid bekannt. Einige Experten halten es für möglich, dass die Währungshüter der Eurozone ihren Kollegen in den USA folgen könnten, die künftig neue Wege bei ihrem Inflationsziel beschreiten wollen.

Die Fed will zur Unterstützung der Konjunktur künftig auch längere Zeit eine Inflationsrate über ihrer Zielgröße von zwei Prozent tolerieren. Die Europäische Zentralbank (EZB) werde diesem Beispiel sicher folgen, prognostiziert Robert Greil, Chef-Anlagestratege des Bankhauses Merck Finck. Er rechne allerdings nicht damit, dass die Währungshüter im Anschluss an ihre Ratssitzung am Donnerstag bereits entsprechende Signale sendeten. Vorher werde man sicher die Strategie-Überprüfung abschließen.

Christine Lagarde

Christine Lagarde. | Bildquelle: picture alliance/Xinhua

"Dominanz der Schnäppchenjäger"

Zunächst einmal wird aber spannend sein, wie die Börsen am Montag auf die jüngsten Kursverluste an der Wall Street reagiere werden. "Der DAX könnte bereits in Kürze neue Höchststände markieren", meint Greil. "Die Neuausrichtung der Notenbankziele sowie ihre und die anhaltende politische Unterstützung treiben den Konjunkturzyklus weiter voran." Damit gelte auch ein nicht mehr ganz so pessimistisches Marktbild für die künftigen Unternehmensgewinne. 

Den Optimisten stehe in der kommenden Woche ein echter Stimmungstest bevor, glaubt Chris-Oliver Schickentanz, Chefanlagestratege der Commerzbank. Er verweist auf die bereits zuletzt stark gestiegenen Schwankungen an den Börsen sowie das jähe Ende der Rally bei US-Technologieaktien wie Tesla, Apple & Co, wo angesichts ultrahoher Bewertungen zuletzt Katerstimmung eingesetzt hatte.

Joe Biden (l.) und Donald Trump

Joe Biden (l.) und Donald Trump: Der Wahlkampf beginnt. | Bildquelle: picture alliance / AP Photo

So sei ein Rückschlag bei den Kursen zwar möglich, ein Trendwechsel bei Aktien jedoch nicht abzusehen, so Schickentanz. "Wir gehen von einer Dominanz der 'Schnäppchenjäger' aus, die durch die guten Wirtschaftsdaten und ein insgesamt positiveres Bild zur Corona-Pandemie gestützt werden."

Nur wenige Konjunkturdaten

Claudia Windt, Analystin bei der Helaba, fasst zusammen: "In der datenarmen Berichtswoche dürften Impulse für die Finanzmärkte eher von der Geldpolitik ausgehen. Die US-Aktienmärkte geraten allmählich in den Bann des US-Präsidentenwahlkampfs, wobei hiervon zunächst keine größeren Stimuli zu erwarten sind. Gleiches gilt für die Brexit-Verhandlungen. Die immer wieder aufkeimende Hoffnung auf einen COVID-19-Impfstoff trägt meist nicht sehr lange. Ohne Unterstützung der EZB werden vermutlich Aktien und Renten in der Berichtswoche nicht so recht vorankommen." 

In der kommenden Woche werden für die vier großen Länder der Eurozone am Montag Zahlen zur Industrieproduktion veröffentlicht. Zudem steht die dritte Schätzung zum Bruttoinlandsprodukt für die Eurozone auf dem Kalender. Am selben Tag veröffentlicht China seine Handelsbilanz für August.

In den USA stehen am Freitag Daten zur Preisentwicklung im Fokus. Nach Einschätzung von Analysten dürften die Folgen der Corona-Krise auch im August Einfluss auf die Verbraucherpreise haben. Experten der Dekabank gehen davon aus, dass sie im August im Monatsvergleich weiter gestiegen sind. Allerdings dürfte der Anstieg weniger stark ausfallen als im Juli.

ts