Frau mit Fernglas

Welche Richtung soll's denn sein? Dax: Eine Woche, die es in sich hat

Stand: 08.12.2019, 11:54 Uhr

Die Notenbanken melden sich zu Wort, in Großbritannien wird gewählt und im Handelsstreit wird es Zeit für positive Signale: Kurz vor Weihnachten dürfen sich die Anleger auf eine spannende Woche freuen.

Auf Wochensicht büßte der Dax rund 0,5 Prozent ein. Der Dow Jones legte am Freitag wegen starker Arbeitsmarktdaten einen fulminanten Endspurt hin, kletterte wieder über die Marke von 28.000 Punkten und grenzte sein Wochenminus auf 0,1 Prozent ein. So darf es aus Anlegersicht gerne weitergehen. Aber in der kommenden Woche stehen einige bedeutende Ereignisse an, sodass es schwierig sein dürfte, eine zutreffende Richtungsprognose abzugeben.     

Nicht nur die Parlamentswahl in Großbritannien wird mit Spannung erwartet. Ferner fiebern die Anleger noch den Zinsentscheidungen der EZB und der US-Notenbank entgegen. Schließlich bleibt der Handelsstreit zwischen den USA und China bleibt ein wesentliches Thema.      

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Woche
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Dow Jones Ind.: Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum 1 Woche
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Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum 1 Woche
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Immer wieder Brexit

"Die nächste Woche wird wohl die folgenreichste des Jahres", sagt Richard Franulovich, leitender Anlagestratege der Westpac Bank. Nehmen wir das Thema Brexit: "Nach einem wahrscheinlichen Sieg bei der Parlamentswahl am kommenden Donnerstag wäre für Boris Johnson der Weg frei, die EU Ende Januar geordnet zu verlassen", schrieb Chefvolkswirt Jörg Krämer von der Commerzbank. Im Falle eines EU-Austritts wird mit einem umfassenden Freihandelsabkommen gerechnet, was zumindest den Warenhandel laut den Spekulationen nicht sonderlich beeinträchtigen wird.

Wegen des britischen Mehrheitswahlrechts sei es aber nicht ausgeschlossen, dass es erneut keine klaren Mehrheiten gebe, warnt BayernLB-Analyst Manuel Andersch. Dann stünde man am 31. Januar zum dritten Mal vor einer "No Deal-Klippe", ergänzt er.

Boris Johnson

Boris Johnson. | Bildquelle: picture alliance/Frank Augstein/AP/dpa

Was wird aus dem Handelsabkommen?

"Die politische Lage bleibt unübersichtlich", schreiben die Analysten der Helaba. Ein Handelsabkommen zwischen den USA und China lasse weiter auf sich warten, während US-Präsident Trump die Proteste in Hongkong für sich benutzet. Umgekehrt müsse sich China in Hongkong behaupten. "Immerhin haben beide Protagonisten eine Eskalation bislang vermieden."

Allerdings sollte bald etwas positives passieren, denn am 15. Dezember sind weitere US-Zollerhöhungen gegenüber China angesetzt - wenn es denn nicht zu einem Aufschub kommt. "Zwar wollen und brauchen sowohl die US-Regierung als auch Chinas kommunistische Partei den Deal, aber es wird auf den letzten Metern hart verhandelt", sagt Martin Lück, Chef-Anlagestratege für Deutschland, Österreich und Osteuropa beim weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock.

Container im Hafen

Konjunktur. | Bildquelle: colourbox.de

Lagardes erstes Mal

Auch die Notenbanken melden sich zu Wort: Die erste Zinssitzung der neuen EZB-Präsidentin Christine Lagarde kommenden Donnerstag dürfte ganz im Zeichen des Führungswechsels bei der Euro-Notenbank stehen. Investoren erwarten von ihr nach dem Treffen Hinweise, wie es nach dem großen Lockerungspaket vom Herbst, das in Teilen intern umstritten war, 2020 geldpolitisch weitergeht. "Außerdem bleibt die Frage zu klären, ob sich Lagarde ohne Vorbehalte hinter die extrem expansive Geldpolitik ihres Vorgängers Mario Draghi stellt", meint DZ-Bank-Analystin Birgit Henseler.

Am Mittwoch ist die Fed an der Reihe. Der Chef Jerome Powell signalisierte unlängst, dass ein Haus die Füße vorerst still halten wolle. Von Reuters befragte Experten erwarten mehrheitlich, dass die Federal Reserve eine Ruhephase für das kommende Jahr signalisieren wird. Damit würde der aktuelle geldpolitische Schlüsselsatz nach drei Senkungen in diesem Jahr in der Spanne von 1,5 bis 1,75 Prozent verbleiben - wohl sehr zum Leidwesen von Präsident Donald Trump, der im November 2020 seine Wiederwahl anstrebt.

Christine Lagarde

Christine Lagarde. | Bildquelle: picture alliance/Xinhua

Die Konjunkturdaten der Woche

Darüber hinaus warten die Märkte derzeit noch immer ein Ende des Abschwungs in der deutschen Industrie. Das ZEW-Konjunkturbarometer könnte diesbezüglich am Dienstag neue Hinweise liefern. Am Donnerstag wird es entsprechende Zahlen aus der gesamten Eurozone geben.

Bei den Unternehmen könnte die Deutsche Bank sowie ihre Fondstochter DWS am Dienstag anlässlich eines Kapitalmarkttags im Fokus stehen. Das Bankhaus sieht sich trotz tiefroter Zahlen bei seinem radikalen Konzernumbau auf dem richtigen Weg. Dazu legen die Metro, der Metallkonzern Aurubis, und Tui am Mittwoch ihre Jahreszahlen vor.

ts