Ein Mann kämpft sich bei Wind und Wetter mit Regenschirm über eine Wiese
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Turbulenter Jahresausklang Dax: Abschied von der Weihnachtsrally

Stand: 16.12.2018, 12:33 Uhr

Politische Krisen und Konjunktursorgen bremsen den Dax wohl auch in den letzten Tagen des Jahres aus. Fachleute rechnen eher nicht mehr mit einer zünftigen Weihnachtsrally 2018 - aber auch Experten können sich irren.

In der vergangenen Woche hatte der Dax immerhin 0,7 Prozent auf 10.865 Punkte zugelegt, nachdem er in der Vorwoche noch um mehr als 4 Prozent abgesackt war. In den USA ist die Bilanz schwächer.  Im Wochenvergleich fielen Dow und S&P dagegen um etwa 1,2 Prozent und die Nasdaq um etwa 0,8 Prozent. Zumindest hierzulande sollte sich die Stimmung also gebessert haben. Trotzdem stehen die Chancen auf signifikante Kursgewinne eher schlecht.

S&P 500 Ind.: Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
3.135,26
Differenz relativ
-0,30%
Dow Jones Ind.: Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
27.908,30
Differenz relativ
-0,34%

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
13.105,61
Differenz relativ
-0,46%

Die Unsicherheit bleibt

Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader meint: „Die politischen Risiken bleiben und damit sollten sich Investoren auch auf turbulente Vorweihnachtstage einstellen.“ Zum einen beschäftigt die ungelöste Brexit-Frage die Märkte noch immer. Die Europäische Union hatte unlängst Nachverhandlungen bei den mit der britischen Regierung getroffenen Brexit-Klauseln abgelehnt. Das herrschende Chaos kommt bei den Anlegern selbstverständlich nicht gut an.    

Und auch aus Italien drohten Risiken, warnt Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. „Die italienische Regierung und Brüssel liegen offenbar 4,5 Milliarden Euro auseinander für eine Einigung im Haushaltsstreit, es wird also weiterverhandelt und die Unsicherheit bleibt.“

Hinzu kommen noch negative Signale aus China: „Während die Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China nicht weiter eskalierten und sogar versöhnliche Töne zu vernehmen waren, nimmt die Angst vor einer gravierenden Wachstumsschwäche in China zu“, sagte Helaba-Analystin Claudia Windt.

US-Präsident Donald Trump (r.) und der chinesische Präsident Xi Jinping

US-Präsident Donald Trump (r.) und der chinesische Präsident Xi Jinping. | Bildquelle: picture alliance / MAXPPP

„Ein bissel was geht immer…“

Aber natürlich kann man weitere Kursgewinne auch nicht ausschließen: „Der Start für eine Jahresendrally wurde längst verschlafen. Dennoch könnte in den verbleibenden Handelstagen noch ein versöhnlicher Jahresausklang gelingen, da die Belastungsfaktoren Handelsstreit, Brexit und Italien eine vorweihnachtliche Pause einlegen dürften“, glaubt hingegen Frank Klumpp, Investmentanalyst bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW).

Und was meint die Charttechnik? Das restliche kurzfristige Aufwärtspotenzial des Deutschen Aktienindex sei relativ überschaubar, meinen die Marktbeobachter von Index-Radar. „Im Gegensatz dazu ist auf der Unterseite wieder sehr viel Luft.“ Der generelle Trend zeige nach unten, wobei der Markt den maximalen Spielraum auf der Südseite noch nicht ausgereizt habe. „Er reicht bis etwa an die 10.200er-Marke.“

Was wird die Fed tun?  

Der wichtigste Termin in der neuen Woche ist der Zinsentscheid der US-Notenbank am Mittwoch. Eine Anhebung des Schlüsselsatzes um 0,25 Prozentpunkte auf 2,25 bis 2,5 Prozent gilt als sicher. „Für die Märkte wichtiger ist allerdings eine etwaige Änderung der Kommunikation der Fed“, sagt Commerzbank-Volkswirt Bernd Weidensteiner. Die Zeit regelmäßiger Zinserhöhungen in festen Abständen sei vorüber, so Weidensteiner.

Geldpolitisch sitze die Fed in der Zwickmühle, erklärt BayernLB-Ökonomin Christiane von Berg. Eine sich abzeichnende Konjunkturabkühlung spreche für einen vorsichtigeren Kurs. Andererseits lieferten der anhaltende Job-Boom und die ordentliche Inflation Argumente für eine weitere Straffung.

Einen Tag nach der Fed beraten auch die Bank von England (BoE) und die Bank von Japan (BoJ) über ihre Geldpolitik. Bei beiden gilt eine Veränderung der Leitzinsen als ausgeschlossen.

Präsident der Federal Reserve Jerome Powell

Präsident der Federal Reserve Jerome Powell. | Bildquelle: picture alliance / Photoshot

Der Hexensabbat steht bevor

Ansonsten stehen in der kommenden Woche wenige Konjunkturdaten auf dem Terminplan. Das Highlight sind die Zahlen zu den US-Konsumausgaben und Löhnen am Freitag.

Hierzulande liefert der Ifo-Index am Dienstag ein Bild der Stimmung in den deutschen Chef-Etagen. Hier sollten sich die vielfältigen politischen Probleme weiterhin als Belastung erweisen, zumal sie sich mittlerweile offensichtlich auch immer stärker negativ in der Realwirtschaft bemerkbar machen würden, kommentieren die Fachleute der Postbank.Am Freitag gibt der GfK-Index Hinweise auf die Kauflaune der heimischen Verbraucher.

Am Freitag könnten die Kurse vom sogenannten großen Verfallstag getrieben werden. Zu diesem auch „Hexensabbat“ genannten vierteljährlichen Termin laufen an den Derivatebörsen Optionen und Terminkontrakte auf wichtige Aktienindizes und Einzelwerte aus.

ts

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