Marktbericht neutral

Die neue Börsen-Woche Kann der Dax die 12.000 bezwingen?

Stand: 16.09.2018, 13:14 Uhr

Ob die jüngste Dax-Erholung in der neuen Börsenwoche anhält, ist zweifelhaft. Anleger dürften vorsichtig bleiben, nicht nur weil der September als Horrormonat gilt. Es gibt Risiken en masse.

Da ist zuvorderst Donald Trump zu nennen. Der US-Präsident wird nach Angaben eines ranghohen Regierungsmitarbeiters wahrscheinlich am Montag neue Zölle auf chinesische Produkte verkünden. Das sieht nicht nach einer möglichen Annäherung oder neuen Gesprächen zwischen China und den USA aus, die seit Monaten im Streit sind.

Wenn die Wirtschaft bremst

Das gegenseitige Aufrüsten bei Zöllen hat die Börsen gebremst. Bei einer nächsten Zollrunde könnte Experten zufolge auch die bisher an den US-Börsen verschonten Technologie-Aktien einen Dämpfer bekommen.

Investoren fürchten sich vor einem ausgewachsenen Handelskrieg und den Folgen davon für das Wirtschaftswachstum. Börsianer beurteilen die Konjunkturaussichten für die Euro-Zone wegen der Handelsstreitigkeiten und der zunehmenden Probleme der Schwellenländer daher mit Sorge, wie Umfragen zeigen. Analysten erwarten, dass deshalb auch die am Freitag anstehenden Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe niedriger ausfallen werden.

"Vorsichtig bleiben"

Zu viel Optimismus ist nach Meinung von Fachleuten an der Börse nicht angebracht. Einige Sorgen der Börsianer sind zwar kleiner geworden. Die Schwellenländerprobleme sind etwas in den Hintergrund gerückt. Die türkische Notenbank hat mit ihrer starken Leitzinsanhebung ihre Unabhängigkeit von Staatspräsident Erdogan demonstriert. Die türkische Lira und in der Folge einige weitere Schwellenländerwährungen konnten sich vor dem Wochenende stabilisieren.

Aber um Entwarnung zu geben, dafür ist es zu früh. "Es spricht einiges dafür, weiter vorsichtig zu sein", sagt Marktstratege Tobias Basse von der NordLB. "An erfolgreiche Verhandlungen zwischen den USA und China im Handelsstreit will so richtig keiner glauben, denn Gespräche gab es schon viele, gebracht hat es wenig", schreibt Jochen Stanzl von CMC Markets. Die Türkei muss man weiter im Auge behalten - Zinserhöhung hin oder her. Auch die Schwellenländer bleiben vor dem Hintergrund weiter steigender Zinsen in den USA ein Risikofaktor für die Börsen weltweit. Und das gilt nach Einschätzung vieler Beobachter auch für das schuldengeplagte Italien, solange dort der Haushalt noch nicht steht.

Quo vadis, Dax?

Wie geht es also weiter mit dem Dax? Zuletzt konnte er sich zumindest über 12.000 Punkten stabilisieren. Commerzbank-Fachmann Andreas Hürkamp etwa hält eine weitere Korrektur nach unten für durchaus wahrscheinlich. Der Markt zeige aktuell Parallelen zu den Jahren 1997 und 1998, als Probleme in Schwellenländern den Dax schon einmal unter Druck gesetzt hätten, so Hürkamp.

Helaba-Experte Christian Schmidt sieht indes "kurzfristig die Chance auf eine weitergehende Erholung". Allerdings dürften die Erwartungen an diese nicht zu hoch gesteckt werden.

Auch die Charttechniker vom Börsenstatistik-Magazin Index-Radar halten "nach einer kleinen Denkpause" eine fortgesetzte Aufwärtsbewegung für möglich. Bleibe jedoch, wie zuletzt beobachtet, der Abgabedruck an der Schwelle von 12.120 Punkten hoch, könne die neueste Erholungsbewegung im Dax schnell wieder zum Stillstand kommen und der Index zurückfallen.

Kurstreiber? Fehlanzeige!

Problematisch ist auch: Mögliche Kurstreiber sind nicht in Sicht. Konjunkturdaten und Bilanzzahlen von Unternehmen sind Mangelware. Nach den jüngsten Entscheidungen der EZB, britischer und türkischer Notenbank zieht am Mittwoch die Bank of Japan mit ihrer Leitzinsentscheidung nach.

Am Donnerstag folgt mit dem Philly Fed Index die Veröffentlichung des Geschäftsklimas im Bundesstaat Philadelphia. Einen Tag später werden mit den Einkaufsmanagerindizes (PMI) in Europa und den USA wichtige Stimmungsdaten aus der Industrie und dem Service publiziert.

Mit dem Ende der Berichtssaison ist es auch auf Unternehmensseite sehr still geworden. Als absehbare Termine steht die Startup-Schmiede Rocket Internet auf dem Programm. Sie öffnet als später Nachzügler am Donnerstag ihre Bücher.

bs

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