Frau mit Fernglas

Wochenausblick Starker Euro trübt die Stimmung

Stand: 01.01.2018, 11:54 Uhr

Ein prächtiges Börsenjahr ist Geschichte, der Start in das neue könnte etwas holprig werden. Der Euro, der zuletzt kräftig zugelegt hat, könnte sich aus Sicht der Experten zunächst als Bremse erweisen.

Der Dax hat 2017 um satte 12,5 Prozent zugelegt. Die Aktie der Lufthansa war mit einem Plus von satten 150 Prozent der mit Abstand der stärkste Dax-Titel. Leider sind die Kursgewinne an den meisten Bundesbürgern vorbeigegangen. Und an der Wall Street purzelten die Rekorde. Eine optimistische Perspektive auf das Börsenjahr 2018 lässt sich gut begründen. In der kommenden Woche sollten sich die Investoren allerdings auf einen durchwachsenen Jahresbeginn einstellen.

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Die größten Gewinner und Verlierer im Dax Performance 2017

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr

Lufthansa

Euro als Bremsklotz

Wie sich der Euro im neuen Jahr entwickeln könnte, lesen Sie hier. Im Augenblick gilt die starke Gemeinschaftswährung jedenfalls als belastender Faktor – aktuell notiert sie etwa bei 1,20 Dollar und damit auf dem höchsten Niveau seit drei Monaten.

Ein starker Euro wirkt sich negativ auf das Geschäft exportorientierter Unternehmen der Europäischen Währungsunion aus. „Gegenüber der internationalen Konkurrenz ergibt sich vor diesem Hintergrund ein währungsseitiger Nachteil, da er die betreffenden Produkte für außereuropäische Abnehmer verteuert. Darunter hat nicht zuletzt die exportlastige Wirtschaft Deutschlands zu leiden“, meint Gregor Kuhn, Analyst Bernstein Bank. 

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Woche
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12.301,05
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Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum 1 Woche
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1,1715
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Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum 1 Woche
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26.405,76
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Was tut die EZB?

Über die Richtung beim Euro werden nicht zuletzt die Konjunkturdaten der nahen Zukunft entscheiden. Am Dienstag steht der Einkaufsmanagerindex der Eurozone auf dem Programm. Insbesondere die europäischen Verbraucherpreise, die am kommenden Freitag veröffentlicht werden, sind vor dem Hintergrund der EZB-Geldpolitik zu beachten.

EZB-Präsident Mario Draghi

EZB-Präsident Mario Draghi. | Bildquelle: picture alliance / Wiktor Dabkowski

"Die Hoffnungen der EZB auf eine Verstärkung des unterliegenden Inflationstrends im Euroraum könnten nächste Woche neue Nahrung erhalten", meinen die Experten der Commerzbank. Denn die Kerninflationsrate (ohne Energie-, Nahrungs- und Genussmittel) sollte im Dezember von 0,9 Prozent auf 1,0 Prozent gestiegen sein. Einen nachhaltigen Anstieg der Kerninflation erwartet die Commerzbank angesichts des schwachen Lohnanstiegs nicht.

USA: Niedrige Löhne, wenig Inflation

Der wichtigste Termin in den USA wird ebenfalls am Freitag sein, wenn die monatlichen Arbeitsmarktdaten an der Reihe sind.  "In den USA dürfte die ohnehin niedrige Arbeitslosigkeit im Dezember weiter gesunken sein", sagte Experte Christoph Balz von der Commerzbank. Allerdings dürfte der Anstieg der Löhne nach wie vor verhalten sein. Die Lohnentwicklung hinkt seit geraumer Zeit der starken Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt hinterher, was unter anderem für eine vergleichsweise schwache Inflation sorgt.

Made in USA Zeichen auf US-Flagge

US-Arbeitsmarkt im Blick. | Montage: boerse.ARD.de, colourbox

Darüber hinaus dürfte der ISM Einkaufsmanagerindex am Dienstag Beachtung finden. Die Fachleute der Commerzbank erwarten hier erfreuliche Zahlen. Am Mittwoch steht noch das Protokoll der Fed-Zinsentscheidung vom 13. Dezember an. Was geht in den Köpfen der Notenbanker vor?    

Wie wirkt die US-Steuerreform?

Einen interessanten Aspekt, der die europäischen Aktienmärkte in den kommenden Tagen belasten könnte, führt Dirk Rogowski, Geschäftsführer des Vermögensverwalters Veritas Investment an. Rogowski meint, die US-Steuerreform könnte Anlagegelder in die USA umlenken. Schließlich werde dort die Ertragsteuer für Unternehmen kräftig von bisher 35 auf 21 Prozent gesenkt. Wegen dieses Vorhabens werde es wahrscheinlich vom 2. Januar an zu größeren Umschichtungen zu Lasten der europäischen Märkte kommen, schrieb der Fachmann.

Bei den Unternehmen wird in der verkürzten Handelswoche eher weniger los sein. Lediglich Grenke und Monsanto stehen mit Zahlen auf der Liste. Anziehen wird das Geschäft ab der zweiten Januarwoche.   

ts