Frau mit Fernglas

Der Traum von der 14.000 Kennt der Dax nur noch eine Richtung?

Stand: 16.02.2020, 13:04 Uhr

An der Börse scheint das Thema Coronavirus bereits abgehakt zu sein, denn die Rekordjagd geht unablässig weiter. Die Hausse nährt die Hausse, behauptet eine alte Börsenweisheit – jedenfalls bis zur nächsten Baisse.

Am Freitag erreichte der Dax eine neue Bestmarke erreicht und legte auf Wochensicht knapp zwei Prozent zu. In den USA stieg der S&P 500 in der vergangenen Woche um etwa 1,6 Prozent, der Dow Jones um ein Prozent und die Nasdaq gewann 2,2 Prozent. Von Angst vor den Folgen des Coronavirus ist nichts zu sehen.

"Das scheint ein Teflon-Markt zu sein, bei dem alles Negative - ob das Coronavirus oder was auch immer - abgeschüttelt wird", sagt der geschäftsführende Direktor Michael James von Wedbush Securities. Aber können sich die Anleger darauf wirklich verlassen?

Von Reuters befragte Experten rechnen damit, dass die chinesische Wirtschaft im ersten Quartal nur noch um 4,5 Prozent wachsen wird. Das ist so wenig wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Trotzdem bleiben Experten optimistisch.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Dow Jones Ind.: Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
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S&P 500 Ind.: Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
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"Fortsetzung wahrscheinlich"    

Analyst Milan Cutkovic vom Währungshändler Axitrader glaubt, dass es weiter aufwärts geht: "Die Investoren sind mit der Berichtssaison bislang zufrieden, und der Dax bekommt den nötigen Rückenwind weiter von der Wall Street", schrieb er in einem Kommentar. "Sollte es nicht zu einer drastischen Verschlechterung der Lage in China kommen, ist eine Fortsetzung der Aktienrally wahrscheinlich."

Investoren drängten die möglichen wirtschaftlichen Belastungen der Coronavirus-Epidemie in den Hintergrund, sagt Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. "Stattdessen haben alle Angst, eine mögliche Fortsetzung der Börsenparty zu verpassen."

Corona-Kontrollmaßnahme in Russland

Coronavirus: "Angst, die Börsenparty zu verpassen.". | Bildquelle: picture alliance / Pavel Golovkin / AP / dpa

"Märkte bleiben anfällig"

Jeroen Blokland, Portfoliomanager beim Vermögensverwalter Robeco, nennt einen weiteren, altbekannten, Grund für eine Fortsetzung der Rally. "Anleger sollten die sehr lockere Geldpolitik im Hinterkopf behalten. Die Notenbanken haben deutlich gemacht, dass einer Straffung der Geldpolitik sehr hohe Hürden entgegenstehen", erläutert Blokland. Die chinesische Notenbank könnte ihren Leitzins am Donnerstag senken, um die vom Coronavirus besonders stark betroffene heimische Wirtschaft zu stützen.

Aber Vorsicht: Die Frage, ob das Schlimmste schon hinter oder noch vor uns liege, sei völlig offen, kommentiert Helaba-Experte Stefan Mitropoulos. "Angesichts einer nach wie vor fragilen globalen Industriekonjunktur bei gleichzeitig hohen Aktienbewertungen bleiben die Märkte somit anfällig."

Dass es nachhaltig aufwärts geht, bezweifelt Andreas Hürkamp von der Commerzbank. Letztendlich leide zurzeit die deutsche Industrie unter Gegenwind. "Ohne eine Trendwende hier dürfte der Dax kaum viel weiter steigen."

Industrie Konjunktur

Industriekonjunktur: Trendwende gesucht. | Bildquelle: imago images / Lars Berg

Die Konjunkturdaten der Woche

Deshalb sind die anstehenden Konjunkturdaten nicht unwichtig. Auf dem Terminplan steht am Dienstag der ZEW-Index, der die Stimmung der Börsenprofis widerspiegelt. Zwei Tage später gibt der GfK-Index Auskunft über die Kauflaune der deutschen Verbraucher. Mehr über die Stimmung der deutschen und europäischen Einkaufsmanager erfahren wir am Freitag. Sie werde wohl von der Coronavirus-Expidemie belastet sein, prognostiziert Commerzbank-Analyst Christoph Weil.

ZEW-Konjunkturklimaindex Januar 2020 26,7

ZEW-Konjunkturklimaindex Januar 2020. | Bildquelle: ZEW, Grafik: boerse.ARD.de

In den USA richtet sich die Aufmerksamkeit auf die Konjunkturbarometer der Federal Reserve Bank von New York am Montag und der Federal Reserve Bank von Philadelphia am Donnerstag. Außerdem stehen am Donnerstag die Frühindikatoren auf der Agenda.

Rückschlüsse auf die weiteren Aussichten für die Aktienmärkte liefert auch eine erneute Welle von Firmenbilanzen. Knapp ein Drittel aller Dax-Unternehmen gibt in der neuen Woche Geschäftszahlen bekannt, darunter die Deutsche Telekom und der Versicherer Allianz. Im Ausland öffnen unter anderem der US-Einzelhändler Walmart und Berkshire Hathaway, die Investmentgesellschaft der Investorenlegende Warren Buffett, ihre Bücher.

ts