Ein Mann kämpft sich bei Wind und Wetter mit Regenschirm über eine Wiese

Ende der Erholungsrally? Dax: "Das Risiko für Kursrücksetzer steigt"

Stand: 10.05.2020, 13:53 Uhr

Was ist an den Börsen los? Die Pandemie ist keineswegs besiegt, viele Unternehmen kappen ihre Prognosen, es droht eine tiefe Rezession – und trotzdem steigen die Kurse. Fachleute warnen: Anleger sollten sich nicht darauf verlassen, dass es so bleibt.

In der vergangenen Woche legte der Dax rund 0,4 Prozent zu. Der Dow Jones erreichte seinen höchsten Stand seit Ende April stieg auf Wochensicht um etwa 2,5 Prozent. Die Technologiewerte im Nasdaq 100 verbuchten ihren fünften Gewinntag in Folge, auch der S&P 500 legte in der Woche um mehr als drei Prozent zu. Aber Fachleute warnen: Die Erholungsrally könnte in der kommenden Woche durchaus unterbrochen werden.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Woche
Kurs
13.126,97
Differenz relativ
-0,08%
Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum 1 Woche
Kurs
29.608,48
Differenz relativ
+1,14%
Nasdaq 100: Kursverlauf am Börsenplatz NASDAQ Indizes für den Zeitraum 1 Woche
Kurs
11.905,94
Differenz relativ
-0,00%

"Untypisch schnelle Verarbeitung"

Die Aktienstrategen der Landesbank Baden-Württemberg kommentierten: "Wir werten die aktuelle Rally als gefährliche Sorglosigkeit der Anleger und halten Gewinnmitnahmen für opportun." Das Corona-Schreckgespenst sei zuletzt etwas in den Hintergrund gedrängt worden und die Hoffnung auf eine rasche Rückkehr zur Normalität habe die öffentlichen Diskussionen geprägt. Damit seien die Corona-Krise und ihre massiven ökonomischen Verwerfungen untypisch schnell an den Aktienmärkten verarbeitet worden.

Die Experten der Weberbank halten zumindest eine gewisse Grundskepsis für angebracht. Die aktuellen Wirtschaftsdaten sendeten weiter klare Rezessionssignale. Insofern sei davon auszugehen, dass Analysten ihre Ertragserwartungen für die Unternehmen erneut senken werden und dies den Dax belasten könnte. "Eine Lehre aus der Finanzkrise vor zwölf Jahren ist, dass heftige Börsenturbulenzen längerfristig nachwirken, eben weil der Ausblick für die Gewinne für längere Zeit unsicher bleibt." Den Investoren stehe vermutlich auch in der aktuellen Krise noch eine holprige Reise bevor.

Mann mit Atemschutzmaske

Mann mit Atemschutzmaske. | Bildquelle: picture alliance / Geisler-Fotopress

Risiko für Kursrücksetzer steigt

"Steigende Kurse treffen aktuell auf stark fallende Gewinnerwartungen" stellen die Analysten der DZ Bank fest. Investoren setzten auf eine Erholung, obwohl noch nicht einmal das Ausmaß sowie die Dauer der Krise eingeschätzt werden könnten. Dass eine Rezession an den Aktienmärken in zwei Monaten abgearbeitet werden könne, ist nach Ansicht der DZ Bank eher unwahrscheinlich. "Die aktuelle Situation deutet auf ein geringeres Aufwärtspotenzial in den kommenden Monaten an den Aktienmärkten h in. Zudem steigt das Risiko für einen Kursrücksetzer an."

Gleichzeitig wüchsen die politischen Gefahren, warnt Christopher Smart, Chef des Research-Hauses Barings Investment Institute. "Es steht zu erwarten, dass China und die Vereinigten Staaten aus dem großen Lockdown noch gekränkter hervorgehen werden und dass sich Anleger auf eine Welt zunehmender Spannungen, steigender Handelsschranken und größerer Risiken einstellen sollten." Im Streit über die Rolle Chinas in der Virus-Krise hatte US-Präsident Donald Trump dem Land mit neuen Strafzöllen gedroht.

US-Präsident Donald Trump

Donald Trump. | Bildquelle: imago images / MediaPunch

"Gesunde Konsolidierung"

Davon abgesehen profitierten die Aktienmärkte weiterhin von der beispiellosen Liquiditätsschwemme der Notenbanken, rief der Baader-Bank-Chefanalyst Robert Halver in Erinnerung. "Wegen der weltweit verheerenden Konjunkturdaten werden immer mehr Lockerungsmaßnahmen ergriffen. Das ist Kraftfutter für die Aktienmärkte."

Robert Greil, der Chefstratege von Merck Finck Privatbankiers hält die laufende Konsolidierung für gesund: Sollten weitere Lockdown-Maßnahmen aufgehoben werden und eine neue Infektionswelle ausbleiben, dann gebe es gute Chancen für einen anschließenden Ausbruch nach oben.

Bilanzsaison bleibt auf Hochtouren

Die laufende Bilanzsaison steht ebenfalls ganz unter dem Eindruck der Corona-Pandemie. Dabei liege das Hauptaugenmerk aber auf den Plänen der Firmen zur Bewältigung der Krise, sagt Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. "Wer sich heute bewährt, wird zu den Gewinnern von morgen zählen. Die Anleger werden ganz genau darauf schauen, welches Unternehmen seine Hausaufgaben macht und welches nicht."

In der neuen Woche legt etwa ein halbes Dutzend Dax-Firmen Geschäftszahlen vor. Hierzu gehören der Versicherer Allianz, die Versorger Eon und RWE sowie der Autobauer BMW.

Industrieanlage

Industrieanlage. | Bildquelle: imago images / McPHOTO

Etwas leerer ist der Terminkalender der Konjunkturdaten. Dort stehen die Zahlen zur Industrieproduktion in Europa (Mittwoch), den USA und China (beide Freitag) an. Zum Abschluss der neuen Woche werden Daten zum deutschen und europäischen Wirtschaftswachstum veröffentlicht. Wenige Stunden später folgen die US-Einzelhandelsumsätze.

ts/dpa/rtr