Ein Mann kämpft sich bei Wind und Wetter mit Regenschirm über eine Wiese

Unter 12.000 Punkten Dax: Das Jahrestief im Blick

Stand: 09.09.2018, 11:09 Uhr

Die Anleger sollten sich auf turbulente Zeiten einstellen: Viele Fachleute rechnen damit, dass die Talfahrt am Aktienmarkt weitergeht. Auch Donald Trump sorgt wieder einmal für Unruhe.

Am Freitag hatte der dampfplaudernde US-Präsident Trump die Märkte erneut in Aufregung versetzt, indem er China mit weiteren Zöllen auf Produkte im Wert von 267 Milliarden Dollar drohte und erklärte, diese könnten kurzfristig in Kraft treten. „Trumps Kommentare kommen aus dem Nichts und belasten die Märkte“, kommentierte Gary Bradshaw, Portfolio-Manager von Hodges Funds.

„Wenn Präsident Donald Trump an der Zollschraube dreht, wird China unmittelbar zurückschlagen“, prognostiziert Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. Das sind für die Aktienmärkte keine guten Aussichten.  

„Der Dax hat vier Probleme“

In der vergangenen Woche verlor der deutsche Leitindex mehr als drei Prozent. Auch an der Wall Street gingen die Anleger in Deckung: Der Dow Jones gab auf Wochensicht zwar nur 0,2 Prozent nach, der S&P 500 sackte aber um rund ein Prozent, der Nasdaq-Index sogar um 2,6 Prozent ab.

„Der Dax hat nach wie vor vier Probleme: Der Handelskrieg, die Gefahr einer schmutzigen Scheidung der Briten von der EU, die italienische Schuldenkrise und natürlich die Schwellenlandkrise", fasst Robert Halver, Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank, die aktuelle Lage zusammen. „Sicherheit rückt in den Fokus“, hebt Kapitalmarktanalystin Claudia Windt von der Helaba hervor. Aktuell werde umgeschichtet aus den Schwellenländern in Industrieländer, aus Aktien in Renten oder auch aus dem Euro in Schweizer Franken.

Sturz in Richtung Jahrestief?

Auch die Charttechniker von Index-Radar raten zur Vorsicht.Für Anleger bleibe Absicherung eine wichtige Priorität, schreiben sie in einem Marktkommentar. Gehe es nach dem Lehrbuch, sei spätestens um 11.725/11.870 auch aus dem übergeordneten Blickwinkel wieder eine, zumindest temporäre, Bodenbildung zu erwarten. „Dort kam es in den vergangenen Monaten immer wieder zu einem Nachfrageschub.“ Etwa in diesem Bereich markierte der Dax sein Jahrestief.

Darüber hinaus werden die Investoren einige Notenbanken im Blick behalten müssen. Es steht sowohl der Zinsentscheid der britischen Notenbank als auch der EZB an. Beide Notenbanken dürften die Zinsen unverändert lassen. Anleger erwarten aber, dass Mario Draghi das Ende der Anleihenkäufe offiziell einläutet.

EZB-Chef Mario Draghi

EZB-Chef Mario Draghi. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Auch die türkische Notenbank könnte in Aktion treten, sie berät ebenfalls am Donnerstag über Maßnahmen zur Stabilisierung der Währung. „Ohne eine angemessene Reaktion - also eine Zinserhöhung um 300 bis 400 Basispunkte - wird die Lira weiter abwerten und sich das Risiko der Einführung von Kapitalverkehrskontrollen erhöhen“, so Commerzbank-Analystin Antje Praefcke. Aktuell liegt der Schlüsselsatz bei 17,75 Prozent.

Stimmung dürfte schlechter werden

Und wie steht es um die Konjunktur? „Gerade jetzt sind gute Konjunkturdaten in Europa für die Aktienmärkte enorm wichtig“, sagt daher Robert Greil von Merck Finck Privatbankiers. Aus den USA werden besonders die neuen Zahlen zu den Verbraucherpreisen, zum Einzelhandel sowie zur Industrieproduktion im Fokus stehen. In der Eurozone stehen die Daten zur Industrieproduktion auf dem Kalender. In Deutschland dürften die Konjunkturerwartungen des Zentrums für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) besonders beachtet werden.

ZEW-Konjunkturindex August 2018: -13,7

ZEW-Konjunkturindex August 2018. | Bildquelle: ZEW, Grafik: boerse.ARD.de

Mit der ZEW-Umfrage wird einer der ersten Stimmungsindikatoren für den Monat September veröffentlicht. "Die Finanzmarktexperten dürften im September vor dem Hintergrund der Entwicklung an den Finanzmärkten und der bestehenden Unsicherheitsfaktoren wie der Türkeikrise, den italienischen Haushaltsproblemen und der Protektionismusgefahr die konjunkturelle Lage schlechter als im Vormonat einschätzen", erwarten die Experten der Dekabank.

ts