Ein Mann kämpft sich bei Wind und Wetter mit Regenschirm über eine Wiese

Immerhin noch 12.000 Punkte Dax im Schatten der Politik

Stand: 26.05.2019, 11:14 Uhr

Zollstreit, Brexit, das Ergebnis der Europawahl: Mit diesen Themen werden sich die Investoren befassen müssen. Ein Endergebnis wird es aber nur bei der Wahl geben, die anderen Themen köcheln einfach immer weiter und weiter.

In der vergangenen Woche verlor der Dax 1,5 Prozent, ging aber immerhin bei mehr als 12.000 Punkten aus dem Handel. Auch in den USA gab es auf Wochensicht Kursverluste. Der Dow Jones gab um 0,7 Prozent nach, der S&P 500 um 1,2 Prozent und der Nasdaq-Index sank um 2,3 Prozent. Für den Dow ist es die fünfte Woche mit einem Minus. Eine derart lange Verlustserie gab es seit acht Jahren nicht mehr.  Wie es in der kommenden Woche weitergeht, dürfte vor allem mit der Politik zusammenhängen.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
12.670,11
Differenz relativ
+0,32%
S&P 500 Ind.: Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
2.990,73
Differenz relativ
-0,18%
Dow Jones Ind.: Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
27.010,81
Differenz relativ
-0,06%

Kurze Beine oder nicht?

Die Börsen würden in den nächsten Tagen wieder politischer, fasste Finanzanalyst Dirk Friczewsky vom Handelshaus Lynx Brokers die Lage zusammen. Das Ergebnis der Europawahl könnte zu weiteren Aktienverkäufen führen, sollten vor allem die Populisten die Oberhand gewinnen, meint der Fachmann.

Dr. Detlev Landmesser, Chef vom Dienst
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Aber es gibt auch optimistischere Prognosen: Die Europawahl werde kaum Auswirkungen auf die Börsen haben, prognostiziert Martin Lück, Chef-Anlagestratege für Deutschland, Österreich und Osteuropa beim weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock. „Allenfalls ein erdrutschartiger Sieg der Rechten würde vermutlich ausreichen, um eine sichtbare Marktreaktion hervorzurufen.“ In London oder New York wird ohnehin nicht viel passieren, weil die Börsen dort feiertagsbedingt geschlossen bleiben.

Brexit und Zollstreit – wieder einmal!  

Trotzdem sollte sich der Blick auch nach London richten. Die Anleger können  nicht auf eine Verschnaufpause hoffen, prognostiziert Commerzbank-Analyst Peter Dixon. Das Rätselraten um den Kurs Großbritanniens nach dem für Anfang Juni geplanten Rücktritt von Premierministerin Theresa May halte sie auf Trab. „Nachfolgen wird ihr wohl ein Brexit-Befürworter, der allerdings ebenfalls nur einer Minderheitsregierung vorstehen und damit bei der Umsetzung des Brexit kaum Handlungsspielraum haben wird.“

Natürlich bleibt auch der Handelskonflikt ein wichtiges Thema: „Die Schlüsselfrage ist, ob US-Präsident Donald Trump tatsächlich mit seiner Drohung, die US-Zölle auf alle noch nicht verzollten China-Importe auszuweiten, Ernst macht“, sagte Robert Greil, der Chefstratege der Privatbank Merck Finck. Das Basisszenario sei aber weder diese Eskalation noch eine schnelle Einigung etwa auf dem G20-Gipfel Ende Juni, so Greil.

US-Präsident Donald Trump halte offenbar an seiner Strategie fest, den Druck auf China hoch zu halten, sagt Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader. „Ob das Reich der Mitte allerdings bereit ist, mit einer Pistole am Kopf zu verhandeln, ist mehr als fraglich. Das Risiko, dass ein Handelsabkommen noch Monate auf sich warten lässt und in der Zwischenzeit die Weltwirtschaft weiter lähmt, ist hoch.“

„Der Disput hat das globale Wachstum bereits gebremst, ist aber vor allem ein deutliches Zeichen dafür, dass sich die Regeln für den Welthandel ändern werden“, sagt Darren Williams, leitender Analyst beim Vermögensverwalter Alliance Bernstein.

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Made in USA: Donald Trump präsentiert Fast Food. | Bildquelle: picture alliance / abaca

Konjunktur und Bilanzen

Noch einige Nachzügler der Berichtssaison präsentieren ihre Geschäftszahlen, darunter der Bremsenspezialist Knorr oder der Start-up-Investor Rocket Internet. Und die Konjunktur? „Der Datenkalender für die kommende Woche verspricht einen bunten Strauß an unterschiedlichen Veröffentlichungen“, meint Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt der DZ Bank. „Zu den wohl spannendsten gehören zum einen die Einkaufsmanager für China. Denn der US-chinesische Handelsstreit hat sich mit voller Wucht zurückgemeldet und dürfte das Industrieklima in China unter Druck gesetzt haben.“

Außerdem werden Inflationszahlen für Deutschland publiziert. „Nachdem im April die Teuerung aufgrund der Osterfeiertage noch kräftig nach oben gelaufen war, sollte sich der Preisdruck im Mai wieder ein gutes Stück verringert haben“, meint Bielmeier.

Aus den USA erfahren wir unter anderem die Daten des Chicago-Einkaufsmanagerindex, der als ein Gradmesser der Konjunkturentwicklung dort gilt.

ts