Mann vor Fernglas

Anleihen keine Alternative Dax: Fast rundherum sorglos

Stand: 20.09.2020, 12:40 Uhr

Dank intensiver Hilfe der Notenbanken brauchen sich die Anleger auch in der kommenden Woche keine allzu großen Sorgen machen. Kaum jemand erwartet ernste Rückschläge – aber wie weit es nach oben gehen kann, ist ungewiss.

Der Dax hat rund 0,7 Prozent in der vergangenen Woche verloren, der Dow Jones trat praktisch auf der Stelle. Für den S&P 500 und den Nasdaq Composite, die beide etwas mehr als 0,5 Prozent nachgaben, war es die dritte Woche in Folge mit Kursverlusten.

"Es gibt keine dringlichen Kaufgründe für Aktien, denn viele Menschen haben viele Fragen zum Coronavirus, den Wahlen, der Federal Reserve und dem Mangel an fiskalischen Anreizen plus die Fragezeichen beim Thema Bewertungen", sagte Investmentstratege Robert Pavlik vom Vermögensverwalter SlateStone Wealth.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
11.556,48
Differenz relativ
-0,36%
Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
26.608,78
Differenz relativ
+0,64%
Nasdaq Composite: Kursverlauf am Börsenplatz NASDAQ Indizes für den Zeitraum Intraday
Kurs
10.911,59
Differenz relativ
-2,45%

Billiges Geld befeuert Aktienrally

Allerdings werden die Investoren nicht vergessen, dass die Notenbanken wie gewohnt bereit stehen, um mit ihrer Geldpolitik echte Rückschläge an den Börsen zu verhindern: Billiges Geld werde die Aktienrally weiter befeuern, prognostiziert Mark Haefele, Chef-Anleger der Vermögensverwaltung der Bank UBS. Bargeldbestände und sichere Anleihen blieben dagegen auf absehbare Zeit ein Verlustgeschäft.

"Weltweit sind Anlagezinsen keine attraktive Anlagealternative zu Aktien", meint auch Robert Halver, Marktexperte bei der Baader Bank. "Die weltweite Liquiditätsoffensive der Notenbanken bildet eine wirksame Rücklaufsperre für nachhaltige Aktienkonsolidierungen."

Ein Durchmarsch sei aber nicht zu erwarten, sagt Robert Greil, Chef-Anlagestratege des Bankhauses Merck Finck. "Die zunehmende Angst hinsichtlich einer zweiten Infektionswelle dürfte den Optimismus bremsen. Für die Finanzmärkte ist jetzt angesichts des zunehmend politisch geprägten Restjahres wichtig, dass sich der Konjunkturtrend nicht umdreht, sondern kurzfristig zumindest stabil bleibt, um sich dann weiter zu erholen."

Präsident der Federal Reserve Jerome Powell

Präsident der Federal Reserve Jerome Powell. | Bildquelle: picture alliance / CNP

Es gibt auch Risiken

Laut Markus Reinwand von der Helaba suggeriert die Tatsache, dass einige US-Indizes vor der Korrektur Anfang September immer neue historische Höchststände markierten, dass es "die Pandemie mit all ihren ökonomischen Verwerfungen nie gegeben hat". Ulrich Kater von der Deka Bank meint, neue landesweite Stilllegungen des Wirtschaftslebens werden von Marktteilnehmern als sehr unwahrscheinlich angesehen. Aber die derzeit ansteigenden Infektionszahlen könnten jederzeit wieder an den Börsen thematisiert werden.

Schwelende Risikofaktoren bleiben natürlich auch Brexit und die bevorstehende US-Präsidentenwahl. Portfoliomanager Christoph Mertens von der Fürst Fugger Privatbank sagt: "Für die Börsen wird es eine hohe Relevanz haben, wer in den kommenden Jahren im Weißen Haus regiert. Bereits Prognosen für den Wahlausgang können die Kurse beeinflussen."

Covid19 Impfstoff

Covid19-Impfung. | Bildquelle: picture alliance / Sven Simon

Die Konjunkturdaten der Woche

Hinweise auf die allgemeine Wirtschaftslage, werden die Konjunkturdaten der Woche vermitteln. Am Donnerstag wird der Ifo-Index die Stimmung in den deutschen Chef-Etagen widerspiegeln. Erwartet wird für September einen Anstieg von 92,6 auf 94 Punkte. Am Mittwoch bereits gibt der GfK-Index Auskunft über die Kauflaune der deutschen Verbraucher.

Am selben Tag stehen die Stimmungsbarometer der deutschen und europäischen Einkaufsmanager auf dem Terminplan. Diese würden aber ein nachlassendes Tempo der wirtschaftlichen Erholung signalisieren, warnt Commerzbank-Analyst Christoph Weil. "Die Corona-Beschränkungen belasten noch immer den Dienstleistungsbereich, und auch der Industrie fällt es schwer, zum Vorkrisenniveau zurückzukehren."

Zu den wenigen anstehenden US-Konjunkturdaten zählen die Auftragseingänge für langlebige Güter am Freitag. Hier sagen Analysten für August nur noch ein Plus von 1,5 Prozent voraus, nach 11,4 Prozent im Vormonat.

ts