Mann vor Fernglas

Die neue Unsicherheit Dax: Die Furcht vor Corona kehrt zurück

Stand: 09.08.2020, 11:07 Uhr

Bremst die steigende Zahl der Corona-Neuinfektionen die Euphorie am Aktienmarkt? Experten warnen vor steigender Volatilität, auch der Handelskonflikt zwischen China und den USA ist immer für Irritationen gut.

In der vergangenen Woche legte der Dax fast drei Prozent zu. In den USA gewann der Dow Jones auf Wochensicht 3,8 Prozent. Trotzdem warnen Marktteilnehmer vor zu großem Optimismus, denn über allem liegt derzeit die Furcht vor einer Verschärfung der Corona-Pandemie, die die Wirtschaft belasten könnte.

An der Unsicherheit dürfte sich so schnell nichts ändern, sagte John Bellows, Portfoliomanager bei Western Asset Management und Experte für Unternehmensanleihen: "Ich denke, das Beste, was wir über die nächsten Monate sagen können, ist, dass wir uns alle der sehr hohen Unsicherheit und der Auswirkungen auf die Volatilität bewusst sind." Es bestehe das Risiko, dass die konjunkturelle Gegenbewegung im zweiten Halbjahr unterbrochen werde, schreiben die Fachleute der Helaba.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
12.594,39
Differenz relativ
+0,41%
Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
27.293,34
Differenz relativ
+0,55%
S&P 500 (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
3.314,88
Differenz relativ
+1,05%

Kein dramatischer Handelskrieg zu erwarten

Negativ könnten sich auch die Konflikte zwischen den beiden größten Volkswirtschaften USA und China auswirken, die an Breite und Brisanz zunehmen. "Eskalationen im Sinne eines dramatischen Handelskriegs sind vor der US-Wahl jedoch nicht zu erwarten", meint Robert Halver, Marktstratege bei der Baader Bank.  "Sie würden die Exportaussichten der US-Unternehmen belasten und zu Reibungsverlusten an den amerikanischen Aktienmärkten führen. Das will Trump sicher nicht. Denn dann ist das Thema Wiederwahl obsolet."

Gleichwohl kann die damit zusammenhängende Unsicherheit an den Märkten durchaus zu Kursschwankungen führen, meint Halver.  

Donald Trump

Donald Trump. | Bildquelle: picture alliance / UPI Photo

Gestützt werden die Kurse jedoch seit längerem von den massiven Hilfspaketen, die Notenbanken und Regierungen weltweit auf den Weg gebracht haben. "Solange der Markt nicht an noch weiterer Politk- und Notenbankunterstützung zweifelt, bleiben Risikomärkte wie für Aktien aussichtsreich", sagte Robert Greil, Chefstratege bei der Privatbank Merck Finck.

Noch immer wird berichtet

Natürlich ist die abflauende Berichtssaison noch immer für einige Impulse gut. Unter anderem legen Zalando, HelloFresh, Uniper, Eon, Ceconomy, ThyssenKrupp oder die Deutsche Wohnen ihre Zahlen vor.

Die Berichtssaison in den USA ist hingegen weitgehend vorbei. Etwa 82 Prozent der Mitglieder im S&P, die ihre Zahlen schon vorgelegt haben, haben die zuvor dramatisch gesenkten Prognosen der Analysten übertroffen, und zwar im Schnitt um 22,5 Prozent - so stark wie nie zuvor.

Industrieanlage

Industrieanlage. | Bildquelle: imago images / McPHOTO

So läuft die Konjunktur

Überschaubar ist die Agenda der Konjunkturdaten. Die vom ZEW Institut am Dienstag zur Veröffentlichung anstehenden Konjunkturerwartungen dürften sich im August den zweiten Monat in Folge eingetrübt haben. "Grund hierfür ist klar die steigende Zahl von Neuinfektionen weltweit und speziell in Europa im Zuge der Feriensaison", merkte die Landesbank BayernLB an. Unterstützung für die Aktienkurse ist also von dieser Seite zumindest nicht zu erwarten.

Am Freitag stehen die chinesischen Daten zu Industrie und Einzelhandel an. Wichtigster Konjunkturindikator aus den USA ist ebenfalls am Freitag das Verbrauchervertrauen, das die Universität von Michigan errechnet.

ts

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