Ein Mann kämpft sich bei Wind und Wetter mit Regenschirm über eine Wiese

Kaufen, halten, verkaufen? Dax: Wenn man nur wüsste, wie es weitergeht!

Stand: 01.03.2020, 13:06 Uhr

Nervenzerreibende Tage liegen hinter den Anlegern. Aber noch weiß niemand, ob das Schlimmste jetzt überstanden ist. Wie immer, wenn die Kurse purzeln und die Konjunktur schwächelt, rufen die Investoren nach den Notenbanken.

Der Dax ging am Freitag 3,9 Prozent im Minus bei 11.890,35 Punkten aus dem Handel Der EuroStoxx50 verlor 3,7 Prozent auf 3.329,49 Zähler. Innerhalb einer Woche haben beide Indizes mehr als zwölf Prozent an Wert verloren. "Innerhalb weniger Tage wurden die Kursgewinne der vergangenen Wochen und Monate pulverisiert", sagte Analyst Christian Henke vom Brokerhaus IG. Wer erinnert sich? Vor eineinhalb Wochen hatte der Dax mit 13.795 Zählern noch ein Rekordhoch markiert.

"Die Börse preist gerade einen Tsunami an Gewinnwarnungen aus den Unternehmen ein", sagte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. Kurzfristig könne es noch weiter nach unten gehen, schrieben die Experten der Helaba. Die Sorglosigkeit der vergangenen Wochen sei in Panik umgeschlagen. Geht es in der kommenden Woche wieder nach oben?

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
11.556,48
Differenz relativ
-0,36%
Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
26.608,78
Differenz relativ
+0,64%
S&P 500 (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
3.286,17
Differenz relativ
+0,08%

"Spürbare Aufholeffekte"

"Mit Blick auf die viralen Unabwägbarkeiten sollte zunächst die gefallenen Kurse nicht zum sofortigen Einstieg genutzt werden. Doch sollten Langfristanleger auch nicht in Panik verfallen und abseits teilweiser Gewinnmitnahmen großflächig verkaufen", meint Robert Halver, Marktexperte bei der Baader Bank.

"Bereits jetzt dürften die realwirtschaftlichen Daten deutlich negativ beeinflusst werden", schreiben die Fachleute der DZ Bank. Für Deutschland kann man in Q1 bestenfalls mit einer Stagnation rechnen." Nach den bisherigen Erfahrungen mit solchen Krankheitserregern könne man laut DZ Bank man davon ausgehen, dass die Krankheitswelle mit Beginn des Frühlings abflaue.

Damit könne man in der zweiten Jahreshälfte mit spürbaren Aufholeffekten in der konjunkturellen Entwicklung rechnen. "Zumal es in den kommenden Wochen geld- und fiskalpolitische Unterstützung für die Volkswirtschaften geben sollte", meinen die Fachleute.   

Was tun die Notenbanken?

Mutige Anleger könnten auf die Idee kommen, das aktuelle Kursniveau zum Einstieg zu nutzen. "Es ist verlockend anzunehmen, dass mit dem wärmeren Wetter und der abnehmenden Virus-Angst die Märkte zur Normalität zurückkehren", sagte Mark Dowding, Chefinvestor bei der Fondsgesellschaft BlueBay. "Die Panik kann noch für einige Zeit anhalten, aber das Comeback der Wirtschaft könnte stark ausfallen, wenn genau mit dem Frühling auch die unterstützenden Maßnahmen der Politik greifen."

Federal Reserve in Washington

B5 Börse 21.13 Uhr: Fed will notfalls handeln

Natürlich blicken die Investoren begehrlich auf die Notenbanken. "Die Märkte preisen nun mindestens zwei Zinssenkungen der Fed ein", sagte Seema Shah, Chef-Anlagestrategin des Vermögensverwalters Principal Global Investors. Einige Börsianer halten schon im März einen Schritt nach unten für möglich.

Die US-Notenbank wird nach den Worten von Fed-Chef Jerome Powell angemessen handeln, um die Wirtschaft angesichts des Coronavirus-Ausbruchs zu unterstützen. "Die Fundamentaldaten der US-Wirtschaft bleiben stark", sagte Powell am Freitag. "Das Coronavirus stellt die Wirtschaftsaktivität allerdings vor zunehmende Risiken." Die Fed beobachte die Entwicklungen und deren Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum genau. "Wir werden unsere Werkzeuge einsetzen und handeln, wie es angemessen ist, um die Wirtschaft zu unterstützen."

Präsident der Federal Reserve Jerome Powell

Der Präsident der Federal Reserve, Jerome Powell, beobachtet genau. | Bildquelle: Imago

Konjunkturdaten und Geschäftszahlen

Ansonsten wird die Berichtssaison in der kommenden Woche weitergehen. Zahlen legen unter anderem die Konsumgüter-Hersteller Beiersdorf und Henkel sowie der Autozulieferer Continental vor. Im Ausland öffnen der italienische Reifen-Hersteller Pirelli und der Schweizer Schokoladen-Anbieter Lindt & Sprüngli ihre Bücher.

Natürlich sind in Zeiten wie diesen frische Konjunkturdaten besonders wichtig, auch wenn sie die aktuelle Lage noch nicht abbilden. Am Freitag stehen die US-Beschäftigtenzahlen an. Experten erwarten für Februar 178.000 neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft, nach einem Plus von 225.000 im Vormonat. Am selben Tag veröffentlicht die US-Notenbank Fed ihren Konjunkturbericht, das sogenannte Beige Book. Diesseits des Atlantik warten Investoren gespannt auf die Stimmungsbarometer der deutschen und europäischen Einkaufsmanager.

ts