Frau mit Fernglas

Narrenfreiheit für die Anleger? Dax: Die Stimmung bleibt ausgelassen

Stand: 03.03.2019, 12:11 Uhr

Auch in der kommenden Woche könnte der Dax-Erholungskurs weitergehen. Die Themen Brexit und Handelsstreit verlieren derzeit etwas ihren Schrecken, die EZB könnte sich am Donnerstag generös zeigen.

Am Freitag hielt sich der Dax hielt sich knapp über der 11.600-Punkte-Marke, die er erstmals seit fast vier Monaten wieder geknackt hatte. Auf Wochensicht schaffte er damit Kurszuwachs von rund 1,3 Prozent, und seit Jahresbeginn hat der Dax schon fast zehn Prozent wieder gut gemacht.

In den USA lief es dagegen nicht ganz so glänzend. Der Dow Jones trat in der vergangenen Woche praktisch auf der Stelle, der S&P 500 gewann 0,4 Prozent, der Index der Technologiebörse Nasdaq legte 0,9 Prozent zu. Wird der Stimmungspfeil zumindest in Deutschland auch in der Faschingswoche weiterhin nach oben zeigen?

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
13.113,41
Differenz relativ
-0,40%
S&P 500 Ind.: Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
3.144,38
Differenz relativ
-0,01%
Dow Jones Ind.: Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
27.960,28
Differenz relativ
-0,16%

Die Dauerbrenner unter den Themen  

Positiv dürfte zu Buche schlagen, dass es zuletzt gewisse Entspannungssignale  beim Thema Handelsstreit zwischen USA und China gegeben hatte. „An einer Lösung im chinesisch-amerikanischen Handelsstreit wird konstruktiv gearbeitet, eine Eskalation ist derzeit wenig wahrscheinlich“, meint Helaba-Expertin Claudia Windt. „Zudem erscheint eine gesichtswahrende Verschiebung des Brexit möglich.“

Mit den jüngsten Entwicklungen in der Brexit-Saga und bei den Handelsgesprächen zwischen den USA und China hätten die Märkte einiges an Hoffnung eingepreist, schreiben die Fachleute von Merck Finck Privatbankiers. Allerdings haben die Erfahrungen der vergangenen Wochen diesbezüglich gezeigt, dass die Investoren mit allem rechnen müssen angesichts des mitunter erratischen Verhaltens wesentlicher Akteure.     

Brexit-Abstimmung: Ein Thema für die Ewigkeit. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Draghis Lockerungsübungen

 „Neben dem Brexit und dem Handelskonflikt dürften die Notenbanken für die Märkte ein Schlüsselthema werden“, sagt Robert Greil, der Chefstratege von Merck Finck Privatbankiers. Am Donnerstag erwarten wir den Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank (EZB). Der für die europäische Wirtschaft zuständige Fitnesstrainer Mario Draghi dürfte mit der Kondition seines Schützlings nicht zufrieden sein, schreiben die Experten von Metzler. Deshalb schließen sie weitere „Lockerungsübungen“ am Donnerstag nicht aus, was natürlich ganz im Sinne der Märkte wäre.   

An den Aktienmärkten wird schon seit längerem spekuliert, dass die Euro-Wächter angesichts der Konjunkturabkühlung neue Langfristkredite für Geschäftsbanken (TLTRO) beschließen könnten. Investoren halten es für möglich, dass Draghi dafür bereits auf diesem EZB-Treffen die Weichen stellen könnte.

Fundamental unbegründet

Allerdings verweisen Skeptiker darauf, dass die Kurse seit Jahresbeginn steigen, obwohl die Konjunktur schwächelt und die Gewinnerwartungen für die Unternehmen sinken. „Wir halten den Anstieg nicht für fundamental begründet“, konstatieren die Analysten von M.M. Warburg. „Einige Wochen mit überraschend guten Marktdaten machen leider noch keinen Frühling.“

Die Berichtssaison bleibt auch in den nächsten Tagen ein wichtiges Thema: Wie die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) über den bisherigen Zahlenreigen schrieb, ging die zuletzt schwächere Konjunkturdynamik bislang „nicht spurlos“ an den Dax-Unternehmen vorüber. Sowohl die Zahlenwerke als auch die Unternehmensziele für das laufende Jahr hätten mehrheitlich die Erwartungen verfehlt. Aus dem Dax werden Merck KGaA, die Deutsche Post und der Immobilienkonzern Vonovia berichten.

US-Arbeitsmarkt: Wie viele neue Stellen?. | Quelle: picture-alliance/dpa

Die Konjunkturdaten der Woche

In den USA werden die gewöhnlich vielbeachteten monatlichen Arbeitsmarktdaten erwartet. Von Reuters befragte Analysten rechnen für den Februar mit dem Aufbau von 170.000 neuen Stellen nach 304.000 im Vormonat bei anziehenden Stundenlöhnen. Einen Vorgeschmack auf die offiziellen Daten liefert die Veröffentlichung des privaten Anbieters ADP am Mittwoch. Ebenfalls am Mittwoch wird das Beige Book veröffentlicht.  

Aus Deutschland stehen am Freitag die Auftragseingänge der Industrie für Januar im Fokus. Im Auge behalten werden Anleger die Nachrichten aus China, wo am Dienstag der nationale Volkskongress beginnt. Sie warten auf Informationen dazu, ob das Reich der Mitte im Kampf gegen ein langsameres Wirtschaftswachstum Maßnahmen plant.

ts