Hingucker der Woche

Dax kratzt an der 11.700 Das Brexit-Theater geht weiter

Stand: 17.03.2019, 12:48 Uhr

Noch immer ist das Schreckgespenst des Chaos-Brexits nicht vollkommen gebannt. Auch im Handelsstreit lassen die erhofften positiven Nachrichten noch auf sich warten. Das könnte das Aufwärtspotenzial in der kommenden Woche begrenzen.

In der vergangenen Woche kletterte der Dax um rund zwei Prozent und lugte sogar über die runde Marke von 11.700 Punkten. In den USA legte der Dow Jones um fast 1,6 Prozent auf Wochensicht vor. Das Tempo werden die Aktienmärkte in der kommenden Woche wohl eher nicht halten können.

Aus London droht weiterhin Ungemach: Experten warnen, dass das Risiko eines ungeordneten Brexits nicht gebannt ist. Die Abgeordneten in London wollen den eigentlich für den 29. März vorgesehenen Austritt aus der EU nun um maximal drei Monate verschieben. Voraussetzung ist jedoch, dass das Unterhaus bis Mittwoch dem mit der EU ausgehandelten Ausstiegsvertrag zustimmt, den sie bereits zweimal abgelehnt haben.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
11.611,03
Differenz relativ
-1,50%
Dow Jones Ind.: Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
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25.856,23
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-0,08%
Nasdaq Composite: Kursverlauf am Börsenplatz NASDAQ Indizes für den Zeitraum Intraday
Kurs
7.723,95
Differenz relativ
+0,12%

Alles gut beim dritten Versuch?

„Auch zwei Wochen vor dem offiziellen Scheidungstermin Großbritanniens von der EU am 29. März ist das Risiko eines No Deal-Brexit noch nicht abgewendet“, kommentiert Robert Halver Marktstratege bei der Baader Bank. Grundsätzlich jedoch werde eine vernünftige Lösung angesichts der rückläufigen Volatilität am britischen Aktienmarkt und beim Wechselkurs Pfund gegenüber Euro immer noch eingepreist“, so der Experte.  

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Was nächste Woche wichtig wird...

Mit der Entscheidung für eine Verschiebung steige der Druck auf die Brexit-Anhänger, Premierministerin Theresa Mays Plan zuzustimmen, urteilten die Analysten der BayernLB. Nach Einschätzung der Commerzbank-Experten ist das Risiko eines Brexits ohne Vertrag allerdings größer geworden. „Lehnt das Parlament das Austrittsabkommen kommende Woche zum dritten Mal ab, ist eine lange Verschiebung des Brexit-Termins über die Jahresmitte alles andere als sicher“, argumentierten sie. Irgendwie müssen die Anleger also weitzerhin mit allem rechnen. Halver dürfte die Stimmung mit dieser Frage ganz gut auf den Punkt bringen: Wann ist das absurde Brexit-Theater vorbei?“

Theresa May

Theresa May. | Bildquelle: picture alliance / AA

Nach wie vor Skepsis

Davon abgesehen sieht Analyst Frank Klumpp von der Landesbank Baden-Württemberg für die Aktienmärkte nur noch wenig Potenzial. Nach den dynamischen ersten beiden Handelsmonaten gehe dem deutschen Leitindex Dax etwas die Puste aus - die Grundhaltung der Investoren sei trotz der kräftigen Erholung seit Jahresbeginn nach wie vor von Skepsis geprägt. Zumindest aus charttechnischer Sicht sind die Chancen für weitere Kursgewinne aber nicht so schlecht. Der Dax schloss am Freitag bei 11.685 Punkten und damit oberhalb der 200-Tage-Linie, die etwa bei 11.660 Zählern lag. Charttechiker interpretieren das als Kaufsignal.

Unterstützung für den Aktienmarkt kännte auch die US-Notenbank Fed am Mittwoch leisten, wenn Notenbankchef Jerome Powell Neuigkeiten zur Geldpolitik bekanntgibt. Der Leitzins dürfte wohl in der Spanne von derzeit 2,25 bis 2,5 Prozent bleiben. Entscheidend dürfte aber sein, wie die Fed die Auswirkungen des amerikanisch-chinesischen Handelsstreits auf die Konjunktur einschätzt. Das für Ende März geplante Treffen von US-Präsident Donald Trump und Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping ist zudem auf frühestens April verschoben worden. Ein baldiges Ende des Handelsstreits ist somit vorerst nicht in Sicht.

Präsident der Federal Reserve Jerome Powell

Präsident der Federal Reserve Jerome Powell. | Bildquelle: Imago

Zinsen rauf oder runter?

Wie immer bei diesen Terminen erhoffen sich die Anleger Hinweise auf die künftige Zinspolitik. Die Ziele der Fed, Vollbeschäftigung und Preisstabilität, seine weiterhin erfüllt, so dass sie sich die Tür für einen Zinsschritt im Juni offenhalten dürfte", erklärten die BayernLB-Analysten. Andererseits weist Commerzbank-Analyst Bernd Weidensteiner aber darauf hin, dass sich die US-Wirtschaft abgeschwächt habe. Am Markt würden sogar bereits Zinssenkungen diskutiert, meint Weidensteiner. Grund genug also für Anleger, aufmerksam zu bleiben.  

Und umso wichtiger werden die frischen Konjunkturdaten der kommenden Woche sein. In den USA unter anderem Daten zum Auftragseingang und zur Entwicklung des Immobilienmarktes im Mittelpunkt des Interesses. Am Donnerstag wird ferner der Philly-Fed-Index publiziert.

In der Eurozone stehen die vom Marktforschungsinstitut Markit erhobenen Einkaufsmanagerindizes im Blick der Märkte. In Deutschland werden zudem die Konjunkturerwartungen des Wirtschaftsforschungsinstituts ZEW veröffentlicht. Mit ihren Quartals- und Jahresbilanzen sind in der neuen Woche zudem einige Unternehmen aus der zweiten und dritten Reihe am Start.

ts