Frau mit Fernglas

Eine reife Rekordrally Treibt die Bilanzenflut den Dax weiter vorwärts?

Stand: 05.11.2017, 12:07 Uhr

Je länger eine Kursrally dauert, desto lauter werden üblicherweise die warnenden Stimmen. Die gibt es natürlich auch diesmal, aber am positiven Marktumfeld hat sich nichts geändert. Ob der Dax das aktuelle Tempo halten kann?

13.505 Punkte: So weit hat es der Dax nun also schon gebracht. Der neue Rekord vom Freitag lässt die Investoren von einer fulminanten Jahresendrally träumen. Allein in der vergangenen Woche legte der deutsche Leitindex um zwei Prozent zu. „Das erneute Hoch des Deutschen Aktienindex dürfte mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht das Ende, sondern der Startschuss der erfahrungsgemäß meist positiven Jahresendphase gewesen sein. Nun kann es zwar nicht endlos mit dem gleichen Tempo nach oben gehen, doch die grundlegende Tendenz sollte positiv bleiben“, schreiben die Marktbeobachter von Index-Radar.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Woche
Kurs
12.430,88
Differenz relativ
+0,85%
Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum 1 Woche
Kurs
26.743,50
Differenz relativ
+0,32%
S&P 500: Kursverlauf am Börsenplatz S&P Indizes für den Zeitraum 1 Woche
Kurs
2.929,67
Differenz relativ
-0,04%

Tempo rausnehmen

Donald Trump

Donald Trump, ein Mann mit Plänen. | Bildquelle: picture alliance / Evan Vucci/AP/dpa

Es könnte durchaus aber auch malabwärts gehen, meint Aktienstratege Manfred Bucher von der Landesbank BayernLB: So würden trotz des weiter positiven Umfeldes zumindest kurzfristige Rückschläge wahrscheinlicher, so der Experte. Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck Privatbankiers vertritt eine ähnliche Ansicht: Die überschaubare Makrodaten-Agenda spreche für eine Verschnaufpause an den Börsen, aber der strukturelle Bullenmarkt bleibe intakt.

Die beherrschenden Themen der kommenden Woche werden die Bilanzsaison und die geplante US-Steuerreform sein. Wenn Präsident Donald Trump seine Pläne verwirklichen kann, „könnte das für den Dax bedeuten, dass es weiter nach oben geht", sagt NordLB-Aktienstratege Tobias Basse. Allerdings sei nicht davon auszugehen, dass der deutsche Leitindex nochmals um fast 300 Punkte weiter marschiere.

„Jetzt wird es abenteuerlich“

Siemens-Forschungszentrum in München-Neuperlach

Der Industrie-Gigant Siemens berichtet am Donnerstag. | Bildquelle: Unternehmen

Analyst Markus Reinwand von der Landesbank Helaba ist hingegen kritischer: „Jetzt wird es abenteuerlich“, urteilte der Fachmann. Die ausgelassene Stimmung an der Börse sowie die im historischen Vergleich sehr hohe Bewertung des Leitindexes könnten seiner Ansicht nach durchaus ein Anzeichen für eine Überhitzung des Marktes sein und damit nicht auf weiter steigende, sondern auf fallende Kurse hindeuten.

Um die Stimmung oben zu halten, sollten die kommenden Bilanzen gut ausfallen. Am Dienstag lassen sich unter anderem BMW und Zalando in die Bücher schauen. Eon, HeidelbergCement und Vonovia folgen am Mittwoch. Am Donnerstag erreicht die Quartalssaison dann ihren Höhepunkt. Mit Siemens, Adidas, Deutsche Post, Deutsche Telekom, Münchener Rück, Merck, ProSiebenSat.1, Continental und Commerzbank legen neun der 30 Dax-Konzerne ihre Zahlen vor.

Ob die Unternehmen den hochgesteckten Erwartungen der Anleger gerecht werden, muss sich in der neuen Woche erst noch erweisen. Bislang jedenfalls habe die Berichtssaison für das dritte Quartal eher enttäuscht, schrieben die Analysten der Commerzbank.

Auf die Frühindikatoren achten

Industrie Konjunktur. | Bildquelle: colourbox.de

Die Anleger sollten aber auch die Konjunktur im Blick behalten: „Nachdem die wichtigsten Notenbanken getagt haben, werden die Märkte wieder verstärkt darauf achten, ob die konjunkturellen Frühindikatoren weiter überzeugen“, meint Marktstratege Greil. In der Eurozone dürften Industriedaten im Blick stehen. So werden in Deutschland Daten zu den Auftragseingängen und zur Industrieproduktion veröffentlicht. In der Eurozone steht zudem mit den Sentix-Konjunkturerwartungen der erste konjunkturelle Frühindikator an.

Aus den USA wird die größte Aufmerksamkeit wohl das von der Universität Michigan erhobene Verbrauchervertrauen auf sich ziehen. Es befindet sich zurzeit auf dem höchsten Stand seit Ende 2004.

ts