Ein Mann kämpft sich bei Wind und Wetter mit Regenschirm über eine Wiese

Bangen am Bosporus Dax: Herbststürme im August

Stand: 12.08.2018, 12:27 Uhr

Der Sommer kühlt langsam ab und auch die Stimmung an den Aktienmärkten wird durchaus etwas frostig. Vor allem die Lage in der Türkei lehrt die Investoren das Fürchten. Ansteckungsgefahr ist das Wort der Stunde.

Die Währungskrise in der Türkei hatte am Freitag für einen äußerst nervösen Aktienhandel gesorgt: Mit einem Abschlag von zwei Prozent reagierte der Dax auf den Lira-Schock. Vor allem Aktien von Bankhäusern mit größerem Türkei-Engagement gerieten unter Druck. An der Wall Street blieben die Investoren gelassener. Der US-Leitindex Dow Jones fiel um 0,8 Prozent auf 25.313,14 Punkte. Die Voraussetzungen für die kommende Woche sind alles andere als gut, denn das Thema wird uns weiter beschäftigen.

"Die Ursachen der Krise sind bekannt", fasst Stefan Bielmeier, Chef-Volkswirt der DZ Bank zusammen: "Eine Zentralbank, die trotz einer ausufernden Inflationsrate nicht aktiv wird und deren Unabhängigkeit mehr als fraglich ist, sowie ein türkischer Präsident, der zweifelhafte ökonomische Thesen vertritt, vor ausländischen Verschwörern warnt und außenpolitisch auf Konfrontationskurs mit den USA geht."

Dax

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Politische Krisenherde  halten Börsen in Atem

Was erwarten Finanzexperten jetzt von der Türkei? „Die kurzfristige Lösung ist einfach: Die Zinssätze aggressiv erhöhen und die Kreditvergabe einschränken, um die Wirtschaft abzukühlen und die Inflation in Schach zu halten. Es muss eine klare Botschaft an die Investoren gesendet werden, dass das Problem verstanden und entschieden angegangen wird“, meint Viktor Szabo, Senior Investment Manager bei Aberdeen Standard Investments.

„Ein erneutes Aufbäumen in der kommenden Handelswoche dürfte schwierig werden", meint Investmentanalyst Frank Klumpp von der LBBW. Mit seinem Pessimismus steht er nicht allein: „Rächt sich nun die Gelassenheit der  Anleger“, fragt Helaba-Experte Markus Reinwand. „Unsicherheitsfaktoren gibt es zur Genüge und nun hat auch noch die saisonal schwächste Phase begonnen“, meint der Fachmann.

Recep Tayyip Erdogan

Recep Tayyip Erdogan: Teil der Lösung oder Teil der Probleme in der Türkei?. | Bildquelle: picture alliance / abaca

Und was ist sonst los auf dem Globus?  

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Was nächste Woche wichtig wird... [10.8.18]

Die Türkei ist wie wir wissen beileibe nicht das einzige Problem: Auch der Zollstreit der USA mit China und der EU ist keineswegs ausgestanden und die Anleger müssen immer wieder damit rechnen, dass die Märkte neue Entwicklungen zu verarbeiten haben. Daniel Saurenz von Feingold Research nennt noch die Themen Iran und die Brexit-Verhandlungen, die sich negativ auswirken können. Er hält es deshalb für möglich, dass „die Aktienampel weltweit bald von grün auf gelb umspringt“.

Der Fokus der Investoren liege auf künftigen Marktentwicklungen und möglichen bevorstehenden Risiken. Das Wirtschaftswachstum scheine seinen Höhepunkt erreicht zu haben, insbesondere außerhalb der USA. Zudem würden die möglichen negativen Konsequenzen steigender Zinsen zunehmend realer, kommentiert Nigel Masding, Fondsmanager bei Legal & General Investment Management (LGIM).

RWE und Henkel berichten

Die Berichtssaison hat ihren Höhepunkt hinter sich. Sie wird im Allgemeinen positiv bewertet, trotzdem blieben die erhofften starken Impulse aus.In der kommenden Woche berichten vor allem Konzerne aus der zweiten und dritten Reihe, aber es sind durchaus noch Schwergewichte am Start.

Deutschland unter anderem Talanx und Salzgitter einen Einblick in ihre Bücher gewähren, gefolgt von RWE am Dienstag und Henkel am Donnerstag. In den USA stehen unter anderem Home Depot, Cisco und Nvidia an.   

Die Konjunkturdaten der Woche

In der kommenden Woche warten wir auf die Daten zu den US-Einzelhandelsumsätzen, die als Indikator für die Entwicklung des Privatkonsums gesehen werden. „Da die Stimmung der US-Verbraucher, nicht zuletzt dank Steuerreform und annähernder Vollbeschäftigung, weiterhin exzellent ist, rechnen wir mit einer Fortsetzung des Aufwärtstrends“, schreiben die Analysten der Postbank. Auch das Verbrauchervertrauen der Uni Michigan und Daten zur Industrieproduktion werden publiziert.

Exzellente Stimmung unter US-Shoppern. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Hierzulande werden die Investoren auf den am Dienstag veröffentlichten ZEW-Indikator achten. Zudem steht das deutsche Bruttoinlandsprodukt für das zweite Quartal an.

ts

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Die Hingucker der Woche RWE und Henkel berichten

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