Hingucker der Woche

Die Frucht der Rettungspakete Dax: Und bald wieder Allzeithoch?

Stand: 07.06.2020, 13:50 Uhr

Angesichts des Tempos der Kurserholung fragen sich manche Anleger, ob die Corona-Krise schon abgehakt ist. Unsicherheitsfaktoren wie Handelsstreit oder die Unruhen in den USA spielen bislang kaum eine Rolle bei den Erwägungen der Aktienkäufer.

In der vergangenen Woche hatte der Dax um 3,4 Prozent auf den höchsten Stand seit dreieinhalb Monaten zugelegt. Damit summierte sich der Wochengewinn auf fast 11 Prozent. Das war die beste Börsenwoche seit Anfang April. Seit seinem Tief Mitte März hat der deutsche Leitindex rund 4.600 Punkte oder 55 Prozent gewonnnen. In den USA hatte der Dow auf Wochensicht knapp sieben Prozent fester notiert, der S&P fünf und die Nasdaq rund 3,5 Prozent. Das Tempo ist also wirklich rasant. Wird es so weitergehen?

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
13.126,97
Differenz relativ
-0,08%
Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
29.608,48
Differenz relativ
+1,14%
S&P 500 (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
3.580,09
Differenz relativ
+0,63%

Nach oben gedeckelt, nach unten begrenzt

"Vielen geht die Erholung zu schnell. Zwischenzeitliche Gewinnmitnahmen sind insofern einzukalkulieren und auch gesund", kommentiert Robert Halver, Marktstratege bei der Baader Bank. "In Erwartung weiterer Lockerungsmaßnahmen und geplanter Konjunkturprogramme haben Aktien rund um den Globus zum Teil kräftig zugelegt", beschreibt Helaba-Analyst Markus Reinwand die Lage. Dagegen würden Unsicherheitsfaktoren wie die Unruhen in den USA oder Spannungen zwischen den USA und China an den Aktienmärkten derzeit ausgeblendet. 

"Aktien scheinen die Corona-Krise schon abzuhaken", so der Helaba-Fachmann. Die Erholung hat allerdings zu einer markanten Bewertungsexpansion geführt. Das Potenzial nach oben ist damit gedeckelt. Nach unten dürfte die massive Unterstützung durch die Geld-und Fiskalpolitik einen gewissen Schutz bieten", meint Reinwand. 

Christine Lagarde

EZB-Chefin Christine Lagarde: Retten, was zu retten ist. | Bildquelle: picture alliance/Xinhua

Bloß nichts verpassen

Die Angst etwas zu versäumen, präge die Stimmung, sagt Analyst Frank Wohlgemuth von der National-Bank in Essen. "Es herrscht aktuell die tief sitzende Sorge vor, den signifikanten Aufschwung zu verpassen." Wegen der billionenschweren Hilfspakete von Notenbanken und Regierungen setzen Investoren auf eine kraftvolle Erholung der Weltwirtschaft von den Folgen der Virus-Krise. Diese Hoffnung könnte sich aber als trügerisch erweisen, mahnt Wohlgemuth. "Ein Vorkrisen-Niveau erscheint für eine lange Zeit weder in den USA noch in Europa erreichbar."

"Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass dieser Anstieg die meist gehasste Rally aller Zeiten ist", sagt Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. "Doch einen Crash auf Ansage hat es selten gegeben und solange Anleger immer wieder von neuem versuchen, sich gegen den Trend zu stellen, könnten die Kurse weiter steigen."

Ein Händler an der New Yorker Börse reißt die Arme hoch

Händler an der New Yorker Börse: Grund zur Freude. | Bildquelle: Imago

Verbraucherdaten erwartet

Konjunkturdaten bleiben selbstverständlich von großer Bedeutung. Am MIttwoch stehen die US-Inflationsdaten auf dem Terminplan. Nach einem Rückgang um 0,8 Prozent im April wegen des Ölpreis-Verfalls und der Virus-Krise sagen Experten für Mai eine Stabilisierung der Verbraucherpreise voraus.

Ob die Verbraucher in den USA in den vergangenen Wochen wieder mehr Zutrauen gefasst haben, könnte am Freitag der entsprechende Index der Uni Michigan zeigen. Im April war der Frühindikator für die Kauflaune amerikanischer Verbraucher abgestürzt, im Mai hatte er sich stabilisiert.

Shoppen in den USA: Hauptsache Kauflaune. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Unter Null?

Hinzu kommen ebenfalls am Mittwoch die Ergebnisse der geldpolitischen Beratungen der US-Notenbank. Eine erneute Zinssenkung unter null Prozent komme für die Fed nicht infrage, sagt Commerzbank-Volkswirt Bernd Weidensteiner. Allerdings könnte sie ihren geldpolitischen Ausblick präzisieren und beispielsweise Details zu Dauer und Umfang ihrer Wertpapierkäufe liefern.

In Deutschland richtet sich die Aufmerksamkeit auf Daten zur Industrieproduktion am Montag. Analysten rechnen für April mit einem Rückgang um 15,5 Prozent. Ähnlich wie beim fast 26-prozentigen Einbruch der Auftragseingänge sei damit aber der Tiefpunkt wohl erreicht. Es mehrten sich die Anzeichen, dass die Geschäfte im Mai wieder besser liefen. Mit marktbewegenden Unternehmensmeldungen ist in der neuen Woche nicht zu rechnen.

ts