Ein Mann kämpft sich bei Wind und Wetter mit Regenschirm über eine Wiese

"Kurzfristige Befreiungsrallys möglich" Dax: Anleger sollten mit allem rechnen

Stand: 29.03.2020, 12:30 Uhr

Zuletzt hat sich der Dax zuletzt insgesamt etwas erholt. Experten halten zwar weitere Kursgewinne für möglich, aber solange der Verlauf der Pandemie völlig ungewiss bleibt, ist auch ein weiterer Absturz denkbar.

In der vergangenen Woche hatte der Dax rund 7,9 Prozent zugelegt. Es ist der größte Wochengewinn seit Dezember 2011. Der Dow Jones gewann in der vergangenen Woche rund 13 Prozent – das größte Plus seit 1938. Allerdings relativiert sich dies, denn noch am Montag war das weltweit bekannteste Börsenbarometer zeitweise in Richtung 18.200 Punkte auf den tiefsten Stand seit Ende 2016 gesackt. Die massiven Kursverluste der Börsen in den USA und Europa am Freitag weisen auf eine weitere turbulente Woche hin. Wieder drohte ein nervenzerreibendes Auf und Ab.   

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Woche
Kurs
12.010,29
Differenz relativ
+3,65%
Dow Jones Ind.: Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum 1 Woche
Kurs
25.603,50
Differenz relativ
+0,51%
S&P 500 Ind.: Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum 1 Woche
Kurs
3.059,76
Differenz relativ
+0,13%

Es wird volatil bleiben

"Die Anleger wollen jetzt den Höhepunkt der Virusinfektionen sehen, denn nur dann werden sie als überzeugte Käufer in den Aktienmarkt zurückkehren", sagte Marktanalyst Jochen Stanzl vom Handelshaus CMC Markets. An den Börsen warteten viele Investoren auch auf eine europäische Strategie zur Eindämmung der Auswirkungen des Virus, nachdem sich die Staats- und Regierungschefs bislang auf keinen konkreten Plan geeinigt hätten, sagte Stratege Pierre Veyret vom Handelshaus ActivTrades. Solange werde es volatil bleiben.

Das sieht auch Aktienstratege Manfred Bucher von der Landesbank BayernLB so. Er  rechnet mit anhaltend hohen Kursausschlägen. Kurzfristige "Befreiungsrallys" wie zuletzt seien möglich, dürften aber noch keine Trendwende markieren. Bucher sieht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die weltweit wichtigsten Aktienindizes "erneute Rückschläge erleiden und dabei auch ihre bisherigen Tiefststände testen sowie gegebenenfalls auch temporär unterschreiten."

Federal Reserve in Washington

Federal Reserve in Washington. | Bildquelle: Imago

Aktuell "maximaler Pessimismus"

Die beherzten Reaktionen von Notenbanken und Regierungen weltweit hätten den Börsen bereits eine kräftige Erholung beschert, schrieb Aktienstratege Frank Klump von der Landesbank Baden-Württemberg. Inwieweit aber "dies bereits die Wende zum Besseren bedeutet oder lediglich eine Rally im Bärenmarkt ist, lässt sich schwerlich beantworten - nicht zuletzt wegen des kaum prognostizierbaren Pandemie-Verlaufs".

Der aktuelle "maximale Pessimismus" der Anleger könnte aber auch den Ausgangspunkt für eine massive Börsenrally bilden, geben die Experten von der Bank of America zu bedenken.

"Den Kampf aufgenommen"

Etwas optimistischer äußerte sich auch Analyst Ulf Kraus von der Landesbank Helaba. Neben vielen alarmierenden Meldungen etwa von der Konjunktur habe es zuletzt auch positive Entwicklungen gegeben. So hätten die 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer den koordinierten Kampf gegen den Virus aufgenommen. Zudem wollten die USA und China stärker zusammenarbeiten und die Handelsstreitigkeiten hinter sich lassen.

Christine Lagarde

Christine Lagarde, EZB-Chefin: "Den Kampf aufgenommen" . | Bildquelle: boerse.ARD.de

"Was wirklich einen Unterschied machen wird, ist ein größeres Gefühl der internationalen Zusammenarbeit bei der Verfolgung und Eindämmung der Krankheit sowie eine koordinierte längerfristige Unterstützung der G-20 für eine Handels- und Investitionsagenda, die die Erholung unterstützt",  kommentiert Christopher Smart, Chefstratege und Leiter des Barings Investment Institute.

Konjunkturaussichten trüber als trüb

In den kommenden Tagen werden die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie natürlich ängstlich betrachtet werden.  Der Blick der Anleger richte sich vor allem auf die US-Beschäftigtenzahlen, sagte Thomas Gitzel, Chef-Volkswirt der VP Bank. Der jüngste dramatische Anstieg der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe deute darauf hin, dass die Entlassungswelle in den USA bereits in vollem Gang sei.

Jobsuchende in New York

USA: "Entlassungswelle in vollem Gange". | Quelle: picture-alliance/dpa

Das volle Ausmaß der Entlassungen werde aber wohl erst im kommenden Monat offensichtlich, sagt Ian Lyngen, leitender Anlagestratege der Investmentbank BMO.

Auch diesseits des Atlantik sind die Aussichten trübe: Nach dem Einbruch des Ifo-Index, der die Stimmung in den deutschen Chef-Etagen widerspiegelt, rechnen Experten mit einem ähnlich starken Rückgang des europäischen Geschäftsklima-Index am Montag. Außerdem stehen im Verlauf der neuen Woche die Barometer für die Laune der deutschen und europäischen Einkaufsmanager auf dem Terminplan.

ts/dpa/rtr