Cybersecurity

Kevin Spacey

IPO in der Schweiz Wisekey: Schöner scheitern mit Kevin Spacey

Stand: 01.04.2016, 11:31 Uhr

So hat sich Hollywood-Star Kevin Spacey sein Börsendebüt sicherlich nicht vorgestellt. Als Investor der Schweizer Cybersecurity-Firma Wisekey musste er einen katastrophalen Börsenstart miterleben.

Ein Scheitern mit Ansage – denn nicht nur der Eröffnungskurs lässt bei Wisekey zu wünschen übrig. Auch in Sachen Transparenz und Informationspolitik scheint das Unternehmen noch nicht in der ersten Börsenliga angekommen.

Aus A wird B

An die Züricher Börse gebracht wurden am Donnerstag die B-Aktien der Wisekey International Holding – dem neuen Dach der Wisekey-Gruppe. Alt-Aktionären der Wisekey SA und im Besitz der A-Aktien wurde im Vorfeld des Börsengangs ein Tauschangebot gemacht - mehr als 90 Prozent haben es angenommen. Bis hierhin ist das Vorgehen zwar selten, aber nicht ungewöhnlich. Spannender wird es bei der Veröffentlichung der Geschäftszahlen.

Wertpapierprospekt auf den letzten Drücker

Denn das eigentliche Wertpapierprospekt wurde erst Laufe des Vormittags des gestrigen ersten Handelstages veröffentlicht. Wer also auf das Tauschangebot eingegangen ist, hat die berühmte Katze im Sack gekauft – aber immerhin inklusive des Hollywood-Faktors Kevin Spacey.

Tiefrot am Genfer See

Der konnte aber auch nichts daran ändern, dass die erst am Tag des Börsengangs vorgelegten Geschäftszahlen tiefrot ausgefallen waren. Schlimmer noch: Bereits in den vergangenen Jahren hat das Genfer Unternehmen, das sich auf Sicherheitszertifikate für Uhren und andere Wertgegenstände spezialisiert hat, Verluste gemacht. Mit zunehmender Dynamik: Der Umsatz für die A-Aktien Firma Wisekey SA wird laut Wertpapierprospekt 2014 auf 3,465 Millionen Dollar beziffert – fast 40 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Unterm Strich stand 2014 ein Minus von mehr als 32 Millionen Dollar. Auch die Zahlen für das erste Halbjahr 2015 bereiten den Aktionären wenig Freude: Der Umsatz sank um mehr als sechs Prozent, der Betriebsverlust war in den ersten sechs Monaten auf mehr als fünf Millionen Dollar angewachsen.

Wenig vertrauenserweckend ist auch, dass von diesem Umsatz fast 90 Prozent mit nur einem Kunden erwirtschaftet wurden, nämlich dem Uhrenhersteller Hublot. Von einer intensiven Geschäftsbeziehung könnte man sprechen, von ausgeprägter Abhängigkeit aber auch.

Hier bewertet der Chef noch selbst

Trotz dieser wenig freundlichen Zahlen hat Wisekey-Chef Carlos Moreira den Wert der neuen A-Aktien im Vorfeld des Börsenganges auf 15 Franken bewertet. Richtig gelesen: Der Chef selbst hat gewissermaßen bewertet. Denn im Vorfeld des Börsengangs gab es keinen gewöhnlichen Ausgabepreis, sondern nur einen vom Unternehmen selbst bezifferten Referenzpreis.

Dieses ungewöhnliche und intransparente Vorgehen hat sich gerächt: Kam zur Börseneröffnung noch ein Kurs von 12 Franken zustande, stürzte dieser nach Bekanntgabe der genannten Zahlen tief ab – im außerbörslichen Handel nach Börsenschluss des ersten Handelstages wurde die Wisekey-A-Aktie nur noch mit 5,80 Franken gehandelt – ein Minus von nicht weniger als 62 Prozent! Aus den erhofften 320 Millionen Franken Börsenwert wurden so nur 130 Millionen Franken. Und auch am Freitag ging es noch einmal um mehr als sechs Prozent abwärts.