Wirecard-Schriftzug

Trotz Insolvenz Wirecard-Vorstand will Geschäft fortführen

Stand: 28.06.2020, 12:38 Uhr

Die Aktie ist auf einen Euro gefallen, Kunden ziehen sich zurück. Doch der Vorstand des ums Überleben kämpfenden Zahlungsabwicklers Wirecard setzt auf eine Fortführung des Geschäfts.

"Der Vorstand ist der Meinung, dass eine Fortführung im besten Interesse der Gläubiger ist", teilte das Unternehmen am Samstag mit. Der Vorstand hatte für die Wirecard AG am vergangenen Donnerstag einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt.

Die Prüfung, ob das Insolvenzverfahren eröffnet wird, dauert nach Angaben des Unternehmens an. Der Geschäftsbetrieb der Konzerngesellschaften inklusive der lizenzierten Einheiten werde aktuell fortgesetzt, hieß es weiter. Es werde laufend geprüft, ob auch Insolvenzanträge für Tochtergesellschaften der Wirecard Gruppe gestellt werden müssen.

Zahlungsverkehr der Wirecard Bank geht weiter

Konzerngesellschaften mit Ausnahme einer kleinen Entwicklungsniederlassung hätten derzeit keine Insolvenzanträge gestellt. Die Wirecard Bank sei aktuell nicht Teil des Insolvenzverfahrens, der Zahlungsverkehr der Wirecard Bank sei nicht betroffen. Auszahlungen an Händler der Wirecard Bank würden weiterhin ohne Einschränkungen ausgeführt.

Man stehe zudem "im stetigen Austausch mit den Kreditkartenorganisationen". Die Wirecard Card Solutions Limited mit Sitz in Newcastle habe aufgrund einer Anordnung der zuständigen Aufsichtsbehörde (Financial Conduct Authority) "ihre Geschäfte unterbrochen", hieß es weiter.

Vorstand will den Betrieb fortsetzen

Wirecard hofft aber, den Betrieb fortsetzen zu können. Dazu seien mit den Behörden Maßnahmen diskutiert. Wirecard wickelt als Zahlungsdienstleister die bargeldlosen Geldflüsse zwischen Händlern auf der einen und Banken sowie Kreditkartenfirmen auf der anderen Seite ab.

Auslöser für den Insolvenzantrag war das Eingeständnis mutmaßlicher Luftbuchungen in Höhe von 1,9 Milliarden Euro - nun droht die Zahlungsunfähigkeit. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY, die den Jahresabschluss 2019 prüfte, geht von Betrug in internationalem Maßstab aus.

Michael Jaffé ist Insolvenzverwalter

Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Ex-Vorstandschef Markus Braun und weitere ehemalige und aktive Spitzenmanager. Derweil hat das Münchner Amtsgericht den Anwalt Michael Jaffé als vorläufigen Insolvenzverwalter eingesetzt, der nun zunächst die Überlebensfähigkeit des Unternehmens einschätzen muss.

lg/dpa