Markus Braun, CEO Wirecard

Schadensersatz gefordert Wirecard verklagt "Financial Times"

Stand: 28.03.2019, 15:59 Uhr

Die Drohung stand schon lange im Raum. Nun macht Wirecard tatsächlich Ernst und reicht gegen die britische Zeitung "Financial Times" Klage ein.

"Wir haben eine Feststellungsklage wegen Nutzung und unrichtiger Darstellung von Geschäftsgeheimnissen gegen die 'FT' und Dan McCrum beim Landgericht München eingereicht", sagte eine Wirecard-Sprecherin am Donnerstag in Aschheim. Wirecard wolle damit eine Unterlassung der Behauptungen der Zeitung und Schadenersatz erreichen.

McCrum ist der Autor der Berichte, in denen dem Zahlungsdienstleister aus Aschheim bei München schwere Vorwürfe gemacht wurden: Mitarbeiter eines Tochterunternehmens der Wirecard AG in Singapur sollen Bilanzen manipuliert und Umsätze fingiert haben.

Aktie abgestürzt

Die Berichte hatten die Aktie von Wirecard dramatisch abstürzen lassen. In der Folge hatte die deutsche Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) in einem spektakulären Präzedenzfall am 18. Februar ein Leerverkaufsverbot für die Wirecard-Aktie verhängt.

Wirecard: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Der Wirecard-Vorstand hatte den Berichten der "FT" mehrfach wütend widersprochen und von "Diffamierung" gesprochen. Die Münchner Staatsanwaltschaft und die Finanzaufsicht BaFin prüfen in diesem Zusammenhang, ob es illegale Kursmanipulationen durch Spekulanten gab. Die Singapurer Kanzlei Rajah & Tann hatte die in der Zeitung erhobenen Vorwürfe im Auftrag des Unternehmens untersucht.

Fall noch nicht abgeschlossen

Dem Bericht der Kanzlei zufolge gab es nach Darstellung von Wirecard zwar Verstöße von Wirecard-Mitarbeitern in Singapur gegen Buchungsvorschriften, nicht aber Scheinumsätze mit verschobenen Geldern oder Bestechung. Wie Wirecard weiter mitteilte, ergaben sich laut Zusammenfassung des Untersuchungsberichts keine Hinweise auf Gesetzesverstöße in der deutschen Konzernzentrale.

Einige Wirecard-Mitarbeiter in dem südostasiatischen Stadtstaat könnten laut Rajah & Tann aber gegen das Singapurer Strafrecht verstoßen haben. Das Unternehmen überlegt nun mögliche Konsequenzen für die Betreffenden: "Wir prüfen dies gerade sorgfältig", sagte eine Sprecherin.

dpa/rtr