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Bargeldlos im Reich der Mitte Wirecard und die China-Connection

Stand: 06.09.2018, 06:45 Uhr

Der Dax-Aufsteiger hat sich im Billionen-Markt des bargeldlosen Bezahlens bereits ein Türchen nach China geöffnet. Chinesische Touristen können die Dienste des deutschen Konzerns auf Auslandsreisen nutzen, und sie tun das ausgiebig.

Mitte August hat Wirecard einen Fuß in die Tür in den chinesischen Bezahlmarkt bekommen. Allerdings nicht in China selbst, sondern in Deutschland. Wirecard und der internationale Flughafen-Shop-Betreiber Heinemann haben eine Kooperation bekannt gegeben, durch die chinesische Touristen über eine Schnittstelle im Kassensystem des Handelshauses künftig in Deutschland und an zwölf weiteren Flughäfen in Europa mit ihren gewohnten Bezahlverfahren einkaufen. Die Reisenden können dann, wie zuhause, über Apps von Alipay oder WeChat ihre Waren bezahlt, per Smartphone und in Sekundenschnelle.

40.000 Euro per Smartphone-Shopping

Chinesische Touristen geben im Schnitt mehr als 3.000 Euro für Einkäufe auf ihren Reisen aus. Besonders Luxuswaren wie Designer-Handtaschen, Schuhe und Bekleidung, aber auch Drogerie-Produkte oder Haushaltsmarkenwaren landen in den Einkaufskörben. Das durchschnittliche Transaktionsvolumen bei einzelnen Händlern, die Alipay via Wirecard anbieten, liegt laut Wirecard bei gut 750 Euro. Die bislang höchste Einzeltransaktion, die über diese Bezahlmethode getätigt wurde, beträgt gut 40.000 Euro.

Wirecard integriert derzeit chinesische Bezahlmethoden wie Alipay in Ländern in ganz Europa. Dazu gehören zum Beispiel Geschäfte von The Body Shop in Großbritannien, Swarovski in Österreich oder Rossmann in Deutschland.

Bargeldloses China

In China ist die Ära des bargeldlosen Bezahlens längst angebrochen, das Land hat laut Experten dabei die Phase des Bezahlens per Kreditkarte praktisch "übersprungen". Selbst an Kiosken zahlen mehr als 80 Prozent der Kunden bargeldlos“. Niedrige Gebühren sorgen dafür, dass auch Ladenbesitzer schnell auf diese Methode umgeschaltet haben. Auf 1.000 Yuan Einnahmen wird ein Yuan an Gebühren fällig. Die chinesische Regierung erlaubt seit 2015 auch, Wasser-, Strom-, Gasrechnungen mit dem Smartphone zu bezahlen. Seit kurzem werden auch U-Bahn-Fahrten per Handy abgerechnet. Selbst Bettler lassen sich Almosen bereits per Smartphone überweisen.

In vielen Restaurants oder Geschäften wird der Renminbi, das "Volksgeld" nur noch widerwillig akzeptiert. Offiziell hat die Zentralbank kürzlich noch einmal betont, dass der Renminbi weiterhin gesetzliches Zahlungsmittel ist und weiter angenommen werden muss. Die Realität sieht aber anders aus.

Alipay und WeChat dominieren den Markt

Den Bezahlmarkt in dem Riesenland teilen sich im wesentlichen Alipay und WeChat auf. 80 Prozent der Milliarden-Umsätze entfallen auf die beiden Großen, die jeder rund eine halbe Milliarde Kunden zählen. Alipay ist Teil von Ant Financial und gehört dem Internethändler Alibaba. WeChat-Pay ist Tochter des Internetriesen Tencent.

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Wie stark die Macht der chinesischen Konzerne im eigenen Land ist, musste zuletzt auch iPhone-Hersteller Apple eingestehen. In den Apple Stores in China kann nun auch über Alipay und nicht nur Apple Pay bezahlt werden. Die chinesische Apple-Website, iTunes und der App Store akzeptieren das System schon länger. Laut der Nachrichtenagentur Reuters hat Apple dem Deal zugestimmt, um in China weiter wachsen zu können. 41 Apple Stores gibt es in dem Land.

Ob Wirecard derzeit seine Bezahldienstleistungen auch innerhalb Chinas einsetzen kann, ist derzeit noch Zukunftsmusik. Die Kooperation mit Alipay und WeChat für Touristen im europäischen Ausland könnte aber ein wichtiger Schritt in diese Richtung sein.

AB