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Hauptversammlung Wirecard: Aktionäre fordern mehr Offenheit

Stand: 18.06.2019, 14:47 Uhr

Nach wiederholten Kursstürzen bei der Aktie des Zahlungsdienstleisters Wirecard haben die Aktionäre auf der heutigen Hauptversammlung mehr Transparenz und eine bessere Kommunikation gefordert. Firmenchef Braun besänftigt mit guten Geschäftsaussichten.

So steuert der Zahlungsdienstleister auf ein absolutes Rekordhalbjahr zu. Auch habe das Auf und Ab des Aktienkurses in den vergangenen Monaten das operative Geschäft "in keinster Weise" beeinflusst, versicherte Markus Braun den 1.500 zur Hauptversammlung in München gekommenen Aktionären.

Markus Braun, CEO Wirecard

Markus Braun. | Bildquelle: picture alliance/Peter Kneffel/dpa

Die forderten unter Beifall der Anwesenden mehr Erklärungen und eine bessere Kommunikation von Konzernleitung. "Mein Vorwurf ist die fehlende Transparenz", sagte Daniela Bergdolt vom Aktionärsverein Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). "Sie müssen informieren, sie müssen eine unabhängige Prüfung einleiten und die Ergebnisse veröffentlichen."

"Deutlich proaktiver gestalten"

Auch große Investoren sparten nicht mit Kritik. Die Kommunikationspolitik müsse "deutlich, deutlich proaktiver gestaltet werden", forderte Nicolas Huber von der Investmentgesellschaft DWS, einer Tochter der Deutschen Bank. Die Aktien des Technologieunternehmens aus dem Münchner Vorort Aschheim waren in den vergangenen Monaten nach Berichten um Unregelmäßigkeiten in der Rechnungslegung einer Tochtergesellschaft in Singapur deutlich unter Druck geraten.

Sowohl die Finanzaufsicht BaFin als auch die Münchner Staatsanwaltschaft gehen dabei auch von Attacken durch Spekulanten aus. Zeitweise hatten die Wirecard-Papiere im Frühjahr innerhalb weniger Tage an der Frankfurter Börse rund die Hälfte ihres Werts verloren. Braun konterte mit der Aussage: "Ich darf hier ja nichts empfehlen. Aber grundsätzlich sind volatile Situationen ja gute Einstiegspunkte."

Wirecard hatte nach eingehender Prüfung Fehler in der Buchhaltung einräumen müssen, wenn auch in geringerem Umfang als durch die Wirtschaftszeitung "Financial Times" in ihren Berichten suggeriert. Braun sprach am Dienstag erneut von "Qualitätsmängeln", es habe keine schwerwiegenden Verstöße gegen rechtliche Vorgaben gegeben.

Ungewöhnliche Machtfülle

Auch die Deka Investment-Gesellschaft der Sparkassen rügte das Management. "Wirecard wird immer noch geführt wie ein Start-up", sagte Deka-Vertreter Ingo Speich. Das sei für ein Dax-Unternehmen aber "völlig unangemessen". Wirecard-Gründer und Vorstandschef Braun habe eine Machtkonzentration wie bei keinem anderen Dax-Unternehmen und solle "Teile seiner Macht" abgeben. Braun ist mit rund sieben Prozent auch größter Aktionär des Konzerns. Die Expertise des Unternehmens bei Risikomanagement, Compliance und Recht müsse zudem "dringend" ausgebaut werden, sagte Speich.

Wegen der guten Geschäftsaussichten legt der Kurs am Dienstag kräftig zu. Damit nähert sich der Dax-Titel wieder seinem Ende Januar bei 167 Euro erreichten Jahreshoch. Von dem im September 2018 erklommenen Rekord von 197,60 Euro ist das Papier allerdings noch knapp 30 Prozent entfernt.

lg/dpa/rtr