Wirecard-Firmensitz in Aschheim

Aktie nach FT-Bericht zeitweise über 20 Prozent im Minus Kurssturz bei Wirecard

Stand: 30.01.2019, 18:09 Uhr

Ein Bericht der "Financial Times" über verdächtige Geschäftspraktiken hat die Titel des Zahlungsdienstleisters am Mittwoch auf eine rasante Talfahrt geschickt. Zuvor hatte Wirecard seine Quartalszahlen bekanntgegeben.

Die Wirecard-Aktien brachen am Nachmittag schlagartig um rund 21 Prozent und damit zwischenzeitlich mehr als ein Fünftel ein. Händler verwiesen zur Begründung auf einen kritischen Bericht in der Online-Ausgabe der "Financial Times" über den Zahlungsabwickler. Demnach habe ein hochrangiger Manager in Singapur im vergangenen Jahr womöglich Verträge gefälscht und Geldwäsche betrieben. Die Zeitung bezog sich in ihrer Online-Ausgabe am Mittwoch auf eine von ihr eingesehene interne Präsentation, die sich mit zweifelhaften Geldströmen beschäftigt haben soll.

Das Unternehmen dementierte das angebliche Fehlverhalten und halte den Artikel für "völlig substanzlos", sagte eine Wirecard-Sprecherin. Der Konzern aus Aschheim bei München nehme alle Vorgaben zur Einhaltung von Gesetzen sehr ernst.

Nicht der erste Verdacht

Wirecard wurde schon des öfteren mit fragwürdigen Geschäftspraktiken in Verbindung gebracht, nachgewiesen wurde dem Unternehmen jedoch bisher nie etwas. Aufsehen erregte vor allem ein im Februar 2016 lanciertes Papier eines selbsternannten Researchdienstes namens "Zatarra", das vor Vorwürfen rund um fragwürdige Geschäftspraktiken nur so wimmelte.

Bekannt gemacht hatte das Papier unter anderem ein Finanzblog der "Financial Times". Hinter dem "Zatarra"-Bericht steckte nach Ansicht von Experten damals eine Attacke sogenannter Short Seller, die mit fallenden Aktienkursen Geld verdienen.

Kursverluste etwas eingedämmt

Wirecard: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
129,00
Differenz relativ
-3,73%

Bis zum Xetra-Schluss dämmte der Dax-Titel den Verlust auf 13,3 Prozent ein. Bis zum Vormittag hatte das Papier lediglich drei Prozent verloren. Diese Verluste stuften Händler eher als eine Reaktion auf die zuletzt deutlichen Kursgewinne als auf die überraschend vorgelegten Quartalszahlen ein. Diese hätten im Rahmen der Erwartungen gelegen.

Die Aktie des Zahlungsdienstleisters hatte bis dato in diesem Jahr bereits um 26 Prozent zugelegt. Seit dem Zwischentief im vergangenen November infolge der Schwäche von Techwerten weltweit und der ersten Neusortierung seitens der Investoren nach dem Dax-Aufstieg Wirecards im September summiert sich das Plus sogar auf fast 35 Prozent. Von dem Höchstkurs kurz vor dem Aufstieg in den Dax in Höhe von 199 Euro ist das Papier aber noch weit entfernt.

Zweistelliges Wachstum

Im Schlussquartal hat Wirecard Umsatz und Gewinn zweistellig gesteigert. Der vorläufige konsolidierte Umsatz kletterte um 36 Prozent auf 637,5 Millionen Euro. Das Ebitda stieg vorläufigen Zahlen zufolge um rund 37 Prozent auf 172,9 Millionen Euro. Analysten hatten im Mittel in etwa mit diesen Werten gerechnet.

Der Vorstand bestätigte sein Ziel, im laufenden Geschäftsjahr beim Ebitda zwischen 740 Millionen und 800 Millionen Euro zu landen. 2018 sprang das Ebitda des Dax-Konzerns aus Aschheim bei München um 38 Prozent auf 568,3 Millionen Euro. Die detaillierten Ergebnisse legt Wirecard am 4. April vor.

Goldman etwas pessimistischer

Die US-Investmentbank Goldman Sachs hatte am Montag das Kursziel für Wirecard von 250 auf 230 Euro gesenkt, die Aktie des Zahlungsabwicklers aber auf der "Conviction Buy List" belassen. Das neue Kursziel basiere auf seinen Schätzungen für 2020, schrieb Analyst Mohammed Moawalla in einer am Montag vorliegenden Studie. Das Papier zählt im europäischen Technologiesektor aber zu seinen "Top Picks".

Die Analysten der Baader Bank gehen davon aus, dass der Zahlungsabwickler auf Wachstumskurs bleiben wird. Das einzige Haar in der Suppe ist die aus ihrer Sicht schwächere Marge im vierten Quartal.

lg/tb