Wulf Matthias, Aufsichtsratschef von Wirecard

Aktie an der Dax-Spitze Wirecard: Anleger freuen sich über Sonderprüfung

Stand: 21.10.2019, 12:15 Uhr

Der Zahlungsdienstleister Wirecard will die Vorwürfe der "FT" rund um seine Bilanzierungspraktiken mit einer externen Sonderprüfung endgültig ausräumen: Der Konzern beauftragt die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG mit einer unabhängigen Untersuchung.

Die Aktien von Wirecard legen um mehr als sieben Prozent zu und belegen im Dax den ersten Platz. Vorstand und Aufsichtsrat hätten sich entschlossen, die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG mit einer unabhängigen Untersuchung zu beauftragen, teilte der Dax-Konzern mit.

Damit sollen den Angaben zufolge alle Vorwürfe, die von der britischen Zeitung "Financial Times" ("FT") aufgebracht wurden, umfassend und unabhängig aufgeklärt werden. Über das Wochenende hatte es Verwirrung darum gegeben, ob sich das Unternehmen zu einem solchen Schritt durchringt.

Wirecard: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr
Kurs
121,95
Differenz relativ
+0,95%

Prüfung soll alle weiteren Spekulationen endgültig beenden

KPMG werde zu gegebener Zeit einen Untersuchungsbericht vorlegen und sei allein dem Aufsichtsrat gegenüber verpflichtet. Die Prüfer hätten uneingeschränkten Zugang zu allen Informationen auf allen Konzernebenen. Das Ergebnis des Berichts werde veröffentlicht, hieß es. "Wir haben vollstes Vertrauen in die bisherigen Prüfungshandlungen und deren Ergebnisse", sagte Aufsichtsratschef Wulf Matthias. Regulärer Prüfer der Konzernbilanzen ist EY.

"Wir gehen davon aus, dass die erneute unabhängige Prüfung dazu führt, alle weiteren Spekulationen endgültig zu beenden", sagte Matthias. Vorstandschef Markus Braun zeigte sich überzeugt, dass durch die Untersuchung das Vertrauen in das Geschäft gestärkt werde.

Das Vertrauen der Investoren dürfte damit steigen, schrieb JPMorgan-Analyst Sandeep Deshpande. "Wirecard war in dieser Angelegenheit bislang in einer defensiven Position und hatte die Anschuldigungen der "FT" nur von sich gewiesen. Nun aber legt das Unternehmen den Hebel um", fügte Baader-Bank-Experte Knut Woller an. Hier finden Sie weitere Meinungen zur Wirecard-Aktie.

Bafin: Kein neues Leerverkaufs-Verbot

Seit geraumer Zeit veröffentlicht die "FT" kritische Berichte rund um den deutschen Finanzkonzern, die den Aktienkurs immer wieder belasten. Im Zuge von Untersuchungen musste Wirecard im Frühjahr einräumen, dass einige Geschäfte in Singapur falsch verbucht wurden, aber in deutlich geringerem Umfang als von der Zeitung suggeriert. Systematische Luftbuchungen schließt das Unternehmen aus.

Der Fall beschäftigt weiter die Behörden. In Deutschland gehen Staatsanwaltschaft München und Finanzaufsicht Bafin dem Verdacht unerlaubter Marktmanipulation durch Spekulanten nach, die mit schlechten Nachrichten die Aktie unter Druck bringen und daran mittels sogenannter Leerverkäufe verdienen wollen. Wirecard war in vergangenen Jahren des öfteren Opfer solcher Angriffe geworden. Die Bafin verbot zeitweise sogar neue Leerverkäufe mit der Wirecard-Aktie.

Markus Braun, CEO Wirecard

Markus Braun: "Keine Risiken für unser Geschäft". | Bildquelle: picture alliance/Peter Kneffel/dpa

Den Kursverfall am vergangenen Dienstag um zeitweise mehr als ein Fünftel untersucht die Behörde ebenfalls in Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft München. Für ein erneutes Verbot von Leerverkäufen sehe die Bafin aber keinen Grund, sagte eine Sprecherin. Das Unternehmen geht wiederum rechtlich per Strafanzeige gegen Mitarbeiter der Londoner Zeitung vor, weil sie mit Spekulanten unter einer Decke stecken sollen. Die "FT" sieht sich allerdings nach eigens in Auftrag gegebenen Untersuchungen einer Anwaltskanzlei von diesen Vorwürfen entlastet.

"Wir sehen keine Risiken für unser Geschäft", sagte Vorstandschef Braun vergangene Woche im Interview der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. "Das operative Geschäft läuft hervorragend, wir schließen einen großen Deal nach dem anderen ab", ergänzte der mit einem Anteil von 7 Prozent größte Einzelaktionär des Unternehmens.

dpa-AFX

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So beurteilen Experten die Wirecard-Aktie Stimmen

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Mainfirst hat Wirecard von "Outperform" auf "Neutral" abgestuft und das Kursziel von 220 auf 150 Euro gesenkt. Der Zahlungsabwickler habe mehrfach versucht, den Anschuldigungen seitens der Presse nachzugehen, sei aber nicht erfolgreich gewesen, die Sorgen der Investoren zu zerstreuen, schrieb Analyst Chandramouli Sriraman in seiner Studie. Seines Erachtens ist die einzige langfristige Lösung ein höheres Maß an Offenlegungen bezüglich seiner Kerngeschäftssegmente.