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Aktie wieder auf Talfahrt Ermittlungen gegen Wirecard auch in Indien

Stand: 15.03.2019, 11:54 Uhr

Die Achterbahnfahrt der Wirecard-Aktie geht weiter. Am Freitag sackt der Dax-Titel um rund neun Prozent ab. Die Strafverfolger in Singapur ermitteln auch gegen Wirecard in Indien. Zudem belastet eine Verkaufsempfehlung den Aktienkurs.

Angesichts der jüngsten Vorwürfe in diversen Presseberichten hat die Citigroup Wirecard von "Neutral" auf "Sell" abgestuft. Zudem senkte die Bank das Kursziel von 144 auf 100 Euro. Sein Blick auf Wirecard sei nun deutlich vorsichtiger geworden, schreibt Analyst Josh Levin in einer Studie am Freitag.

Wirecard: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
105,15
Differenz relativ
-0,43%

Er geht davon aus, dass der Markt angesichts der Unsicherheit im Zusammenhang mit den Vorwürfen die im Business-Modell immanenten Risiken nun höher einkalkuliert. Deswegen stufte er die Aktie jetzt ab. Auch wenn die Dementis von Wirecard gegen die angeblichen Bilanzunregelmäßigkeiten in Teilen des Asien-Geschäfts "robust" gewesen seien, scheint eine zeitnahe Lösung nicht in Sicht.

In mehreren Artikeln hat die "Financial Times" Wirecard angebliche Bilanzmanipulationen und fingierte Umsätze bei den Asien-Töchtern vorgeworfen. Mitarbeiter sollen laut "FT" Bilanzen geschönt und Verträge gefälscht haben.

Strafverfolger untersuchen Indien-Sparte

Die Behörden in Singapur ermitteln seither wegen der in der "FT" publizierten Vorwürfe. Das Strafverfolger haben inzwischen auch das Indien-Geschäft von Wirecard ins Visier genommen, wie das "Handelsblatt" unter Berufung auf die Gerichtsdokumente berichtet. Ermittelt werde gegen Wirecard-Mitarbeiter und mehrere Gesellschaften des Konzerns wegen möglicher strafbarer Handlungen, unter anderem Geldwäsche und Dokumentenfälschung.

Die Inhalte bezüglich der indischen Transaktion "sind nicht neu und wurden bereits mehrfach auch durch externe Prüfungen widerlegt", kommentierte Wirecard den Artikel. "Auch soweit die jetzige Untersuchung in Singapur Transaktionen in Indien betrifft, können wir noch einmal bestätigen, dass die interne Untersuchung alle Vorwürfe entkräftet hat."

Aktie am Dax-Ende

Das beruhigt die Anleger nicht. Im Gegenteil. Die Aktie von Wirecard fällt am Freitagvormittag um fast neun Prozent auf 104 Euro und ziert das Dax-Ende. Seit Ende Januar ist das Papier um gut 37 Prozent eingebrochen. Um "das Vertrauen in einen funktionsfähigen Markt zu schützen", hat die BaFin Mitte Februar neue Leerverkäufe auf Wirecard bis 18. April verboten.

Mit Spannung warten Anleger nun auf den Schlussbericht der Anwaltskanzlei Rajah & Tann aus Singapur über die Vorgänge bei Wirecard in Asien. Er soll in wenigen Tagen vorgelegt werden. Anfang Februar hatte R&T mitgeteilt, man habe kein kriminelles Verhalten von Mitarbeitern oder Vorständen des Konzerns feststellen können. Im Mai 2018 hatte ein erster Bericht der Anwaltskanzlei allerdings noch auf mögliche erhebliche Misstände bei Wirecard hingedeutet. Die "FT" schlachtete den damaligen vorläufigen Bericht und anderes brisantes Material aus.

nb