Wirecard

Reicht das? Wirecard: Noch kein Ergebnis der Sonderprüfung

Stand: 14.02.2020, 14:31 Uhr

Was sind die sehr guten Jahreszahlen des Zahlungsabwicklers Wirecard wirklich wert? Das wird auch heute ungeklärt bleiben, denn es gibt noch keine Ergebnisse der Sonderprüfung.

Laut dem Zahlenwerk hat Wirecard trotz der Turbulenzen wegen Vorwürfen um die Bilanzierung seinen Umsatz im vergangenen Jahr überraschend deutlich gesteigert. Der Erlös kletterte dank des Booms bei elektronischen Zahlungen um 38 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro, wie Wirecard auf Basis vorläufiger Zahlen mitteilte. Analysten hatten im Schnitt mit 2,72 Milliarden Euro gerechnet.

"Es ist vor allem ein sehr deutlicher Beleg für die nachhaltige Ertragsstärke unseres Geschäftsmodells", sagte Vorstandschef Markus Braun laut Mitteilung. "Digitale Zahlungsvorgänge haben in einigen Ländern die Bargeldzahlung bereits überholt. Unsere strukturellen Wachstumstreiber offenbaren ein erhebliches Potential und sind somit auch ein Ausblick auf Wirecards Zukunft."

Wirecard: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg im Gesamtjahr um rund 40 Prozent auf 785 Millionen Euro. Analysten hatten hier mit einem Wert von 793,8 Millionen Euro gerechnet. Bereinigt um Sonderaufwendungen für Prüfungs- und Beratungs- sowie Rechtsberatungsleistungen wuchs das operative Ergebnis um 42 Prozent auf 794 Millionen Euro. Die Prognose für 2020 bestätigte das Unternehmen aus Aschheim bei München. So soll das Ebitda zwischen 1,0 und 1,12 Milliarden Euro erreichen. Mit dem bereinigten Ergebnis traf Wirecard also die Schätzungen von Analysten.

Warten auf die Sonderprüfung

Die Sonderprüfung durch die Experten von KPMG, um Vorwürfe rund um die Unregelmäßigkeiten bei der Bilanzierung auszuräumen, stehe im Moment klar im Fokus, sagte ein Marktteilnehmer. Dazu habe es nichts Neues gegeben. Damit sei zwar zu rechnen gewesen, aber so bleibe bis zum Abschluss der Prüfung weiter Unsicherheit. Der Konzern hat in Aussicht gestellt, dass es zum Ende des ersten Quartals so weit sein könnte.

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Somit bremst das fehlende Ergebnis der Sonderprüfung den beeindruckenden Aufschwung der Wirecard-Aktie. Seit Jahresbeginn hat das Papier um rund ein Drittel zugelegt und gehört damit zu den stärksten Werten im Dax. Die Wirecard-Aktie verlor während des Xetra-Handels bis zu drei Prozent auf 139,55 Euro.

"Wiwo" berichtet kritisch

Auch ein kritischer Bericht der "Wirtschaftswoche" zu Wirecard dürfte die Aktie belasten. Das Fazit: "Der Nebel lichtet sich nicht. Daran dürfte auch ein Sondergutachten des Wirtschaftsprüfers KPMG nichts ändern, auf das Aktionäre ungeduldig warten. Zu viel passt bei dem Dax-Konzern nicht zusammen, zu groß ist die Zahl offener Fragen. Vorstandschef Markus Braun hat noch lange nicht alle beantwortet."

Interessant dürfte die Reaktion der Leerverkäufer auf das Zahlenwerk werden. Ein Blick in den elektronischen Bundesanzeiger macht deutlich, dass zuletzt vier verschiedene Marktteilnehmer zusammen genommen noch 3,59 Prozent der Wirecard-Aktien leerverkauft hatten. Leerverkäufe müssen ab einem Anteil von 0,5 Prozent im Bundesanzeiger veröffentlicht werden. Sollte die Wirecard-Aktie ihren Aufwärtstrend doch wieder aufnehmen, drohen den Leerverkäufern neue empfindliche Kursverluste.

ME/dpa