Knäuel aus Wirecard-Bänder

Bisher keine Hinweise auf Manipulation Wirecard: Prüfbericht kommt nächste Woche

Stand: 23.04.2020, 16:24 Uhr

Zwar haben die Wirtschaftsprüfer von KPMG bisher keine Hinweise auf Manipulationen bei Wirecard gefunden, doch die Sonderprüfung dauert an. Ergebnisse sollen erst kommende Woche veröffentlicht werden, wenige Tage vor der Präsentation der Jahresbilanz.

Wie der Zahlungsdienstleister am Mittwochabend mitteilte, will die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG die Ergebnisse der Sonderuntersuchung am kommenden Montag übermitteln. Sie sollen auf der Homepage von Wirecard zugänglich gemacht werden.

Bislang hätten sich in allen vier Prüfbereichen - dem Dritt-Partnergeschäft, der Sparte Merchant Cash Advance sowie bei den Töchtern in Indien und Singapur - keine "substanziellen Feststellungen" ergeben, die eine Korrektur der Jahresabschlüsse 2016, 2017 und 2018 notwendig machten, erklärte Wirecard. Keinerlei Belege gab es demnach für die öffentlich erhobenen Vorwürfe der Bilanzmanipulation.

Offenbar zahlreiche negative Feststellungen

Das "Handelsblatt" berichtet unter Berufung auf Insider, dass Wirecard mit KPMG auch um die Schärfe von Formulierungen in dem Prüfbericht ringt. Zwar gebe es bei den wichtigsten – bilanzwirksamen – Punkten Entlastung, etwa dem Vorwurf des sogenannten Roundtripping, der Erfindung von Umsätzen. Dennoch hätten die Prüfer zahlreiche negative Feststellungen etwa zur Compliance und den internen Prozessen getroffen, so die Zeitung.

Nun gehe es um die Frage, wie gravierend die entsprechenden Rügen im Prüfbericht ausfielen. Die KPMG-Prüfer formulierten deutlich negativer als gedacht, zitiert das "Handelsblatt" Konzernkreise. Die entsprechenden Gespräche hielten an.

Auch BaFin und Staatsanwaltschaft involviert

Der im Dax gelistete Zahlungsdienstleister hatte KPMG im Herbst engagiert, um die Abschlüsse zu prüfen. Wirecard wollte die Ergebnisse ursprünglich im März veröffentlichen, dann am 22. April. Der Fahrplan habe sich unter anderem wegen der Coronakrise verzögert.

In mehreren Beiträgen hatte die "Financial Times" über undurchsichtige Verträge und zweifelhafte Partner des Zahlungsabwicklers berichtet und schließlich den Verdacht erhoben, Wirecard habe Bilanzen bei Tochtergesellschaften im Ausland frisiert. Das hatte an der Börse zu Kursturbulenzen bei der Wirecard-Aktie geführt.

Das Unternehmen aus Aschheim bei München hatte die Vorwürfe wiederholt zurückgewiesen und bereits vor ein paar Wochen erste Ergebnisse der KPMG-Sonderprüfung veröffentlicht.

Der Fall Wirecard beschäftigt in Deutschland aber auch die Finanzaufsicht BaFin sowie die Münchner Staatsanwaltschaft. Dabei geht es primär um den Verdacht, dass das Unternehmen Opfer gezielter Attacken von Börsenspekulanten geworden sein könnte. Die BaFin untersucht aber auch weiterhin, ob Verantwortliche des Unternehmens möglicherweise gegen die Ad-hoc-Publizität verstoßen haben.

Bilanzvorstellung nächste Woche

Am Donnerstag kommender Woche, dem 30. April, will der Zahlungsabwickler detailliert über den Geschäftsverlauf 2019 berichten. Wirecard-Chef Markus Braun dürfte dann auch eine Einschätzung zum ersten Quartal geben, in dem die Coronakrise die Weltwirtschaft voll erwischt hat.

Der Konzern hat trotz der Pandemie die Ziele für dieses Jahr bereits bekräftigt. Zwar laufen wegen geschlossener Läden die Umsätze mit Einzelhändlern nicht so gut, dafür bestellen die Menschen mehr im Internet und zahlen online. Der kleinere, niederländische Rivale Adyen baute Umsatz und Ergebnis im ersten Quartal deutlich aus.

lg/dpa/rtr