Wirecard-Firmensitz in Aschheim

Erste Ergebnisse der Sonderprüfung Wirecard: Müssen Jahresabschlüsse nicht korrigieren

Stand: 13.03.2020, 14:47 Uhr

Der mit Spannung erwartete Prüfbericht der KPMG gibt bisher keinen Anlass für eine Korrektur der Bilanzen des Zahlungsdienstleisters Wirecard. Doch komplett abgeschlossen ist die Untersuchung noch nicht.

Weitestgehend abgeschlossen sei die Sonderuntersuchung durch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG in Bezug auf die Geschäftstätigkeit in Indien und Singapur sowie den Geschäftsbereich Merchant Cash Advance (MCA)/Digital Lending, teilte Wirecard in der Nacht zu Freitag mit. Diese Teile der Überprüfung hätten in diesen Untersuchungsgebieten "aus heutiger Sicht keine substanziellen Feststellungen ergeben", die zu Korrekturbedarf für die Jahresabschlüsse im Untersuchungszeitraum 2016, 2017 und 2018 führen würden.

Die Untersuchung des Dritt-Partnergeschäfts (TPA) dauere dagegen noch an und werde voraussichtlich bis spätestens zum 22. April abgeschlossen werden. Die Einsichtnahme in Unterlagen auch externer Gesellschaften sowie Coronavirus-bedingte Reiserestriktionen machten den verlängerten Zeitrahmen erforderlich. Der Vorstand habe beschlossen, die Veröffentlichung des Jahresabschlusses vom 8. April auf den 30. April zu verschieben.

Illegale Praktiken vorgeworfen

Wirecard: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die "Financial Times" hatte Wirecard im vergangenen Jahr in einer Serie von Berichten Scheinbuchungen und illegale Praktiken vorgeworfen. Das Gros der Vorwürfe rankt sich um die Wirecard-Tochtergesellschaft in Singapur. Dort haben sich die Ermittlungsbehörden eingeschaltet.

In Deutschland ermitteln sowohl die Finanzaufsicht BaFin als auch die Münchner Staatsanwaltschaft, aber nicht gegen Wirecard. Die Behörden gehen stattdessen dem Verdacht nach, dass das Unternehmen Opfer gezielter Attacken von Börsenspekulanten geworden sein könnte.

Aktie legt zu

Wirecard-Vorstandschef Markus Braun hatte zunächst sämtliche Vorwürfe für haltlos erklärt. Dann stellte sich bei einer internen Untersuchung allerdings heraus, dass es in Singapur doch Fehlbuchungen gegeben hatte - allerdings laut Unternehmen nicht in der Größenordnung, wie von der britischen Zeitung behauptet.

Um den Vorwurf frisierter Bilanzzahlen aus der Welt zu schaffen, hatte Wirecard vor ein paar Monaten eine Prüfung durch KPMG gestartet. Vorstandschef Markus Braun hatte bereits vor drei Wochen erklärt, dass er mit einem Freispruch durch die Wirtschaftsprüfer rechne.

Die Anleger von Wirecard haben mit Erleichterung auf die Ergebnisse der Jahresabschluss-Prüfung durch KPMG reagiert. Die Aktien des Zahlungsabwicklers waren im frühen Handel mit einem Plus von knapp 30 Prozent kurz wieder auf das Niveau vom Freitag vergangener Woche zurückgekehrt. Zuletzt notierte sie noch gut 13 Prozent höher, was aber immer noch für einen der vordersten Plätze im vom jüngsten Crash erholten Dax reicht.

Experten sprechen von positiven Ergebnissen

Experten werteten die ersten Ergebnisse der Jahresabschluss-Prüfung positiv. Die jüngsten Signale aus der KPMG-Sonderprüfung seien klar positiv für den Zahlungsabwickler, schrieb Analyst David Vignon vom Investmenthaus Bryan Garnier. Damit dürften sich die Zweifel an seiner Bilanz langsam zerstreuen lassen.

Auch das Analysehaus Kepler Cheuvreux hat die Einstufung für Wirecard auf "Buy" mit einem Kursziel von 220 Euro belassen. Dass die Beratungsfirma KPMG bislang keine Hinweise auf nötige Korrekturen der Jahresabschlüsse 2016 bis 2018 gefunden habe, sei ziemlich beruhigend für den Zahlungsabwickler. Die US-Bank JPMorgan hat die Einstufung für Wirecard auf "Neutral" mit einem Kursziel von 165 Euro belassen.

lg/rtr/dpa