Wirecard Kreditkarten

Online-Handel facht das Geschäft an Wirecard: Super-Zahlen - schwache Aktie

Stand: 06.11.2019, 14:12 Uhr

So ganz scheint die Börse dem Braten nicht zu trauen: Trotz sehr guter Quartalszahlen mit einem hohen Wachstum kommt die Wirecard-Aktie nicht in die Gänge. Offenbar sind auch Leerverkäufer am Werk.

Angetrieben vom boomenden Online-Handel berichtet Wirecard über einen Umsatzsprung um 37 Prozent auf 731,5 Millionen Euro. Das ausgewiesene Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) legte von Juli bis September um 43 Prozent auf 211,1 Millionen Euro zu. Analysten hatten jeweils mit geringeren Werten gerechnet.

Der erst seit Herbst 2018 im Dax gelistete Konzern wickelt für Einzelhändler, Flug- und Bahnkonzerne sowie Telekommunikationsfirmen auf der ganzen Welt Zahlungen ab und kassiert dafür Gebühren. Von Partnerschaften wie mit Aldi, dem chinesischen Kreditkartenanbieter Unionpay und dem japanischen Technologieinvestor Softbank erhofft sich Wirecard in den kommenden Jahren kräftiges Wachstum.

Prognose steht

Wirecard-Chef Markus Braun bestätigte die Ziele für das laufende Jahr, wonach das Ebitda zwischen 765 Millionen Euro und 815 Millionen Euro liegen soll. Laut der Prognose für das Jahr 2020 soll diese Ergebnisgröße dann auf 1,0 Milliarden bis 1,12 Milliarden Euro steigen.

Teurer als die Deutsche Bank

Wirecard: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
107,38
Differenz relativ
+4,97%

Das Unternehmen aus Aschheim bei München war erste im Jahr 1999 gegründet worden. Die Marktkapitalisierung liegt bei rund 15 Milliarden Euro und damit höher als die der Deutschen Bank. Wirecard lässt derzeit seine Bilanzen von den Wirtschaftsprüfern im Rahmen einer Sonderprüfung von KPMG durchleuchten. Damit will die Firma Vorwürfe der "Financial Times" aus der Welt schaffen, bei Töchtern im Ausland seien falsche Angaben gemacht worden. Braun geht davon aus, dass die Sonderprüfung im ersten Quartal 2020 abgeschlossen ist.

Das Analysehaus Independent Research hob seine Ergebnisprognosen nach den Zahlen an. Es bestätigte die "Halten"- Empfehlung, reduzierte aber das Kursziel von 140 auf 134 Euro. Zur Begründung wurde auf das hohe Risiko aufgrund der starken Kursschwankungen verwiesen.

Sehr viele Aktien leerverkauft

Offenbar schießen sich Leerverkäufer derzeit so richtig auf den Wert ein. Wie die "Börsen-Zeitung" berichtet, sind inzwischen 15,8 Prozent der Wirecard-Aktien ausgeliehen worden. Das Blatt beruft sich dabei auf den Finanzdienstleister IHS Markit. Aktien werden normalerweise von Leerverkäufern ausgeliehen, um diese dann der Börse zu verkaufen. Diese Marktteilnehmer spekulieren auf fallende Kurse, um die leerverkauften Aktien dann später wieder günstiger zurückkaufen zu können. Der extrem hohe Wert zeigt, wie kritisch die Wirecard-Aktie in bestimmten Anlegerkreisen gesehen wird.

Die Wirecard-Aktie rutschte im Xetra-Handel auf bis zu 119,55 Euro. Das war ein Minus von 2,4 Prozent.

ME/dpa/rtr