Knäuel aus Wirecard-Bänder

Laut Pressebericht Wirecard: Kein Testat in Singapur

Stand: 20.11.2019, 07:18 Uhr

Das Geschäftsmodell des Zahlungsdienstleisters Wirecard aus Aschheim bei München gibt auch Wirtschaftsprüfern Rätsel auf - zumindest in der Filiale Singapur.

Zumindest für die Jahresbilanz 2017 hat die Singapur-Tochter des Zahlungsdienstleisters kein Testat erhalten. Das meldet das Handelsblatt und verweist auf Dokumente im Register der singapurischen Finanzaufsicht Acra.

2017 sei das letzte geprüfte Jahr des Wirecard-Ablegers im asiatischen Stadtstaat. An der Börse sorgt der Bericht für Unruhe. Der Aktienkurs von Wirecard sackte nachbörslich auf der Handelsplattform Tradegate in einer ersten Reaktion um mehr als vier Prozent im Vergleich zum Schlussstand im Xetra-Hauptgeschäft ab. Am Morgen geht es sogar um sieben Prozent bergab.

Keine richtige Einschätzung möglich

Die Prüfer schrieben dem Bericht zufolge: "Wir können weder die Angemessenheit, Vollständigkeit und Richtigkeit des Jahresabschlusses feststellen, noch können wir den Umfang möglicher Anpassungen abschätzen, die (...) erforderlich sein könnten."

Wirecard: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
113,85
Differenz relativ
-1,13%

Die Prüfer von EY machten für die Probleme bei der Bilanzprüfung der Tochter unter anderem die Untersuchungen der Finanzaufsicht CAD zu Bilanzfälschungsvorwürfen der britischen Zeitung Financial Times verantwortlich. Zudem habe man "keine ausreichenden Erklärung für bestimmte Buchhaltungsunterlagen und Transaktionen erhalten. Wirecard verwies dem Bericht zufolge auf den uneingeschränkt testierten Konzernabschluss. Nur dieser sei maßgebend.

Wirecard beschwichtigt

Wirecard teilte am Morgen mit, die Tochter in Singapur habe wegen der laufender Ermittlungen seitens der dortigen Behörden nicht alle Daten vorlegen können. Für den Konzernabschluss nach den Rechnungslegungsvorschriften IFRS sei das aber nicht relevant. "Der lokale Abschluss wurde jedoch im Rahmen der Möglichkeiten ordentlich geprüft", erklärte der Dax-Konzern. Die Tochter in Singapur sei eine kleine Einheit und die mit ihrer Bilanzierung erhobenen Vorwürfe seien altbekannt, sagte ein Händler.

Zu Beginn des Jahres hatte die Financial Times dem Zahlungsabwickler vorgeworfen, in der in Singapur ansässigen Asien-Zentrale die Bilanz manipuliert zu haben. Wirecard musste daraufhin einräumen, einige Posten falsch verbucht zu haben. Systematische Luft- und Falschbuchungen, wie vorgeworfen, schloss das Unternehmen aber aus. Dennoch beschäftigt der Fall weiter die Gerichte – sowohl Wirecard als auch die FT wegen des Vorwurfs der Zusammenarbeit mit Spekulanten stehen im Visier.

Im Oktober hatte die FT dann berichtet, dass 2016 die Hälfte des Gewinns von Wirecard durch ein Partnerunternehmen aus Dubai entstanden sei. Auch behauptete die FT, dass dass ein Großteil der in Dubai angegebenen Zahlungsabwicklung nie stattgefunden habe. Wirecard hat daraufhin KPMG gebeten, eine Sonderprüfung vorzunehmen.

lg