Wirecard

Wie steht es um den Cashflow? Wirecard: Nun gehts ans Eingemachte

Stand: 09.12.2019, 10:59 Uhr

Die Zahlungsabwickler aus dem Dax steht schon seit Jahren in der Kritik. Nun gibt es neue Vorwürfe der "Financial Times". Wie immer weist Wirecard die Vorwürfe zurück.

Dabei geht es dieses Mal nicht um die Vorwürfe, Wirecard habe Umsätze und Gewinne aufgebläht. Vielmehr wirft die "Financial Times" dem Dax-Konzern vor, in seiner Bilanz für 2017 auf Treuhandkonten geparkte Gelder zu den eigenen Bar-Reserven hinzugerechnet zu haben.

Mit Hilfe von Treuhandkonten werden die Kreditkartenzahlungen von Kunden und Händlern verarbeitet.

Hoher Cashflow

Wirecard hatte seinen ausgewiesenen Cashflow in den vergangenen Geschäftsjahr erheblich gesteigert. Von 129 Millionen Euro im Jahr 2014 stieg der Wert auf 750 Millionen Euro im vergangenen Geschäftsjahr. Gleichzeitig legte der Cashflow aus Investitionstätigkeit deutlich weniger stark zu, so dass sich der freie Cashflow stark erhöhte.

Unternehmen mit einem hohen freien Cashflow gelten finanziell als besonders solide, da sich der Barmittelfluss von Unternehmen durch eine kreative Buchführung nicht so leicht in die eine oder andere Richtung beeinflussen lässt.

Laut der "Financial Times" hat der beträchtliche Cash-Bestand von Wirecard angesichts der zahlreichen Vorwürfe für Beruhigung an der Börse gesorgt.

Wirecard besorgt sich viel Geld

Wirecard: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die Finanzzeitung verweist zudem darauf, dass Wirecard trotz einer hohen Netto-Cash-Position von 2,1 Milliarden Euro Ende Juni nur drei Monate später weitere 1,4 Milliarden Euro neue Schulden aufgenommen habe. Außerdem verweist die "Financial Times" auf die erhöhten Anstrengungen der Tochter Wirecard Bank, Einlagen von Privatkunden anzuwerben.

So bietet die Marke der Wirecard-Bank Boon ab Beginn des neuen Jahres 0,75 Prozent Zinsen aufs Girokonto - ein im Branchenvergleich äußerst ungewöhnlicher Schritt. Schließlich versuchen immer mehr Banken, mit Negativzinsen den Zufluss von frischen Kundengeldern abzuwehren.

Wirecard weist Vorwürfe zurück

Wirecard wies den Bericht der "Financial Times" zurück. Sämtliche Bargeld-Positionen seien gemäß des IFRS-Buchhaltungsstandards verbucht worden, sagte eine Sprecherin des Online-Zahlungsabwicklers am Dienstag.

Zu Beginn des Jahres hatte die Finanzzeitung dem Zahlungsabwickler vorgeworfen, in der in Singapur ansässigen Asien-Zentrale die Bilanz manipuliert zu haben. Wirecard musste daraufhin einräumen, einige Posten falsch verbucht zu haben. Systematische Luft- und Falschbuchungen, wie vorgeworfen, schloss das Unternehmen aber aus. Dennoch beschäftigt der Fall weiter die Gerichte – sowohl Wirecard als auch die "FT" wegen des Vorwurfs der Zusammenarbeit mit Spekulanten stehen im Visier.

Im Oktober hatte Wirecard angekündigt, die Vorwürfe rund um seine Bilanzierungspraktiken mit einer Sonderprüfung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG auszuräumen.

Die Wirecard-Aktie fiel am Morgen um bis zu fünf Prozent auf 109,40 Euro. Auch die Wirecard-Anleihe fiel auf nur noch gut 90 Prozent. Sie rentierte mit 2,56 Prozent.

ME

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Vorwürfe gegen Wirecard: Chronologie der Ereignisse Galerie

Kursverlauf Wirecard, 1. Januar bis 19. März 2019

30.1.19: Erste Vorwürfe
Am Mittwoch, 30. Januar bricht die Wirecard-Aktie nachmittags schlagartig um rund 21 Prozent ein. Grund ist ein kritischer Bericht in der Online-Ausgabe der "Financial Times" über den Zahlungsabwickler. Demnach habe ein hochrangiger Manager in Singapur im vergangenen Jahr womöglich Verträge gefälscht und Geldwäsche betrieben. Die Zeitung bezog sich auf eine von ihr eingesehene interne Präsentation, die sich mit zweifelhaften Geldströmen beschäftigt haben soll.