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Prognose erneut erhöht Wirecard ist nicht zu bremsen

Stand: 07.08.2019, 10:05 Uhr

Wirecard kann weiter vom Boom im Online-Shopping profitieren. Zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen hat der Zahlungsdienstleister seine Prognosen nach oben geschraubt - nach einem satten Gewinn- und Umsatzplus im ersten Halbjahr.

Wirecard wächst und wächst. "Im ersten Halbjahr hat sich unser Wachstum beschleunigt, sodass wir äußerst optimistisch in das zweite Halbjahr blicken", sagte Firmenchef Markus Braun am Mittwoch. Beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen geht er jetzt von 765 Millionen bis 815 Millionen Euro für das Gesamtjahr aus.

Bisher war mit jeweils fünf Millionen Euro weniger gerechnet worden. Bereits im Mai hatte das Unternehmen aus Aschheim bei München seine Ziele angehoben. In den ersten sechs Monaten legte das Ebitda um 36 Prozent auf 342,1 Millionen Euro zu. Die Erlöse stiegen um 37 Prozent auf 1,21 Milliarden Euro.

Im zweiten Quartal verbuchte Wirecard ein Umsatzplus von gut 37 Prozent auf 643 Millionen Euro, das Ebitda stieg um knapp 36 Prozent auf 184,1 Millionen Euro. Unter dem Strich stand mit 131,4 Millionen Euro auch dank geringerer Steuern ein Gewinnzuwachs von fast 57 Prozent.

Höhere Gewinnprognose zündet nicht

Wirecard: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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"Dementsprechend haben wir unsere Prognose 2019 sowie die Vision 2020 erhöht", erklärte Braun. Auch für das kommende Jahr zeigt sich das Unternehmen also nun optimistischer: Der Umsatz soll auf mehr als 3,2 Milliarden Euro klettern. Bisher lag die Vorgabe bei mehr als drei Milliarden.

Trotz lobender Worte von Analysten scheinen die Anleger nicht ganz zufrieden. Im frühen Handel rutscht die Aktie um fast zwei Prozent ab und ist Dax-Schlusslicht. Die moderat höhere Prognose könne "keinen unmittelbaren Impuls" ausmachen, so Commerzbank-Analystin Heike Pauls.

Kooperation mit Aldi und Softbank

Wachstum verspricht sich Wirecard unter anderem von einer Kooperation mit Aldi Süd und Aldi Nord. Der Zahlungsdienstleister kommt künftig ins Spiel, wenn Kunden in Deutschland an der Kasse mit Kreditkarten oder Debitkarten wie "Visa Pay" zahlen wollen. Wirecard sorgt dafür, dass das Geld vom Kundenkonto bei Aldi landet. Nur die verbreiteten Girokarten - früher als EC-Karten bekannt - sind davon ausgenommen.

Nach Branchendaten bezahlen Kunden bei Aldi mehr als 1,7 Milliarden Euro im Jahr mit Visa- oder Mastercard-Kreditkarten oder Konto-Karten, wie sie etwa die Direktbank ING ausgibt. Aldi hat die Kartenzahlung erst vor einigen Jahren eingeführt.

Auch die Zusammenarbeit mit dem japanischen Technologieinvestor Softbank soll in Zukunft eine große Rolle spielen. Der Vorstand schätzt das Gewinnpotenzial aus der Partnerschaft über einen Zeitraum von fünf Jahren auf 209 bis 273 Millionen Euro. Wirecard setzt unter anderem auf Marktzugänge in Japan und Südkorea sowie die Entwicklung gemeinsamer neuer Produkte und Dienstleistungen.

Markt für Zahlungsdienstleistungen boomt

Wirecard wickelt für Einzelhändler, Flug- und Bahnkonzerne sowie Telekommunikationsfirmen auf der ganzen Welt Zahlungen ab und kassiert dafür Gebühren. Der Konzern setzt vor allem auf die Auswertung von Online-Bezahldaten, um Kunden Zusatzangebote wie Kredite oder Versicherungen anbieten zu können.

Das über die Wirecard-Plattform abgewickelte Transaktionsvolumen legte von Januar bis Juni um 38 Prozent auf 77,3 Milliarden Euro zu. Weltweit boomt der Markt für Zahlungsdienstleistungen wie nie zuvor. Beteiligungsgesellschaften und strategische Investoren geben Milliarden aus, um Firmen aus der Branche zu kaufen.

tb