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Jahresziele erhöht Wirecard wird noch zuversichtlicher

Stand: 08.05.2019, 10:53 Uhr

Die jüngsten Turbulenzen haben dem operativen Geschäft von Wirecard offenbar nicht geschadet. Der Zahlungsabwickler hat im ersten Quartal seinen rasanten Wachstumskurs fortgesetzt und hebt die Jahresprognose an.

Mit einem noch optimistischeren Ausblick versucht Wirecard-Chef Marcus Braun die Zweifel am Geschäftsmodell des Fintech-Konzerns zu zerstreuen. Für das Gesamtjahr strebt Braun nun ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 760 bis 810 Millionen Euro an. Bisher hatte Wirecard 740 bis 800 Millionen Euro angepeilt.

Gewinn- und Umsatzsprung im ersten Quartal

Das starke erste Quartal hat das Wirecard-Management mutiger gemacht. In den ersten drei Monaten des Jahres kletterte das operative Ergebnis um fast 41 Prozent auf 158 Millionen Euro. Unter dem Strich verdienten die Münchner 106 Millionen Euro - gut die Hälfte mehr als im Vorjahreszeitraum.

Der Umsatz stieg um knapp 35 Prozent auf 566,7 Millionen Euro. Der weitaus größte Teil des Wachstums kam aus eigener Kraft, also ohne Zukäufe und Wechselkurseinflüsse.

Profiteur des Onlineshopping-Trends

Wirecard profitiert vom ungebrochenen Trend hin zu elektronischen Zahlungen vor allem beim Onlineshopping. Die Zahl der angeschlossenen Händler kletterte auf 293.000. Das Transaktionsvolumen auf der eigenen Zahlungsplattform wuchs im ersten Quartal um gut 37 Prozent. Hiervon behält Wirecard einen gewissen Anteil an Gebühren ein, laut Unternehmensangaben sind das zwischen 1,4 und 1,7 Prozent. Mehr als die Hälfte der Zahlungsströme wickelt Wirecard mittlerweile bereits außerhalb Europas ab. Wirecard rechnet bis ins Jahr 2021 mit einem Marktwachstum bei bargeldlosen Zahlungen von rund 14 Prozent pro Jahr.

Analysten zeigten sich positiv angetan von den Zahlen und der Anhebung der Prognose. Die teilweise befürchtete Kundenzurückhaltung sei trotz der vielen Störfeuer im ersten Quartal nicht eingetreten, schrieb Analyst Harald Schnitzer von der DZ Bank. Und auch die Erhöhung der Jahresziele kam überraschend für viele. Sie ist bei Wirecard zwar fast schon Gewohnheit, diesmal hatten Börsianer das mehrheitlich aber nicht auf dem Zettel.

Aktie auf Aufholjagd

Die Aktie von Wirecard springt am Mittwochvormittag um über drei Prozent nach oben und zählt zu den größten Dax-Gewinnern. Inzwischen hat der Dax-Titel seine Verluste seit Jahresbeginn wieder wettgemacht und liegt leicht im Plus. Vom im Spätsommer 2018 erreichten Rekordhoch von 199 Euro sind die Titel aber noch ein Stück entfernt.

Der geplante Einstieg des japanischen Konzerns Softbank über eine Wandelanleihe mit 900 Millionen Euro gab dem Aktienkurs jüngst noch einmal Schub. Softbank gilt unter Tech-Mogul Masayoshi Son als einer der wichtigsten und größten Technologie-Investoren weltweit. Wirecard will mit dem neuen Partner an der Seite auch Zugang zu dessen Beteiligungen bekommen, um diese womöglich für sich als Kunden zu gewinnen. Zudem soll Softbank den Markteintritt in Japan und Südkorea erleichtern. Die strategische Bedeutung des Deals sei weit höher als die rein finanzielle, sagte Braun jüngst. Das Geld will Wirecard unter anderem für Aktienrückkäufe und weitere Investitionen nutzen.

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Börse 9.30 Uhr: Softbank hilft Dax-Neuling Wirecard

Wirbel um Bilanzierungsprobleme

Berichte in der "Financial Times" zu Untersuchungen rund um Bilanz-Unregelmäßigkeiten bei Wirecard hatten Ende Februar zu einem Kurseinbruch geführt. Die Konzernspitze wiegelte zunächst ab, musste letztlich aber Fehler und "Qualitätsmängel" in der Buchhaltung einräumen - wenn auch in geringerer Höhe als in den 'FT'-Berichten suggeriert. Vom Vorwurf systematischen Betrugs und krimineller Scheinbuchungen sieht sich Wirecard nach den eigens in Auftrag gegebenen Untersuchungen und kleineren Korrekturen in der Bilanz aber entlastet. Die BaFin hatte mehrere Woche Leerverkäufe auf Wirecard-Aktien verboten.

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Wie funktionieren Leerverkäufe?

Konzernchef Braun hatte während der Untersuchungen rund um fehlerhafte Buchungen einer Konzerntochter in Singapur immer wieder konstatiert, er sehe durch die Anschuldigungen keinerlei Auswirkung aufs Geschäft. Das Management lasse sich in seiner Arbeit auch nicht aus der Bahn werfen. Braun ist mit rund sieben Prozent der Anteile der größte Aktionär des Unternehmens - sein Aktienpaket ist knapp 1,2 Milliarden Euro wert.

nb